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10. März 2010 07:34 Uhr

Indie-Rock

Wie war’s bei … Tocotronic im Freiburger E-Werk?

"Die beste deutsche Band" – so der Rolling Stone – hat nach elf Jahren wieder einmal in Freiburg gastiert: Tocotronic präsentierten ihrem studentischen Publikum einen Ritt durch die Bandgeschichte. Das alte "Freiburg"-Lied sangen sie nicht.

  1. Tocotronic auf der Bühne des E-Werks in Freiburg. Foto: Caro Buchheim

Das Freiburg-Problem: Dirk von Lowtzow, der in Offenburg geborene Sänger von Tocotronic, hat immer noch ein Problem mit Freiburg, der Stadt, in der er sein Studium begann und die Tanztheater der Stadt hassen lernte, ehe er in die Hamburger Schule floh. Diesmal freute er sich: Auf der Bühne sprach er davon, nach – irrtümlich gerechneten – zehn Jahren wieder einmal in der wundervollen Stadt zu sein, … "die bekanntlich der Vorhof zur Hölle ist", meinte er hinzufügen zu müssen. Worauf seine Zuhörer nicht recht wussten, ob sie ihm recht geben oder ihn zur Hölle schicken sollten. Er selbst wusste vermutlich auch nicht, warum er sagte, was er sagte. Den alten Tocotronic-Hit "Freiburg", in dem Lowtzow die Tanztheater und Fahrradfahrer der Stadt mit Hass verfolgte, bekennenderweise ohne zu wissen warum, spielten Tocotronic allerdings nicht.

Das Repertoire: Mit gleich drei Stücken vom neuen Album "Schall und Wahn" stiegen Tocotronic ins Konzert ein. Danach wurden neue Stücke und ältere wie "Mein Ruin" oder "Jenseits des Kanals" durchmischt. So wurde regelrecht vorgeführt, wie sehr sich Tocotronic weiterentwickelt haben und warum das neue Album so meisterlich ist. Noch ein schnelles Proteststück davon wie "Macht es nicht selbst" ist so melodisch und gesanglich wie kaum eines der älteren Stücke. Dirk von Lowtzow traut sich heute, die Schönheit seiner Stimme zu nutzen, in schwelgenden Gesangslinien. Und die Gitarren sind genauso hymnisch geworden, von Lowtzow und Rick McPhail lassen sie in langen Instrumentalteilen immer lauter werden. Am Ende des Auftritts, ehe es zu den Zugaben geht, steht wie auf dem Album der Achtminüter "Gift".

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Der schönste Bühnenmoment: Als von Lowtzow mit dem Arm die Windmühle macht à la Pete Townshend, Kopf der Band "The Who". Fast wären Tocotronic da eine Rockband, keine Indierock-Band mehr gewesen.

Das Publikum: Obwohl doch Semesterferien sind, sind so viele Studenten gekommen, dass das E-Werk voll ist. Die meist vertretene Fachrichtung, dem Anschein nach, dürfte eher Germanistik als Jura gewesen sein. Tocotronic mit ihren kritischen, romantischen, ironischen Liedern sind Uni-Helden. Die ihr Heldentum natürlich brechen sollen. Das Lied behandle erschöpfend das Thema der Desillusion, sagte von Lowtzow, eine der Zugaben an. "Gut so!", rief jemand zurück.

Gesamturteil: Die laut Rolling Stone beste Band Deutschlands bewies, was in ihr steckt. Sie wird tatsächlich immer besser, zumindest für Indierock-Hörer. Dass sie Scorpions-Fans nie davon überzeugen wird, was der Rolling Stone schrieb, versteht sich von selbst.

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Autor: Thomas Steiner