Sommerheimat für die Hinterwälder

Martin Klabund

Von Martin Klabund

Mo, 28. Mai 2018

Wieden

Beim Weideauftrieb in Wieden werden 51 Rinder in ihr Sommerquartier gebracht / Inzwischen eine Touristenattraktion.

WIEDEN. Auch in diesem Jahr durften die Hinterwälder in Wieden auf die "Alm", um ihren wohlverdienten Sommerurlaub dort zu verbringen. Insgesamt 51 Rinder von sechs Landwirten wurden Punkt 13 Uhr von Weidewart Florian Gutmann beim Weideauftrieb am vergangenen Samstagmittag Richtung Ungendwieden getrieben, wo bereits das Weidegatter und eine Waage auf die Tiere warteten.

Wie verlockend die saftigen Wiesen für die Hinterwälder sind, war am Tempo zu sehen. Kaum wurden die Stalltüren geöffnet, trieben die Rinder ihre Hüter schier vor sich her und eilten schnellen Hufes in Richtung der etwa drei Kilometer entfernten Sommerweide. Zahlreiche Besucher und Besucherinnen nahmen am Weideauftrieb teil und begleiteten die Hinterwälder auf ihrem steilen Aufstieg. Wie aufgeregt die Tiere waren, zeigte sich bei dem einen oder anderen kleinen Ausflug einzelner Exemplare, die von den Helfern wieder auf den "rechten Weg" gebracht werden mussten.

Oben angekommen, muteten die Szenen an wie bei einem Cowboystreifen, auf dem Gatter sitzende Landwirte trieben nun die sichtlich unruhigen Tiere eins nach dem anderen in die "Waage", wo ihr Einstandsgewicht und ihre Registrierungsnummer vom Weidewart in die Listen eingetragen werden, denn Ordnung muss auch auf der Sommerweide herrschen.

Die vielen Gäste konnten sich derweil im aufgestellten Festzelt von der Bergmannskapelle Wieden musikalisch verwöhnen lassen und wurden von der Bergwacht mit Speis und Trank versorgt. Wie groß das Interesse an dieser Tradition ist, zeigte sich auch durch die vielen von auswärts angereisten Gäste. Besucher aus Belgien, Frankreich, der Schweiz, aber auch eine fröhlich feiernde Junggesellengruppe aus Tauberbischofsheim waren vertreten und füllten das Festzelt bis zum letzten Platz.

Der Bulle muss einzeln auf die Weide gebracht werden

"Im Grunde ist diese Veranstaltung eine touristische Attraktion geworden, an der wir festhalten, denn der traditionelle Weideauftrieb wird nur noch in wenigen Gemeinden durchgeführt", verriet Weidewart Florian Gutmann. Mit dem letzten gewogenen Rind durfte dann auch der "Bulle" der Herde auf die Weide gebracht werden, den der muss einzeln hochgefahren werden, die Gefahr von Verletzungen wäre sonst zu groß, da das Tier richtig Energie und enorme Kraft aufweist. Aber auch das ging glatt und die mittlerweile zufrieden grasenden Hinterwälder waren komplett.

"Bis Anfang November steige ich wöchentlich auf und versorge die Tiere, kontrolliere die Zäune und schaue nach jedem einzelnen Rind", so Gutmann, der sich nach getaner Arbeit eine Erfrischung gönnte. Die fröhlich feiernden Gäste verweilten bis in die Abendstunden und genossen diesen Maitag, der zum wärmsten Mai seit 100 Jahren gehört.

Ein Video gibt es unter mehr.bz/auftrieb18