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28. August 2009 18:15 Uhr
Grüne in der Grünenhochburg
Wie war’s bei … Renate Künast in Freiburg?
Wie hat sich Renate Künast bei ihrem Wahlkampfauftritt in der Jackson Pollock Bar geschlagen? Alle Antworten in unserer Kurzkritik.
Als Eine von Zweien ist Renate Künast im derzeitigen Bundestagswahlkampf unterwegs. Wie Angela Merkel, erklärt die Grünen-Prominente, steht sie als eine von zwei Spitzenkandidatinnen ganz weit vorne auf der Hitliste der Bundespolitik. Von ihrem Gastspiel beim Talk mit Kerstin Andreae in Freiburg berichten wir in einer Kurzkritik – denn im Wahlkampf wird wie bei jeder guten Show auch mit Ambiente und Atmosphäre gepunktet.
Location: Unter Discokugeln in dunklen Ledersesseln lümmeln – dafür bietet sich die Jackson Pollock -Bar im Theater locker an. Kühl und kultig gibt sie sich auch an diesem frühen schwülen Hochsommerabend. Wer nicht auf die Wahl peilt, sondern jetzt schon die freie Wahl hat, taucht aber vermutlich lieber im Baggersee ab. Anders die Vorsitzende der Bundestagstagsfraktion der Grünen. Die taucht auf die Minute pünktlich zu ihrem Auftritt in der lässigen Lounge auf.Publikum: Wie abgezählt 27 Frauen und 27 Männer jeden Alters. Plus – als Jüngste – Baby Emma, in einem hellwachen und engagierten Publikum diejenige, die Kerstin Andreae am direktesten fordert – die kleine Tochter der Freiburger Grünen-Kandidatin setzt sich lautstark und erfolgreich für eine Stillpause ein.
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Besetzung: Laute(r) Alphamädchen – um im Jargon der "Mädchenmannschaft"-Autorin zu bleiben. Susanne Klingner selbst, Kerstin Andreae und Renate Künast kommen gleichermaßen schwungvoll und zielgerichtet rüber.
Botschaft: Renate Künast zur Frauenfrage: "Jede Generation hat ihre Kampfaufgabe – wir sind noch lange nicht fertig!" Zum Beispiel findet sich in den 30 großen Dax-Unternehmen derzeit gerade mal eine Frau in einem Aufsichtsrat. Refrain quer durchs Talk-Programm: "Das muss sich ändern!" Wie? Indem auch Frauen endlich lernen, tragfähige Netzwerke zu bilden – und radikale Forderungen umzusetzen. Wichtiges Solo von Susanne Klingner: "Junge Frauen sollen sich immer rechtfertigen, dass sie nur so eine Art Wellness-Feminismus wollen, weil die älteren so hart haben kämpfen müssen. Das ist genauso Quatsch, als würde man heutigen Demokraten vorwerfen, Wellness-Demokraten zu sein, weil die Demokratie einst so hart erkämpft war."
Bühnenpräsenz: Kein wichtigtuerisches Gepose, aber viel Spielwitz und virtuoses Improvisieren im Zusammenspiel miteinander und mit dem Publikum.
Fanartikel: Dankenswerterweise weder kartonweise Lollis noch Luftballons. Nur die literarischen Hervorbringungen der beiden Talkgäste an einem Minibüchertisch. Der allerdings wird mit Wonne gestürmt. Diese Trophäen lassen sich mit Autogramm veredeln. Und werden beglückt nach Hause getragen.
Zuschauerinnen-Schnellkritik: Marina Frietsch, 15, Sofie Schmalz, 21, und Anja Bechstein, 32, sind völlig beeindruckt: "Dieser sperrige Begriff Feminismus ist in diesen zwei Stunden greifbar und sympathisch geworden!" Sofie Schmalz nimmt vor allem die Erkenntnis mit, dass Frauenpolitik und Familienpolitik zwei verschiedene Themenbereiche sind: "Dass die zu Unrecht immer vermengt werden, war mir bis heute gar nicht so klar."
Wie war's bei … Frank-Walter Steinmeier in Freiburg?
Autor: Julia Littmann


