Wie war’s bei … Steiner & Madlaina im Jazzhaus?

Julia Caspers

Von Julia Caspers

Mi, 09. Januar 2019 um 15:18 Uhr

Der gute Ton (fudder)

Sie kommen aus der Schweiz, sind mit Musiker Faber verwandt und spielten Dienstagabend das erste Konzert ihrer Tour in Freiburg. Das Duo Steiner & Madlaina begeisterte im Jazzhaus.

Die Bühne

Die Schweizerinnen treten ohne viel Schnickschnack mit klassischer Bandbesetzung auf. Zu Beginn sitzt Madlaina auf der linken Bühnenseite am Keyboard, während sich Nora rechts die Gitarre umgehängt hat. In zweiter Reihe haben die Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug sichtlich Freude am ersten Konzert der Tour.

Das Publikum

Das Jazzhaus ist für einen verschlafenen Dienstagabend im neuen Jahr gut besucht, aber nicht ausverkauft. Es ist vordergründig junges studentisches Publikum anwesend, unter das sich auch einige ergraute Herrschaften gemischt haben. In den vorderen Reihen wird bei Gelegenheit motiviert getanzt oder auch mal ein schrilles "Wuhuuu" Richtung Bühne ausgerufen, während die hinteren Plätzen konzentriert und etwas steifer das Konzert verfolgen. Man munkelt, dass auch die Eltern von Madlaina anwesend sind.

Die Show

Zunächst wirken die Schweizerinnen zurückhaltend, fast schüchtern, tauen allerdings während des Konzerts zunehmend auf. Zu Beginn sind ihre Ansagen noch etwas unbeholfen: "Jetzt kommt ein ruhiger Song, aber ich glaube, ihr könnt auch ruhig sein, oder?". Allerdings werden die beiden im Laufe des Abends selbstsicherer, fordern das Publikum zum Tanzen auf und genießen das Konzert sichtlich. Zu dem Lied "Das schöne Leben" könne man wunderschön zusammen trinken und singen. Beglückt von der guten Stimmung rufen sie aus, dies sei der "Malle ist nur einmal im Jahr"-Moment. Die Aussage sorgt kurz für Verwunderung, dann für Schmunzeln und wirkt letzten Endes vor allem sympathisch.

Bei einem der letzten Konzerte hätten sie an dieser Stelle auch "Free Drinks für Alle" gefordert, jedoch wollen sie es sich dieses Mal nicht mit dem Veranstalter verscherzen. Besonders Bassist und Schlagzeuger wirken euphorisiert, wechseln lachend Blicke miteinander und singen kräftig mit. Der Gitarrist hingegen zeigt sich eher zurückhaltend, legt aber schlussendlich in einer der letzten Rocknummern noch ein beachtliches Solo hin.

Die Musik

Mit "Riot" vom Debütalbum "Cheers" spielen sich die Zürcherinnen warm und erstaunen direkt zu Beginn mit einem sehr energiegeladenen Sound, der auf Platte deutlich zarter und folkiger daherkommt. Wie auch das Album ist das Konzert musikalisch sehr abwechslungsreich, von ruhigen Folk- und Popstücken wie "Reckless Love", der eingängigen Surfrocknummer "Prost Hawaii" bis hin zu rockigen, fast aggressiven Songs wie "Wait for it". Dabei wechseln sie munter zwischen englischen und deutschen Stücken, wobei Letztere deutlich persönlicher wirken.

Als Wermutstropfen bleibt, dass die unterschiedliche Dynamik der Musik mitunter schlecht abgemischt scheint. Mal wird die Lautstärke der Mikrophone innerhalb eines Songs abrupt verändert, mal sind die Gitarren übersteuert, der Sound klingt manchmal scheppernd. Nora und Madlaina verfügen beide über kräftige Stimmen, dennoch müssen sie leider teilweise gegen die Instrumente ansingen. In guten Momenten sorgt es dafür, dass die Stücke kraftvoller wirken. Im schlechten Fall leiden die Songs darunter, wie zum Beispiel das Stück "Herz vorus id Wand". Hier geht das schöne Schweizerdeutsch leider vollkommen unter - die überdrehte Akustik macht es fast unmöglich, den Text zu verstehen.

Das trübt die Stimmung allerdings wenig, denn die gute Laune der zwei jungen Frauen ist ansteckend. Vor allem die zwei bekanntesten Stücke "Wenn du mir glaubst" sowie "Das schöne Leben" stechen stimmungsmäßig hervor und schaffen es, das Publikum aus dem Winterschlaf zu wecken. In die Setlist schaffen es außerdem einige Nummern der alten EPs, wie das schöne Stück "Hometown".

Irritationsmoment

Wenn die beiden Sängerinnen zum Publikum sprechen, überraschen sie mit erstaunlich hellen, noch sehr jugendlich wirkenden Stimmen, die im Kontrast stehen zu den dunklen Gesangstimmen. Aber eigentlich auch kein Wunder, denn die beiden sind ja auch noch sehr jung.

Hingucker des Abends

Der fesche, ältere Herr mit der Schweiz-Cappy auf dem Kopf, der begeistert mitsingt und sehr geschmeidig in vorderster Reihe mittanzt.

Familientreffen

Während Steiner&Madlaina in der Vergangenheit häufiger als Vorband zu Madlainas Bruder Julian Pollina alias Faber spielten, sind an diesem Abend die Rollen vertauscht. Faber legt einen charmanten Auftritt hin und spielt ein paar Lieder aus seinem alten romantischen, sowie aus seinem neuen Leben, wie er meint. Besonders mit dem letzten Lied und seinem politischem, in Faber-Manier sehr provokantem Text macht er geschickt auf sein neues Album neugierig.

Schwitzfaktor

Im Raum ist genug Platz für Entfaltung und somit auch kaum Grund, übermäßig zu transpirieren. Zwar wird zu vereinzelten Songs getanzt, jedoch nicht so ekstatisch, als dass man an körperliche Grenzen stoße. Vermutlich vermag vor allem der Schlagzeuger mit seinem offenherzig geknöpften Hemd und dem herausfordernden Blick das Publikum zum Schwitzen zu bringen.

Kassensturz

Für nur 8,40 Euro im Vorverkauf bekommt man einen unterhaltsamen und sehr abwechslungsreichen Abend geboten - mit zwei Zugaben und Faber als Vorband ein absolut fairer Preis.

Fazit

"Ich bin überrascht, wie vielseitig die Musik war", sagt eine Besucherin beim Verlassen des Konzerts. Es herrscht ausgelassene Stimmung und tatsächlich war man an diesem verregneten Januartag im Jazzhaus bestens aufgehoben. "Eigentlich geht ja immer etwas schief, aber heute kam sogar das Merchandisematerial pünktlich und jetzt war das auch noch ein wunderschöner Tourauftakt", sagt Nora Steiner am Ende glücklich. Nicht nur ein guter Tourauftakt, sondern gleichzeitig ein gelungener musikalischer Start in das Freiburger Konzertjahr 2019.

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