Freiburg

Wie war’s beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet im Jazzhaus?

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Sa, 18. August 2018 um 12:28 Uhr

Freiburg

Vom Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes zur angesagtesten Punkband des Landes: An Feine Sahne Fischfilet führt derzeit kein Weg vorbei. Am Freitag gaben sie eine ihrer schweißtreibenden Shows im Jazzhaus.

Die Band:
Dass der Verfassungsschutz ihres Heimatlandes Mecklenburg-Vorpommern sie einst aufgrund ihrer "explizit anti-staatlichen" Haltung beobachtete, bescherte ihnen erste größere Aufmerksamkeit. Wenige Jahre später ist die linke Punk-Band Feine Sahne Fischfilet eine der größten deutschsprachigen Rockgruppen zur Zeit. Mitten in der Festivalsaison schauen die sechs Musiker für eine exklusive Clubshow im Jazzhaus vorbei – ein Glücksfall (Fotos). Denn eigentlich ist die Band um Sänger Jan "Monchi" Gorkow längst im Bereich mittelgroßer Konzerthallen angelangt.

Der erste Eindruck:
Ein Warmlaufen braucht es nicht. Feine Sahne Fischfilet drücken mit "Zurück in unserer Stadt", dem Eröffnungsstück ihrer neuen Platte "Sturm & Dreck", ansatzlos aufs Tempo. Weiter geht es mit der Single "Alles auf Rausch", die davon handelt, dass die Band ihr eigenes Glück kaum fassen kann: "Ich kann immer noch nicht singen und spiel jetzt bei Rock am Ring." Was auf Platte mitunter stumpf klingt, entfacht live vom ersten Moment an eine Energie, der man sich schwer entziehen kann.

Die Musik:
Feine Sahne Fischfilet spielen Punkrock in Reinform. Angereichert mit Ska-Einflüssen durch zwei Trompeter – und gelegentlich variiert durch melodisch-inbrünstige Balladen, gesungen von Gitarrist Christoph Sell.

Die eine Facette:
Monchi als charismatisches Sprachrohr: Seine ausufernden Ansagen sind so hingebungsvoll, dass einem das Herz aufgeht. Etwa wenn er der Linken-Politikerin Katharina König das Stück "Angst frisst Seele auf" widmet: Eine Nazi-Band namens Erschießungskommando hatte zum Mord gegen das Mitglied im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss aufgerufen.

Die andere Facette:

Monchi als sympathischer Assi: Wiederholte füttert er die vordersten Zuschauer mit Bier, nimmt selbst einen Schluck, spuckt ihn in die Menge und gießt den Rest der Flasche hinterher. Bei "Geschichten aus Jarmen" schüttet eine auf die Bühne gestürmte Zuschauerin dem Sänger Pfeffi in den Mund. Und dieser singt: "Ich handle wie in Jarmen: aus dem Bauch heraus / Was für ein Abfuck – das ist was ich brauch".

Das Drumherum:
Immer wieder verwandelt sich das Jazzhaus in einen riesigen Moshpit, dem man nur in den letzten drei Reihen und an den Seiten entrinnen kann. Getränke fliegen durch die Luft. Die Discokugel trieft. Es ist heiß und stickig. Die überwiegend schwarzen T-Shirts der Anwesenden durchtränkt eine Mischung aus Bier und Schweiß. Auch Monchi ist klatschnass, betont aber, ihm als geübten Saunagänger sei noch fast kalt.

Die Helden des Abends:
Am Bühnenrand vor der Band steht eine Hand voll Securitys der Toten Hosen, die aufgrund des anstehenden Open Airs bereits in Freiburg eingetroffen sind. Anderthalb Stunden lang fangen sie die ankommenden Stagediver ein und begleiten sie sicher von der Bühne. Bis Monchi sie beim großen Finale, dem größten Feine-Sahne-Hit "Komplett im Arsch", schließlich selbst auf ein Bad in die Menge schickt. Nach der Show hört man einen der Männer erzählen: "Beim Aufbau an der Messe kam der Anruf: Rettet das Jazzhaus, es gibt drei Kästen Bier umsonst. Und wir haben gut gerettet, oder?"