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16. Dezember 2009 07:27 Uhr
Konzertkritik
Wie war’s bei… Silbermond in Freiburg?
Deutschlands derzeit erfolgreichste Rockband in der Rothaus-Arena: Silbermond haben ein mehr als zweistündiges Konzert gegeben – mit ziemlich viel Publikumsspielchen und Showeffekten. Im Vorprogramm hielten sich Lakehouse aus Freiburg wacker.
Als Sängerin Stefanie Kloß fragte, wer schon mal auf einem Konzert ihrer Band gewesen sei und wer nicht, da erwiesen sich per Handaufheben die meisten als Neulinge. Zum dritten Mal war die Bautzen-Berliner Band jetzt in Freiburg, von Mal zu Mal kamen mehr Leute. Am Dienstagabend 4000 in die durch einen Vorhang halbierte Rothaus-Arena. Und Deutschlands derzeit erfolgreichste Rockband (gemessen an Plattenverkäufen in diesem Jahr) zog sie auf ihre Seite.
Das gerührte Mädchen: Stefanie Kloß ist kein Star. Sie ist das nette Mädchen, das da vorne singt. Und dem Publikum gerne vormacht und sagt, was es tun soll: Armeschwenken in verschiedener Weise (hoch und runter, von Seite zu Seite), Leuchtobjekte rausholen und anmachen, sie auf den Händen tragen. Sie sucht und findet die Nähe. Und immer wenn sie eine ihrer Balladen gesungen hat, die ihre Fans so lieben und bejubeln, dann nimmt sie gefühlt minutenlang den Applaus entgegen, mit Rührung im Gesicht. Sie stellt die Verbundenheit mit dem Publikum her- und aus.
Der freie Freiburg-Tag: In mehreren Ansagen erzählt Stefanie Kloß, dass die Band am Montag einen Konzert-freien Tag in Freiburg verbracht hat. Und wie schön die Stadt sei und wie froh alle sein könnten, hier zu wohnen. Wirklich sehr nett. Obwohl oder gerade weil sie die Bächle als kleinen Fluss in den Gässchen bezeichnet, ehe ihr jemand das richtige Wort zuruft.
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Das Repertoire: Von den 14 Stücken ihrer neuen Platte "Viel passiert" spielen Silbermond alle bis auf drei. Dazu natürlich ihre Hits "Symphonie" und "Das Beste". Ihre zwei Gesichter zeigt die Band beide: Das sind die Stücke, die fast Punkrock sind und zu denen Gitarrist Thomas Stolle und sein Bassisten-Bruder Johannes die Haare fliegen lassen, da sind die Herzschmerz-Balladen, die nicht weit weg sind von Pur.
Die Einlagen: Dass das Konzert schließlich mehr als zwei Stunden dauert, liegt an den vielen, allzu vielen Einlagen. Das Basssolo hat mit Musik genauso wenig zu tun wie die Leucht-Trommeleinlage als Zugabe. Dass sich Sängerin Kloß vom Publikum auf den Händen tragen lässt, kennt man schon von den vorherigen Konzerten, genauso wie den mäßig witzigen "Song mit einem Akkord", den Drummer Andreas "Bon Nowi" Nowak. Beim nächsten Mal bitte weglassen.
Das Merchandising: Dass Silbermond eine Band sind, die es gerne familiär hat, zeigt sich am Fanartikel-Stand: Das Silbermond-Frühstücksbrettchen kostet 12 Euro. Dass allerdings gar nicht Silbermond draufsteht, sondern ein (viel zu kleingedrucktes) Rezept für ein Bauernfrühstück, verwundert.
Das Erste als Letztes: Silbermond geben bei ihren Tourneen lokalen Bands die Gelegenheit in ihrem Vorprogramm mal auf einer großen Bühne vor richtig vielen Leuten zu stehen. Die drei Jungs von Lakehouse aus Freiburg haben sich dafür Verstärkung mitgebracht: Bassist, Keyboarder und Saxophonistin. Zu sechst bringen sie ihren Powerpop gut rüber. Nur die etwas zu oft eingestreuten Sprüche à la "Are you ready" verraten ihre Nervosität. In der Band ist Potenzial.
Gesamtnote: Ihren Fans bieten Silbermond einiges: Mehr als zwei Stunden Spielzeit für rund 30 Euro, das geht mehr als in Ordnung. Wer allerdings kein Fan ist, dem ist da zuviel Drumherum um die Lieder.
Autor: Thomas Steiner
