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15. Januar 2012 04:22 Uhr
Boxen
Wie war’s bei … der Party nach dem Abraham-Kampf?
Nach dem Kampf ist vor der Party. Das war beim Fight von Arthur Abraham gegen Pablo Farias nicht anders. Von Glamourfaktor aber keine Spur – statt großer Sause fand in der Baden-Arena ein Familientreffen statt.
Der erste Eindruck: Die Veranstaltung hat den Charme einer Feier in einem, so gut das eben möglich ist, hergerichteten Teil einer Messehalle. Was damit zu tun hat, dass sie genau da stattfindet. Schwarze Vorhänge als Wände, die Internationale der unverwüstlichen Grünpflanzen als Farbtupfer, dazwischen Zehnertische mit Blumengestecken und mit rotem Stoff eingeschlagene Stehtische. Eine Party ist was anderes. Was sich hier abspielt, ist eher ein gemütliches Beisammensein des Boxstalls Sauerland und seiner 250 engsten Freunde, interessiert beobachtet von mehr, eher minder wichtigen Menschen, die der erste Profiboxkampf seit Ewigkeiten in Offenburg zusammen geführt hat.
VIP-Faktor: Keine Spur von Bussi-Bussi-Gesellschaft – abgesehen von zwei Männern im reifen bis reifsten Alter. Schlagersänger Tony Marshall und Abraham-Trainer Ulli Wegner drücken sich zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange. Aber sonst? Neben den Alten Herren des deutschen Boxsports – Sven Ottke, Axel Schulz mit der unvermeidlichen "Fackelmann"-Kappe und Markus Beyer – gehen die Musiker der Band Boss Hoss mit ihren Tätowierungen, Ripp-Shirts und Hüten schon als Exoten durch. Deren Sänger Alec hat vor dem Kampf übrigens den Spruch des Abends losgelassen: "Wir werden Arthur Abraham einen schönen Einlauf verpassen" – gemeint war weniger eine Standpauke als der Song, den The Boss Hoss spielten, während sich Abraham auf den Weg in den Ring machte.
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Dresscode: Die Männer bevorzugen Anzüge an weißem Hemd, Sakko zur Jeans, gerne auch mal Hemd mit auffälligen Polo-Trikot-Logos überm Denim. Die Damen – deutlich in der Minderzahl – halten es mit der Devise: Schwarz ist das neue Schwarz – erst recht, wenn es einen schönen Kontrast zu Platinblond ergibt.
Beschallung: Der DJ von Hitradio Ohr gibt sich alle Mühe mit seinem Set aus dem Abgelutschtesten der 80er, dem Totgespieltesten der 90er und dem Uffz-uffz-uffzigsten der 2000er-Jahre. Das Publikum dankt es ihm mit viel Platz auf der ohnehin minimal bemessenen Tanzfläche vor seinem Pult.
Bewirtung: Handfest. Kohlenhydrate, um den Energiespeicher einer ganzen Boxstaffel aufzufüllen: Nudeln, Kartoffeln, Reis, Fleisch, Rahmsoße, dazwischen eine Warmhaltewanne mit dem Alibi-Gemüse Rotkraut. Dazu gibt es das beliebte Salatbuffet mit dem vom deutschen Kantinenverband patentierten Baukastensystem. Standhaft weigert sich der Lollo Rosso zu welken, muss sich gegen 2 Uhr aber doch in sein Schicksal fügen.
Zeitvertreib des Abends: Erinnerungsfotos schießen. Dafür begeistern sich ausschließlich Männer, die sich wahlweise neben die alten Herren des Boxens, Arthur Abraham oder Supermittelgewichts-Weltmeister Robert Stieglitz stellen. Fan und Star ballen die Faust, zeigen die Zähne – fertig ist das Souvenir.
Bilanz: Das Bunteste an dieser Party waren die Werbephalli des ARD-Boulevard-Magazins "Brisant". Aber was will man machen, wenn sämtliche B- und C-Promis, die sonst solche Veranstaltungen bevölkern, gerade im Dschungel-Camp kaserniert sind – oder statt bei der ARD, die den Abraham-Kampf zeigte, beim anderen Boxsender RTL unter Vertrag stehen?
Autor: Peter Disch
