Talk-Show

Wie war’s bei … "Nachgefragt" mit Frank Plasberg im Rotteck-Gymnasium

Maleen Thiele

Von Maleen Thiele

Mo, 16. April 2018 um 10:45 Uhr

Freiburg

"Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg (60) war am Freitag zu Gast bei "Nachgefragt" im Rotteck-Gymnasium. Es ging um seinen Werdegang, die Herausforderungen des Polit-Talks und Schokoküsse.

Der erste Eindruck
Der Schüler-Talk "Nachgefragt" im Rotteck-Gymnasium lockt wie gewohnt viele Zuschauer an. Zu Gast ist der Journalist und Moderator Frank Plasberg, der seit 2001 die Polit-Talkshow "Hart aber fair" moderiert. Und er gibt zu Beginn gleich Einblick in den schlimmsten Einstieg einer Talkshow: "Das habe ich vor einigen Jahren in Freiburg erlebt." Damals habe er einen Talk abbrechen müssen, da er nichtsahnend in einen mit Rasierschaum gefüllten Schokokuss gebissen habe, der ihm angeboten worden war: "Das war ein ekelhafter Geschmack, das könnt Ihr mir glauben."

Der Gast
Für den erfahrenen Moderator Plasberg ist der Abend ein Heimspiel. Mit Charme, diplomatischem Geschick und Humor antwortet er auf die Fragen der Schüler. Dabei streut er gerne die eine oder andere Anekdote aus Berufs- und Privatleben ein. So erzählt er von den Elternabenden seiner Kinder und von Müttern im Ernährungswahn. Aber auch von den wenig glanzvollen Auftritten, die er in solchen Runden hinterließ – zum Beispiel mit dem ironischen Einwand, dass sein Kind nur vom Chefkoch persönlich abgeschmecktes Essen bekommen dürfe. Gewitzt und doch auch mit ernsthaften Appellen lässt er das Publikum hinter die Fassade des seriösen Fernsehmoderators blicken.

Die Moderatoren
Die Schüler Charlotte Berner und Jakob Kolberg führen gut vorbereitet und mit einer angenehmen Mischung aus humorvollem Small Talk und ernsthaften, durchaus kritischen Fragen durch den Abend. Die anfängliche Aufregung kann ihnen Frank Plasberg durch kleine Hilfestellungen schnell nehmen. So wird Plasberg im Verlauf des Abends sogar mit seinen eigenen Tipps belehrt.

Die Themen des Abends
Plasberg spricht über seinen Werdegang vom Tankwart zum Journalisten, vom realistischen Einschätzen des eigenen Potentials ("das nicht unbedingt das größte war", aus dem er aber 120 Prozent gemacht habe) und dem eigenen Moderationsstil. So gehe es bei der ARD-Sendung "Hart aber Fair" zwar in erster Linie um den Informationsgehalt – der Unterhaltungswert dürfe aber nicht fehlen. "Wenn die Zuschauer nach einem langen Tag noch die Muße haben, sich meine Show anzuschauen, habe ich da größten Respekt." Doch auch ernste Worte werden angestimmt. So kritisiert er die eigene Rolle im Geiseldrama von Gladbeck. 1988 hatte er als junger WDR-Reporter – wie andere Journalisten auch – Interviews mit den Tätern geführt, während das Geiseldrama noch andauerte, die dann aber nicht gesendet wurden. Und er spricht über den richtigen Umgang mit schwierigen Themen in einer Talkshow.

Die hervorstechendste Antwort
. . . ist einer witzig gemeinten Aufmerksamkeit seitens der Schüler geschuldet. Nachdem Plasberg über eine unglückliche Formulierung des bayrischen Innenministers Joachim Hermann gesprochen hat, der im Jahr 2015 Roberto Blanco in Plasbergs Sendung als "wunderbaren Neger" bezeichnete, basteln die Schüler spontan eine kleine Roberto-Figur mit einem Schokokuss (ohne Rasierschaum-Füllung!) als Kopf. Diese soll als Talkgast einer "Hart aber fair"-Runde fungieren, die mit einem Kasperletheater nachgestellt wird. Plasberg lehnt es jedoch konsequent ab, mit der Figur zu posieren: "Es passiert in der heutigen Zeit leider viel zu schnell, dass einem solche aus dem Kontext gerissenen Bilder das Genick brechen können."

Fazit
Ein Moderator ist es gewohnt, Fragen zu stellen. Wenn der Spieß plötzlich umgedreht wird und er Fragen beantworten muss, sind die Voraussetzungen für eine interessante Gesprächsrunde geschaffen. Mit einer guten Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit fühlten die Schüler Frank Plasberg auf den Zahn und entlockten ihm die eine oder andere interessante Geschichte, die man so in keiner seiner Fernsehshows zu hören bekommt.