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20. Juni 2009

Wie viel Militär verträgt Müllheim?

Deutsch-Französische Brigade feiert ihr 20-jähriges Bestehen unter anderem mit einem Marsch / Friedensgruppen protestieren.

MÜLLHEIM. Die Deutsch-Französische Brigade, seit 1992 mit dem Stab und dem Versorgungsbataillon in Müllheim stationiert, feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Dass dieser Anlass mit dem Müllheimer Stadtfest am nächsten Wochenende und einem Marsch von 1500 Soldaten durch die Innenstadt verbunden ist, sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff. Friedensbewegte Gruppen rufen zu Protesten gegen den Marsch auf.

Es ist eine ungewöhnliche Allianz aus Friedensrat, Grünen, einem evangelischen Arbeitskreis, der DGB-Ortsgruppe und der Partei "Die Linke", die gegen die Pläne Sturm läuft. "Militäraufmärsche, Appelle und andere militärische Veranstaltungen im öffentlichen Raum sind Machtdemonstrationen, wie sie von autoritären Regimen genutzt werden", lautet eine ihrer Aussagen, "die Brigade ist ein Instrument des Tötens und nicht der Völkerfreundschaft" eine andere.

Auch auf der Seite der Befürworter wird scharfes Geschütz aufgefahren. "Wer so das Ansehen der Deutsch-Französischen Brigade beschädigt, beschädigt auch das Ansehen der Stadt", sagt Müllheims Bürgermeister René Lohs. Ihm sitzt noch im Nacken, dass der französische Staatspräsident den Standort zu Beginn des Jahres in Frage gestellt hatte. Nun fürchtet er, die kritischen Töne könnten bis nach Paris dringen.

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Der Widerstand zieht in der Tat schon Kreise. Seine Flugblätter werden von Freiburg bis Lörrach verteilt, und es wird zu friedlichem Protest aufgerufen. Dabei wird – um im Jargon zu bleiben – in Müllheim auch ein Stellvertreter-Krieg geführt. Denn die Friedensbewegten zielen mit ihrer Kritik auf die deutsche Außenpolitik, die seit 1990 die Bundeswehr zu Einsätzen ins Ausland schickt. Die sachliche Auseinandersetzung darüber, ob es klug ist, die Brigade derart ins Rampenlicht zu rücken, gerät in den Hintergrund.

Brigadegeneral Andreas Berg, der Kommandeur der Brigade, betont, dass ihm vor allem an mehr Gelassenheit gelegen sei im Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr. Die Brigade wolle bei ihrem Jubiläum ihre Verbundenheit mit der Region zum Ausdruck bringen, in der sie stationiert ist. Denn es wird nicht nur durch Müllheim marschiert, sondern über den Schwarzwald, die Vogesen und den Rhein hinweg. Die Soldaten kommen nämlich auch von den beiden Standorten Donaueschingen und Immendingen sowie vom Hartmannsweilerkopf im Elsass, um sich am Freitag kommender Woche in Müllheim zu einem Biwak zu treffen. Von dort marschieren sie durch Müllheims Werderstraße zur Kaserne – im Feldanzug, mit leichter Bewaffnung, einer Militärkapelle und mit Liedern auf den Lippen.

Reverenz an die französischen Partner

Der Marsch sei kein Selbstzweck, betont Berg, sondern eingebettet in eine Übung. Er sei auch keine Militärparade. Aber er ist, das räumt Berg ein, eine Reverenz an den Partner im binationalen Verband, "ein bisschen der Versuch, die französische und deutsche Tradition zu verbinden". Der Brigadegeneral und der Bürgermeister, die sich diese Form des Feierns ausgedacht haben, sind überzeugt, dass die Kritik nur von einer politischen Randgruppe kommt und sehen sich in Müllheim von der Mehrheit getragen. Im Gemeinderat gab es eine breiten Konsens von der CDU über die Freien Wähler bis zur SPD. Nur zwei Gruppierungen mit zusammen sechs (von 28) Stadträten sagten Nein.

An den Brigadestandorten Donaueschingen und Immendingen ist es bisher ruhig geblieben. "Wir sind hier eingebunden in das öffentliche Leben. Die Bürger sehen uns hier jeden Tag in Uniform, und ich kann mich nicht erinnern, dass das je Anlass zur Kritik gegeben habe", sagt Presseoffizier Gerhard Graf in Donaueschingen. Erstaunen über die Aufregung in Müllheim auch in Immendingen: Aktivitäten im öffentlichen Raum gehören für die dortigen Soldaten dazu. So finden auf dem Immendinger Schlossplatz öffentliche Gelöbnisse statt, und als der Standort 2008 sein 50-jähriges Bestehen feierte, war die Bevölkerung begeistert dabei, erinnert sich Feldwebel Guido Averhage. Niemand habe daran Anstoß genommen.

Dass die Brigade auch in Müllheim geschätzt wird als größte Arbeitgeberin, die die Region mit vielen Investitionsmillionen und der Kaufkraft der Soldaten und ihren Familien stärkt, ist unbestritten. Dass die Liebe der Bevölkerung aber so weit geht, dass sie vorbehaltlos hinter den Auftritten steht, ist Spekulation. Ins Stadtfest sind die Soldaten allerdings von jeher integriert. Sie haben einen Stand, und der Stab ist beim Festauftakt vertreten. Der ist dieses Jahr ebenfalls von der Brigade geprägt. Der Generalinspekteur des Heeres, General Hans-Otto Budde, früher Kommandeur der Brigade, hält den Stadtfestvortrag in der säkularisierten Martinskirche. Auch das sehen die Kritiker nicht gern.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch und Maikka Kost