Weltpremiere

Wie war’s bei...DJ Bobo im Europa-Park in Rust?

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Sa, 12. Januar 2019 um 10:03 Uhr

Rock & Pop

Dreimalausverkauft. Noch bis Sonntag feiert DJ Bobo im Europa-Park in Rust die Weltpremiere seiner Kaleidoluna-Tour. Der Konzertauftakt der 90er-Legende in der Kurzkritik.

Der erste Eindruck

Die Schweizer haben’s mit Zauberformeln. In der Politik sorgt eine dafür, dass die sieben Sitze im Bundesrat gleichmäßig auf die wichtigsten Parteien aufgeteilt werden. Sie berücksichtigt auch alle drei Landessprachen, und das seit 60 Jahren. Im Pop sorgt eine
dafür, dass René Baumann alias DJ Bobo, Jahrgang 1968, seit über 25 Jahren mit einer Musik erfolgreich ist, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1991 bis 1993 hatte: Eurodance.

Baumann, der seit Veröffentlichung seiner Single "Somebody Dance With Me" (1992) über 15 Millionen Tonträger verkauft hat, steht für die Versprechen des Pop. Ewige Jugend, Schönheit, Freiheit, Frieden, Liebe. Alle seine Songs handeln davon. Dass dieses Versprechen eine Selbstlüge ist, Stichwort Vergänglichkeit, interessiert nicht.

"Schließe deine Augen. Hebe sie gen Himmel empor. Aus Farben sind wir gemacht, aus Sternen." So begrüßt er das Publikum in der Europa-Park-Arena. Das klingt nach Fernsehprediger und Yogalehrer, oder eben: Pop.

Das Publikum

Die Augen schließen und den Kopf in Richtung eines fiktiven Himmels emporheben tut auch Maike. Die 28-Jährige Bötzingerin ist mit ihrem Partner nach Rust gefahren. Irgendwie sei sie schon immer ein Fan von DJ Bobo, von seiner Musik und Show, erzählt sie. Sogar
eines ihrer Kuscheltiere trage seinen Namen. Sie lacht. "Er macht halt immer wieder etwas Neues", ergänzt ihr Partner, der seinen Namen nicht im Internet lesen will.

Irgendwie schon immer Fan. Das sind die meisten der zweieinhalbtausend Gäste, die aus ganz Deutschland, Frankreich und der Schweiz angereist sind. Manche, wie die zwölf Jahre junge Emma, sind es erst seit wenigen Jahren. Ihre Mama, Nicole, 38, hat sie zum ersten Mal mit auf ein Konzert genommen.

Andere, wie Stefan Burgert aus Titisee, kennen die Songs des Aargauers Baumann, der zu Beginn der 1990er Jahre als Discjockey in der legendären, inzwischen geschlossenen Diskothek Oxa in Zürich auflegte, in- und auswendig. Der 56-jährige Burgert hat ihn schon drei Mal im Europa-Park erlebt, 1998, 2016 und 2017.

Aus Allschwil bei Basel angereist ist Melanie Butz mit ihrer Familie. Sie könne einfach nicht bis zum Sommer warten, dann erst trete DJ Bobo in ihrer Heimat auf. Was allen Fans und Konzertbesuchern gemeinsam ist: Sie schätzen DJ Bobo wegen seiner Bodenständigkeit und Bühnenpräsenz.

Bühne & Deko

Ein Countdown zählt die Sekunden rückwärts. Drei, zwei, eins. Es wird dunkel in der Europa-Park-Arena. Auf einer Leinwand rast ein Skydiver durch den Himmel. Im Hintergrund sind schneebedeckte Berge zu sehen, wahrscheinlich die Schweizer Alpen. Wie eine Heldenfigur aus einem Comic jagt der Skydiver auf das Publikum zu, den linken Arm gestreckt, die Hand zur Faust geballt.

Videoprojektion und Bühnenaufbau verschmelzen zu einer Einheit. Bassdrums stampfen monoton, begleitet von Synthesizer-Chords. Auf einmal tritt DJ Bobo gewissermaßen aus der Projektion heraus auf die Bühne. Um seine Schultern liegt ein roter Umhang. Der Popstar als Superheld, der seinem Publikum für ein paar Stunden in seine illusorische Märchenwelt holt.

Blitze zucken. Flammen züngeln. Die Bühne verwandelt sich von einem Fluggerät in eine Pyramide, von einem Kontrollzentrum in ein Schloss, von einem Landhaus in eine Ruine. Mit jedem Song ändern sich Bühnenaufbau und -bild. Ganz so, als ob Transformers am Werk wären,
die Form wandelnden Roboter aus der beliebten Spielzeugserie der 1980er und 1990er.

Show & Choreographie

Linker Arm auf rechte Schulter, rechter Arm auf linke Schulter. Hüftschlenker nach links. Hüftschlenker nach rechts. Eine Drehung um die eigene Achse, und das Ganze wieder von vorne.

Die Tanzschritte und -bewegungen im Eurodance sind denkbar einfach. So einfach, dass niemand beim Nachahmen scheitern wird. Vielleicht war das Genre auch aus diesem Grund in Jugendzentren und Teeniediskos so beliebt. Der Tanz bot die Möglichkeit eines Gruppenerlebnisses jenseits von Kleidung als Code of Cool.

An diesem Abend greifen die vielen Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne diese schlichten Elemente auf. Dazu flimmern Videosequenzen auf. Ein Gesamtkunstwerk entsteht. Mittendrin steht, steppt, swingt, singt DJ Bobo - auch übers Tanzen. "Dance sweat move your body, jump around start to party." Das Publikum in der Europa-Park-Arena braucht zwar immer ein wenig, um warm zu laufen, doch dann klappt das ganz gut mit der Party.

Bobo, der Entertainer

Alles ist minutiös durchgetaktet. Konfetti, Luftschlangen und Lametta regnen so präzise auf das Publikum, als ob ein Quartz-Uhrwerk aus einem Jura-Seitental den Zeitpunkt vorgibt. DJ Bobo braucht das. Auch nach über 25 Jahren auf der Bühne sei er vor jedem Auftritt
sehr nervös, sagt er. Er kokettiert mit seiner eigenen Schwäche und erzeugt auch damit wieder eine Illusion des Pop: die Nahbarkeit der Kunstfigur. Das kommt gut an.

Die Musik

Gerade Bassdrums im Viervierteltakt, prägnante Hooklines, Piano-Akkorde. Break, Bridge, Kadenz, Chorus. Die Songs folgen alle derselben Formel. Was gespielt wurde? Unter anderem "1000 Dreams", "Colors of the World", "Chihuahua", "La Vida Es", "KaleidoLuna", "Pray", "Senorita", "Somebody Dance With Me", und natürlich "There’s A Party".

Was in Erinnerung bleibt

Das visuelle Storytelling zu den einzelnen Songs. DJ Bobo und sein Team setzen einzelne Szenen und Sequenzen dreidimensional in Szene, fast hologrammgleich. Diese Lichtskulpturen sehen sehr, sehr gut aus.

Fazit

Bewegungen, für jeden sofort nachvollziehbar. Texte, die man schnell verinnerlicht. Etwa Bass, ein bisschen Melodie. Mehr Pop als bei einer Show von DJ Bobo bekommt man nicht.