Konzertkritik

Wie war’s bei… Iron Maiden in Freiburg?

Patrik Müller

Von Patrik Müller

So, 01. Juli 2018 um 00:34 Uhr

Freiburg

Heiß, heißer, Iron Maiden: Bei drückenden Temperaturen heizt die britische Band mehr als 30.000 Metal-Fans auf dem ausverkauften Messegelände ein. Wir haben mitgeschwitzt.

Das Publikum: Trägt fast überwiegend schwarz. Eine ungünstige Farbe, wenn die Sonne vom Himmel brutzelt und es noch Stunden dauert, bis Iron Maiden endlich auf die Bühne kommen. Aber ein weißes Leinenhemd ist auf einem Metal-Konzert dann doch nicht so angesagt wie ein Original-Tour-Shirt aus den 80ern. Einige Fans haben die Band damals tatsächlich noch live erlebt. Andere dürften sie bei ihrem ersten Wacken-Ausflug vor zwei Jahren so richtig kennengelernt haben. Unter 30 sind einige Besucher, unter 20 nur wenige. Ergraute Altrocker mit kajalumrandeten Augen und Born-to-kill-Tattoo auf dem Oberarm treffen auf Familienväter im Karohemd mit Kaffeebecher in der Hand. Zwei Besucher haben sich die Gesichter mit Stoffmasken verhüllt, die schweißgetränkten Tücher zeigen die typischen Maiden-Motive Totenschädel und Pharaonenkopf. Der Mann, der ihnen entgegenkommt, trägt ein blaues T-Shirt mit dem Aufdruck: Echte Männer haben Katzen.

Der erste Eindruck: Aus den Boxen raunt die sonore Stimme von Winston Churchill. Der legendäre britische Premierminister kündigt an, den Feind zu bekämpfen, an den Stränden und in den Straßen - und niemals aufzugeben. Dann heulen die Gitarren auf, das Schlagzeug rattert los und Sänger Bruce Dickinson tobt mit Pilotenbrille auf dem Kopf über die Bühne. "There goes the siren that warns of the air raid", röhrt er - Thema des Eröffnungssongs "Aces High" ist die Luftschlacht um England. Vom Dach der Bühne baumelt mit sich munter drehendem Propeller ein Jagdflugzeug der Royal Air Force, eine Supermarine Spitfire - im Zweiten Weltkrieg schossen britische Piloten damit noch reihenweise deutsche Messerschmitts ab.

Die Show: Die Maiden-Songs decken thematisch ein breites, irgendwie aber auch recht eingeschränktes Spektrum ab. Tod und Teufel, Hauen und Stechen, Gift und Galle. Todernst sollte man das alles natürlich nicht nehmen, die Show passt aber dazu: Dickinson fuchtelt mit einem Säbel durch die Gegend, ficht mit dem vier Meter hohen Bandmaskottchen Eddie, schwenkt Deutschlandfahne, Union Jack und Flammenwerfer, klettert einen Bühnenmast hoch, springt und rennt und gibt im schwarzen Umhang vor Feuersäulen den Prediger. Er redet nur ein einziges Mal länger: Die Songs, sagt er zu Beginn des Konzertes, sollen nämlich die Geschichte erzählen. Als er den Song "The Clansman" anmoderiert, indem es um den Braveheart-Helden William Wallace geht, schwadroniert er über Freiheit. Und reißt einen Witz: "The town is called Frei-Burg!"

Die Band: Bassist Steve Harris ist das einzige Gründungsmitglied, das immer noch dabei ist. Er und Schlagzeuger Nicko McBrain geben den treibenden Rhythmus vor, zimmern das Grundgerüst. Die drei Gitarristen Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers spielen sich Knoten in die Finger, ihre Instrumente singen und kreischen und jaulen. Sänger Dickinson zeigt, dass er den Spitznamen Air-Raid-Siren zu Recht trägt - die Luftschutzsirene mit der hohen Stimme weiß, wie man Alarm macht auf der Bühne. Und er tut es. Sein Lieblingssatz an diesem Abend: Scream for me, Freiburg!

Die Setlist: Überraschungen gibt es nicht. Auf ihrer "Legay Of The Beast"-Tour spielen Iron Maiden immer die gleiche Setlist, in Ungarn, in der Schweiz, in Frankreich, in Freiburg. Die meisten Songs stammen aus den 80er Jahren - der Zeit, in der Iron Maiden groß wurde. Die Liste: Aces High, Where Eagles Dare, 2 Minutes To Midnight, The Clansman, The Trooper, Revelations, For The Greater Good Of God, The Wicker Man, Sign Of The Cross, Flight of Icarus, Fear Of The Dark, The Number Of The Beast, Iron Maiden. Zugabe: The Evil That Men Do, Hallowed Be Thy Name, Run To The Hills.

Das Fazit: 82 Euro sind viel Geld für ein Konzert. Knapp zwei Stunden sind aber auch ziemlich viel Zeit. Es gibt Bands, die stehen halb so lange auf der Bühne und sind nicht viel billiger. Die Band ist gut aufgelegt, die Bühnenshow grandios – und trotz martialischem Herumgehampel nicht ohne Augenzwinkern. Sauber abgeliefert, Maiden. Ach ja: Zwei Vorbands (Killswitch Engage und The Raven Age) gibt’s auch noch fürs Geld.

Der Aufreger: Die Veranstalter haben wegen der Hitze erlaubt, Wasserflaschen bis zu einem halben Liter Inhalt mitzunehmen, wegen der Wurfgefahr ohne Deckel. Helfer schenken kostenloses Wasser aus. Wer keine leere Flasche dabei oder keinen Becher hat, bekommt aber kein Wasser – einige Besucher laufen deshalb zum Stand mit den Cocktails und kaufen erst einmal einen Gin Tonic für acht Euro, um hinterher einen leeren Becher zu haben. Bierstände gibt es jede Menge, Männer mit Fässern auf dem Rücken schenken Pils aus. Je nach Standort sind alkoholische Getränke deutlich leichter zu bekommen als alkoholfreie. So richtig günstig sind weder die einen noch die anderen. Und die Schlangen sind lang. Bei dem Wetter ist das nicht unproblematisch: "Es war noch nie so viel los. Hitzeprobleme und Kreislauf", sagt gegen 20 Uhr eine Sanitäterin. Immerhin: Gegen Abend kühlt es ab. Und Iron Maiden spielen erst gegen 21 Uhr.