Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Juli 2012 08:26 Uhr
Marktplatz
Wie war's bei… Lenny Kravitz beim Stimmen-Festival?
Ausverkauft! Für das Konzert von Lenny Kravitz auf dem Marktplatz in Lörrach gab es schon seit Monaten keine Tickets mehr. Wie der Auftritt des vierfachen Grammy-Gewinners war? Caro Buchheim blickt zurück.
Der erste Eindruck: "Hach, sieht der gut aus!" Im flackernden Strobo-Licht kommt Lenny Kravitz zu "Come On Get It" auf die Marktplatz-Bühne. Enge Jeans, Stiefel, das Hemd ganz genau richtig aus der Hose hängend, die Sonnenbrille verspiegelt. Mit der rechten Hand hält er das Mikro fest, mit der linken den Mikrofonständer, und schmiegt sein Becken an den Mikrofonständer, als sei er eine zu verführende Frau. Hot! (Fotos)
Der zweite Eindruck: "Woah, was für eine Gitarre!" Ja, Kravitz sieht gut aus und ist bestens gestylt, aber zum Glück machen er und seine Band ziemlich schnell klar, dass es bei diesem Konzert um mehr gehen soll als um Äußerlichkeiten und Style. Routiniert dreht man musikalisch schnell auf, im Zentrum: die Gitarren. Ausgelassen duellieren sich Kravitz und Gitarrist Craig Ross mit leichtfingrig gespielten, aber tonnenschweren Riffs. Toll!
Werbung
Der Mann: Ein bisschen spröde wirkt der so nachlässig gestylte supersexy Superstar auf der Bühne: Mit einem gehauchten "Good evening!" begrüßt er das Publikum - und lässt dann, anstatt zwischen den Songs verkrampft über nichts zu plappern, erstmal seine Musik sprechen. Vor der Zugabe gibt's dann aber eine Danksagung: "Danke für eure Liebe und dafür, dass ihr es uns ermöglicht, um die Welt zu reisen und für euch Musik zu spielen." Über einen roten Stringtanga, der während des letzten regulären Songs "Where are we running" auf die Bühne fliegt, amüsiert er sich: "Und wo rennst Du jetzt hin, so ganz ohne Unterhosen?"
Die Band: Kravitz hat eine tolle Band dabei: Neben dem wild frisierten Gitarristen Craig Ross sind das Keyboarder George Laks, die beständig etwas grimmig guckende kahl rasierte Bassistin Gail Dorsey, Drummer Franklin Vanderbilt und das gut gelaunte Bläser-Trio Harold Todd, Ludovac Louis und Steve Baxter. Sehr höflich stellt Kravitz jedes Bandmitglied mehrfach vor, jeder darf sein Können in einem Solo präsentieren. So gehört sich das.
Die Musik: Genregrenzen mochte Kravitz nie. Und auch auf der Marktplatz-Bühne verschmelzen Rock, Pop, Funk, Soul und Psychedelic Sound zum ganz eigenen Kravitz-Klang. Die Highlights des Sets: die energiereichen Hits aus den Anfängen der Kravitz-Karriere: "Mr. Cab Driver", "Are you gonna go my way" und "Always on the run". Und zu den Balladen wird gekuschelt, klar. Besonders schön: "Stand by my woman".
Die Setlist:
Come On Get It
Always on the Run
American Woman
It Ain't Over Till It's Over
Mr. Cab Driver
Black and White America
Fields of Joy
Stand By My Woman
Believe
Stand
Rock Star City Life
Where Are We Runnin
Fly Away
Are You Gonna Go My Way
Let Love Rule
Das Publikum: Schade nur, dass die Publikumsenergie ziemlich niedrig ist. So richtig in Schwung kommt das Publikum nur bei den #1-Hits – wie gut, dass Kravitz einige davon hat. Das laute Gespräch mit dem Mitkonzertbesucher und ständiges Smartphone-Fotografieren von sich selbst mit der Bühne im Hintergrund scheint für manche Konzertbesucher interessanter zu sein als ein Kravitz-Song, den sie selbst nicht kennen. Das ist unangenehm und störend.
Die Vorgruppe: Der nigerianische Singer-Songwriter Keziah Jones tritt nur mit Gitarre und einem Percussionisten auf - gemeinsam spielen sie schlichten, großartigen Bluesfunk mit Botschaft. Zum Finale mit "Let Love Rule" holt Lenny Kravitz Jones noch einmal auf die Bühne - und so endet das Konzert mit drei Gitarren auf der Bühne. Toll.
Preis-Leistung: 68 Euro kostete ein Ticket - das macht 4,53 Euro pro Lenny-Song.
Fazit: Eins minus. Viel Gitarre, ein bisschen Kuscheln und so ziemlich alle Hits unter sternenklarem Abendhimmel - das war ein echter Lenny-Kravitz-Best-Of-Abend.
- Wie war's bei... Zaz beim Lörracher Stimmen-Festival?
Autor: Caro Buchheim



