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18. März 2017

Eine Woche lang feiern

  1. Thomas Reipöler, Porträt Themenseite Stadtjubiläum Foto: Privat

  2. Martina Feierling-Rombach Stadtjubiläum Foto:       Privat                         

  3. Markus Tauschek, Professor Uni Freiburg, Themenseite Stadtjubiläum Foto: Privat

  4. Bernd Dallmann Stadtjubiläum Foto: Privat

  5. Uta LinSS Leiterin Mütter- und Familienzentrum Klara Foto: Ingo Schneider

  6. Josephine Hebling Stadtjubiläum Foto: Privat

  7. Georg Koch Mitorganisator 1200 Jahre Freiburg-St. Georgen Foto: Michael Bamberger

  8. Renate Kiefer Alt-Stadträtin Foto: Ingo Schneider

  9. Josef Mackert Katholische Akademie Foto: Akademie

Eine Woche lang feiern

» Große Events organisieren, das ist Thomas Reipölers Tagesgeschäft. Bereits vor 25 Jahren gründete der 55-Jährige mit zwei Kollegen die Freiburger Agentur "Event Now". Die Gedanken zum Stadtjubiläum hat er sich nicht als Firmeninhaber gemacht, betont er, sondern als Freiburger Bürger. Der Geburtstag soll gefeiert werden – wenn das Ganze ein klares Ziel hat und nachhaltig Sinn macht. Sinn macht es, wenn die Menschen davon etwas haben. Aber bitte ohne Feuerwerk und Festreden!

Freiburgs Gründungsgeburtstag kann gut für das Stadtmarketing genutzt werden. Die Stadt kann so ihr Marken-Image stärken. Und die Menschen könnten für sich und ihre Stadt Gutes tun.

Jeder der 27 Stadtteile kann zum Beispiel eine eigene Aktion kreieren. Diese Aktionen werden von einem zentralen Gremium definiert, begleitet, begutachtet und freigegeben. Gerne auch mit historischem Bezug zur Stadtgeschichte: Rückblick, Augenblick, Ausblick? Alle Mitwirkenden tun dies im Ehrenamt. Die Stadt stellt ein Budget zur Verfügung: zum Beispiel für einen Bouleplatz, für neue Sitzbänke, für das, was der Stadtteil sich wünscht und was in den Gesamtkontext passt.

Wie soll gefeiert werden? Konzentriert und kompakt, das entfaltet mehr Wirkung! Ich plädiere für eine Freiburger Geburtstagswoche. Mit Live-Aktionen, Kunst, Kultur und Kulinarischem in den Stadtteilen, und zwar von Montag bis Freitag.

Zum Abschluss dann am Wochenende eine zentrale Zusammenkunft mit allen und für alle auf dem Münsterplatz und dem Platz der Alten Synagoge. Vielleicht so ähnlich wie beim Weinfest, allerdings mit mehreren kleinen Bühnen, mit Info-Ständen der Stadtteile, der Botschafter und Initiativen der Stadt. Inklusive Film-Dokumentation und Interviews. Der Tenor: "Ich und Freiburg".

Und die Kosten? Zehn Euro pro Freiburger: 230 000 Bürger ergibt 2,3 Millionen Euro.

Für die Aktionen der Stadtteile gibt’s also jeweils ein potenzielles Budget von zehn Euro pro Bewohner. Für das Drumherum, die zentrale Koordination und Organisation, weitere 700 000 Euro. Drei Millionen Euro sollten für das Ganze genügen.

Ein Fest der Bürger

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Martina Feierling-Rombach (60) leitet die Privatbrauerei Feierling. Die Diplom-Braumeisterin und ehemalige CDU-Fraktionschefin ist vielfältig ehrenamtlich engagiert. Unter anderem war sie 16 Jahre Vorsitzende des Vereins Gastliches Freiburg. An vergangene Freiburger Geburtstagsfeste erinnert sie sich gerne. Und freut sich auf ein Fest für alle und mit allen Bürgern der Stadt.

Ganz wichtig: Es muss ein Fest für alle Freiburger werden – und kein abgehobenes Programm für Intellektuelle. Nach dem Motto "Freiburg feiert" sollten zunächst Ideen aus der Bürgerschaft gesammelt werden, denn nur so kann gelingen, dass sich die Menschen mit dem Fest identifizieren. Alle Stadtteile sind einzubeziehen, besonders die bevölkerungsstarken. Die Bürgervereine sind gefragt, ebenso wie unsere Vereine. Und alle Generationen und Nationalitäten, die in unserer Stadt leben.

Die Institutionen, zum Beispiel aus Bildung, Handel, Kultur, Sport, Natur, Musik, Kulinarik und Wirtschaft, sind auch gefragt. Freiburgs Geschichte hat doch so eine große Tradition der Zünfte und des Handwerks, deshalb könnten sicherlich Sonderausstellungen organisiert werden.

Ein Stadtjubiläum ist eine große Chance für eine Stadt, um die Identität zu stärken. Wenn man feiert, dann das ganze Jahr über – mit vielen kleinen und größeren Veranstaltungen und einer zentralen Großveranstaltung.

Dass das Geld kostet, ist doch klar, und es sollte uns auch etwas wert sein. Deshalb hoffe ich, der Gemeinderat hat den Mut, entsprechende Mittel zu genehmigen. Mit einem überzeugenden Konzept wird es sicher gelingen, den Gemeinderat mitzunehmen. An der Spitze stehen muss eine überzeugende Persönlichkeit, die Lust und Freude auf die Stadtfeier macht.

Ich freue mich heute schon auf das Festjahr. Gerne erinnere ich mich noch an die 850- und 875-Jahrfeiern. Das waren tolle Feste!

Geschenke für alle

» Professor Markus Tauschek (Jahrgang 1977) leitet das Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Freiburg. Er forscht unter anderem zu Geschichtskultur und Erinnerungsdiskursen – und im Bereich Populäre Kultur auch über Festivals. Seine Ideen für Freiburg? Gemeinsam feiern – und sich von der Stadt zum Geburtstag beschenken lassen.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Als Kulturanthropologe weiß ich, dass Rituale wie ein Jubiläum unter anderem die Funktion der Selbstvergewisserung haben. Dabei kann die Stadt über sich, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft nachdenken.

Das Jubiläum ist für Freiburg eine Chance, nicht nur auf eine bewegte Geschichte zurückzublicken. Wie jedes Ritual kann das Stadtjubiläum auch dazu dienen, die Menschen in dieser Stadt zusammenzubringen. Denn gemeinsam feiern verbindet. Deshalb meine ich: Ja, wir sollten feiern und dabei zeigen, dass diese Stadt weltoffen und vielfältig war und ist.

Wenn man das Stadtjubiläum als identitätsstiftendes Ereignis sieht, dann reicht wohl ein einziger Festakt kaum aus. Für viele Anlässe gibt es in der Kulturgeschichte schon ein entsprechendes Format: die Festwoche.

Jeder Geburtstag kann traditionelle Elemente enthalten. Zum Feiern gehören Essen und Trinken genauso wie Musik und Begegnungen – und natürlich Geschenke.

Deshalb würde ich sagen, dass die Stadt sich selbst und ihren Bürgerinnen und Bürgern etwas schenken sollte: Wie wäre es mit einer Woche kostenlosem Nahverkehr oder mit einem kostenlosen Eintritt in die Museen, ins Konzerthaus oder ins Schwimmbad? Darüber hinaus sollte das Stadtjubiläum alle Menschen in dieser Stadt mitnehmen. Und dann gälte es, schon in der Vorbereitung möglichst viele daran zu beteiligen.

Über das Budget des Stadtjubiläums sollten diejenigen entscheiden, die wissen, was in den kommenden Jahren wofür und in welchem Umfang gebraucht wird.

Freiburgs neue Mitte

Bernd Dallmann (65) weiß, wie man Gäste nach Freiburg lockt. Der Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) arbeitet schon seit 30 Jahren für die Stadtverwaltung. 1985 wurde Dallmann Organisationschef der Landesgartenschau. Deren Erfolgsbilanz: mehr als 3500 Einzelveranstaltungen und zwei Millionen Besucher.

Alle Bürger sollten einmal im Leben einen richtigen Stadtgeburtstag erleben dürfen. Deshalb plädiere ich für Stadtjubiläen alle 50 Jahre und ein Fest zum 900. Geburtstag – in Leichtigkeit und Ausgelassenheit und in Anerkennung für die großartige Entwicklung unserer Stadt in den vergangenen 50 Jahren.

Entscheidend für das Jubiläumsjahr mit Dutzenden von Veranstaltungen, die den Stadtgeburtstag ausmachen, ist die Gestaltung durch die Bürger selbst. Das Motto: "Das Eigen zeigen". Kein bestelltes Konzept und importierte Künstler, nur die Beiträge der Bürger geben ein authentisches Bild der Stadt wieder.

Im Wettbewerb der Ideen und Veranstaltungen können alle Freiburger Gruppen, Vereine und Stadtteile ihre Ideen einbringen. Die Vorschläge werden von einem ehrenamtlichen Festkomitee gesammelt, bewertet, zu einem Konzept zusammengefasst und dann umgesetzt. Ein Management-Team unterstützt das Komitee bei der Auswahl und Bewertung und organisiert das Ganze.

Die Dauer richtet sich nach dem finanziellen Rahmen und der Zahl der eingereichten Beiträge. Das wäre ein nachhaltiger Beitrag zum 900-Jahre-Gedenken, mit dem wir das kostbarste Gut unserer Stadt nutzen: die Kreativität der Freiburgerinnen und Freiburger.

Dazu gehört ein multimedialer Rückblick auf die vergangenen 900 Jahre, unterhaltsam, lehrreich und verständlich gestaltet, mit modernster Technik Stadtgeschichte für jeden erlebbar, eine große Herausforderung für Historiker und Medientechnologie. Freiburgs Kreative sind gefordert! Dazu der bürgernahe Ausblick auf die nächsten 100 Jahre. Wo steht Freiburg, und wo geht's hin, bis die Stadt 1000 Jahre wird? Schließlich stehen wir ja alle auf den Schultern unserer Vorfahren. Zum Jubiläum passt auch ein zentrales Fest: früher rund ums Münster, gilt’s jetzt die neue Mitte Freiburgs in Besitz zu nehmen. Vom Münsterplatz zum Platz der Alten Synagoge, über Rotteckring und Friedrichring schlendert die Festgesellschaft von Freitag bis Montag, überall Tanz und Kultur, Musik, Essen und Trinken, eine lange Festtafel, Licht und Ton in einer neu gestalteten und illuminierten Stadtmitte.

Zeit ist genug vorhanden, finanzielle Mittel ebenfalls: 10 bis 20 Euro pro Bürger sollte der Gemeinderat schon spendieren für unseren Geburtstag – bei 15 Euro und 235 000 Einwohnern wären das 3,5 Millionen Euro. Wir sollten den Weg gemeinsam gehen und das Jubiläum bloß nicht zu verkopft gestalten: Geburtstag feiern muss vom ersten Moment an Spaß machen...

Faire Auseinandersetzung

» Josef Mackert (58) ist Studienleiter für Zukunftsfragen der Gesellschaft in der Katholischen Akademie Freiburg. Zudem ist er Sprecher der Freiburger Initiative "Kultur macht reich", die sich für eine kreative und fördernde Kulturpolitik stark machen will. Er fordert eine faire Auseinandersetzung mit dem Konzept von Barbara Mundel, an deren Theater er Chefdramaturg war.

Das kommende Stadtjubiläum Freiburgs bedeutet für mich zweierlei: Die Chance zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Stadt als Basis für eine aktuelle Selbstverständigung der Bürgerinnen und Bürger über die Zukunft dieser Stadt. Außer der schönen Gelegenheit zum Feiern ist es dieser Prozess gemeinsamen Nachdenkens, den wir uns alle und allen zum Centenarium schenken könnten.

Darüber hinaus möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Vorschläge machen. Der Oberbürgermeister hat mit der Zustimmung der Stadträte eine Kuratorin berufen, die ein Programm für das Jubiläumsjahr entwerfen sollte. Sie hat dafür ein Jahr lang in vielen Gesprächen, Workshops und Versammlungen Meinungen eingeholt und im Dialog mit dem Oberbürgermeister und der gemeinderätlichen Begleitgruppe einen Vorschlag vorgelegt.

Die Art und Weise, wie dieser Vorschlag behandelt wurde, finde ich gegenüber der Kuratorin und allen, die in die vorbereitenden Gespräche einbezogen waren, zutiefst respektlos. Vor jeder neuen Diskussion über Form und Inhalte eines Jubiläumsprogramms sollte meiner Meinung nach zunächst eine öffentliche und faire Auseinandersetzung des Gemeinderates mit dem vorgelegten Entwurf stattfinden. Dafür sind Fraktionssitzungen anberaumt. Diesen möchte ich nicht vorgreifen.

In die Zukunft schauen

Ein Fest für alle Generationen, das wünscht sich Josephine Hebling. Die 16-jährige Schülerin des Berthold-Gymnasiums war seit der Gründung des Kinderbeirats der Stadt Freiburg dort aktiv, jetzt ist sie Kinder- und Jugendbeirätin des Deutschen Kinderhilfswerkes. Ihr Ziel: Politiker sollen die Stadt mit Kinderaugen sehen.

Ich finde es wichtig, dass die Stadt Freiburg das Jubiläum feiert. 900 Jahre bieten doch eine tolle Gelegenheit, die Vielfalt unserer Stadt präsentieren zu können. Bei den Geburtstagsfeiern sollten alle Generationen angesprochen werden. Ich fände einen Austausch mit anderen Freiburgerinnen und Freiburgern besonders spannend. Ich denke, das Jubiläum sollte mit monatlichen Aktionen das ganze Jahr über gefeiert werden. Eröffnet werden kann es mit einem großen Festakt, an dem auch Freiburgs Partnerstädte beteiligt sein könnten.

Das Stadtjubiläum ist doch eine perfekte Gelegenheit, über die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft Freiburgs nachzudenken. Einerseits kann man die Entstehung und Geschichte der Zähringerstadt beleuchten, andererseits finde ich einen Blick in die Zukunft besonders spannend. Mich interessiert: Was sind Ziele und Chancen für unsere Stadt? Gezeigt werden können auch die kulturellen, nachhaltigen, sportlichen und politischen Seiten der Stadt. Dabei können die Feiern und Aktionen an bestehende Projekte anknüpfen. Wichtig ist: Die Veranstaltungen sollen allen Freiburgern Raum geben, sich kennenzulernen und auszutauschen.

Ich kann schwer einschätzen, welche Summe die Stadt ausgeben soll, aber das Jubiläum sollte in einem angemessenen Rahmen gefeiert werden, sodass alle Stadtteile, Generationen und Interessensgruppen angesprochen werden.

Große Zähringertage

» Georg Koch kennt sich aus mit Jubiläen: 1986 hat er als Vorsitzender des Bürgervereins St. Georgen den 1200. Geburtstag mitorganisiert. Auf das ganzjährige Programm und die Festwoche samt historischem Umzug ist der 84-Jährige stolz. Und auf die Kosten: 50 000 DM gab’s von der Stadt, den Jubiläumsverein habe man 1997 mit Überschuss aufgelöst.

Gefeiert werden sollte Freiburgs Geburtstag – und zwar von 31. Dezember 2019 bis zum 31. Dezember 2020. Wie es sich für Silvester gehört mit einem schönen Feuerwerk, mit Musik und Tanz im Konzerthaus oder an der Messe. Am 1. Januar wäre ein Jubiläumsgottesdienst ein guter Auftakt mit den Freiburger Kirchen, den Vereinen und Institutionen, mit verschiedener Musik, mit Fahnen und Uniformen.

Zum Jubiläumsjahr gehören auch herausragende Feste wie die Freiburger Weintage oder die Freiburger Weinkost. Auch ein Musikfestival der Musikkapellen aus den Stadtteilen wäre schön.

Oder die Zähringertage: ein großes Festwochenende mit den zwölf Zähringerstädten und einem historischen Festumzug, der die Geschichte der Stadt zeigt. Das Jahr über könnte es geschichtliche Vortragsreihen geben, Ausstellungen in den Museen und verschiedene Konzerte. Die Kinder und Jugendlichen darf man nicht vergessen. Und Sport gehört auch dazu, ein Fußballturnier der Zähringerstädte wäre doch was!

Wie viel soll es kosten? Gute Frage! Zwei bis drei Millionen Euro sollten reichen. Es wird ja auch Geld eingenommen.

Solidarisch feiern

Uta Linß leitet das Mütter- und Familienzentrum Klara e. V., eine offene Einrichtung für Frauen und Männer jeden Alters mit und ohne Kinder, unabhängig welcher Herkunft. Die 52-Jährige hat sich in ihrem Umfeld umgehört und Ideen für das Stadtjubiläum gesammelt.

Freiburg soll sein 900-Jähriges feiern. Kulturelle und politische Veranstaltungen, an denen alle Bürgerinnen und Bürger teilhaben können, sollten einen Bogen von der Geschichte zur aktuellen Entwicklung spannen. Das Thema: Wie können wir mehr Freiheit und Demokratie wagen? Ein geeigneter Anknüpfungspunkt wäre sicherlich die Revolution in Baden 1848/49. Das eigentliche Fest sollte zeitlich begrenzt sein, auf ein Wochenende bis höchstens eine Woche. Zum Thema "Demokratie und Freiheit auf kommunaler Ebene" sind übers Jahr verteilt in den Stadtteilen Veranstaltungen denkbar.

Unser Favorit: ein Fest in der Innenstadt für alle Freiburger, Gäste und Touristen. Bürger in historischen Kostümen stellen zum Beispiel die Erstürmung der Barrikaden am Breisacher Tor von 1848 nach. Kanonendonner in Freiburg wäre toll – ohne Kugeln, aber mit echtem Donner.

Zu Freiheit und Demokratie gehört auch Solidarität. Bei Eintritten oder an "Fressbuden" könnte gelten: "Nimm eins, zahle zwei". Wer es sich leisten kann, zahlt einen Gutschein, der von jemanden eingelöst werden kann, der sich den Spaß sonst nicht leisten könnte.

Bei runden Tischen oder Bürgerforen könnten Freiburger mit Vertretern aus Politik und Verwaltung im Laufe des Jahres ein Konzept erarbeiten, wie zukünftig mehr Teilhabe, Demokratie und Solidarität möglich werden kann. So würden die Investitionen in das 900. Jahr hinaus tragen. Zu den Kosten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Rauchende Köpfe

Altstadträtin Renate Kiefer (81) war und ist ein Kulturmensch. Sie ist im Vorstand des Kunstvereins und der Gesellschaft für Neue Musik "Mehrklang". Außerdem hat sie die AG "Wundertüte" im Lokalverein Haslach mit gegründet.

Das Jubiläum sollte nicht nur gefeiert werden, sondern zum Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft der Stadt anregen. Nicht mit nostalgisch verklärtem Blick, sondern im Sinne von Ricarda Huch: "Tradition ist Weiterreichen der Glut, nicht der kalten Asche." Mit dem Blick zurück muss der Blick nach vorn verbunden werden – und die Frage, wie das Freiburg der Zukunft aussehen soll.

Veranstaltungen, wenn sie einem solchen Anspruch genügen sollen und entsprechend vielfältig sind, müssen übers Jahr verteilt werden. Es geht nicht um ein einmaliges Event, sondern um die Chance einer Neudefinition auf Basis der Vergangenheit. Die Veranstaltungen sollten viele Themen ansprechen. Zudem sollten sie die Ressourcen der Stadt nutzen, allen voran die der Hochschulen und kreativen Kräfte der kulturellen Einrichtungen. Freiburgs Ressourcen liegen nicht in rauchenden Schornsteinen, sondern in rauchenden Köpfen! Selbstverständlich müssen möglichst viele Menschen in Diskussionen und Veranstaltungen einbezogen werden.

Über Geld wird geredet, wenn ein Konzept da ist. Wichtig sind Projektmittel, für Schul- und Kunstideen. Wenn ein solches Vorhaben von einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung und in der Politik gewollt ist und von Begeisterung beflügelt wird, wird es auch die Mittel dazu geben. Nicht nur in Form von städtischen Mitteln, sondern auch von Spenden- und Sponsorengeldern.