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16. August 2012 02:43 Uhr
Kurzkritik
Wie war's bei... Gossip in Colmar?
Gossip haben zum Abschluss der Weinmesse in Colmar gespielt. Mittelpunkt des Abends: Sängerin Beth Ditto – und das nicht nur wegen ihrer Unterwäsche.
Der erste Eindruck: Letzter Tag der Weinmesse in Colmar. Wer jetzt keinen Swimmingpool gekauft hat, kauft diesen Sommer keinen mehr – nur im Amphitheater ist von Kehraus keine Spur. Gossip sind in der Stadt – und bereiten dem Festival ein würdiges Finale mit einem 90-minütigen Konzert ohne Fehl und Tadel.
Set-List: unter anderem Love Long Distance, Move in the right Direction, Listen up!, Melody Emergency, Four Letter Word, Men in Love, Get a Job, Perfect World, Yr Mangled Heart, Get Lost, Into the Wild, Stand in the Way of Control, Heavy Cross
Die Musik: Was macht eigentlich die Songs von Gossip aus? Das Trio – live um zwei Musiker verstärkt – hat viel Zeit in der Indiedisco verbracht, in der Schwulenbar ihres Vetrauens lauthalts mitgesungen und schätzt Songs, ohne die Sender wie Baden FM längst eingegangen wären. Das Ergebnis: 90 Minuten pumpender Bass, funky Wave-Gitarre, viel Pop, Beth Dittos markante Sirenenstimme – ein eklezistischer Mix, dessen Quellen die Band nur zu bereitwillig offenlegt. In Colmar bauen Gossip "Psycho Killer" von den Talking Heads, Whitney Houstons "I wanna dance with Somebody", "Smells like Teen Spirit" von Nirvana und Black Sabbaths "War Pigs" in ihre Songs ein und covern Tina Turners "What’s Love got to do with it".
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Der Monroe-Moment: Es ist ein brüllend warmer Augustabend in Colmar. "Es ist heiß. Es ist die Hölle. Aber mir gefällt es", sagt Sängerin Beth Ditto nach dem dritten Song. Ein paar Minuten später schiebt die Crew einen Bodenventilator auf die Bühne – und wie Marilyn Monroe in der Komödie "Das verflixte siebte Jahr" lässt sich Ditto den Wind unter den Rock wehen. Während bei der Monroe der Stoff bis auf Oberschenkelhöhe flatterte, bewegt sich bei Beth Ditto gar nichts – sie trägt ein knallenges Schlauchkleid.
Die Enthüllung des Abends: Seit Meat Loaf hat es wohl keinen Popstar mehr gegeben, der so korpulent und trotzdem so dick im Geschäft ist wie Beth Ditto. Im Zeitalter von Magerwahn und Size Zero ist das ein Wunder – und das bereits erwähnte, im übrigen pinkes Schlauchkleid ein echtes Statement. Dass es Beth Ditto eher mit dem Bodyformer als dem Body Mass Index hält und kein Problem damit hat, bestätigt sich am Ende der Show. Den roten Fummel hat sie ausgezogen und singt die letzen drei, vier Lieder im schwarzen, pölsterchenfreundlichen Mieder mit Elastobeinchen.
Die Samariterin: Beth Ditto nimmt am Ende nicht nur ein Bad in der Menge, sie sorgt sich während des Konzerts auch um ihr Publikum. "Du hast vorhin ausgesehen als würdest Du gleich sterben", sagt sie zu einem Besucher, der ganz vorne steht. Dann gibt sie einem Ordner eine Flasche Wasser. "Würdest Du das bitte meinem gutaussehenden schwulen Freund da drüben bringen?" - und an den Fan gewandt: "Du hast jetzt besser wirklich richtig großen Durst. Ich werde genau beobachten, ob Du das austrinkst!"
Der olympische Moment: Beth Ditto hat die Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London und damit auch das Vier-Minuten-Comeback der Spice Girls gesehen. Ihr Urteil: "Scary Spice war am besten. Alle anderen haben verängstigt ausgesehen."
Fazit: Ein unterhaltsamer Abend mit einer eingespielten Band und ihrem unprätentiösen Star, der nach 90 Minuten zum richtigen Zeitpunkt zu Ende war – so vielfältig sind Gossips Repertoire und Stil dann auch wieder nicht.
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Autor: Peter Disch



