Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

05. September 2015

Seltene Pflanzen in Wieden

Wildwuchs von seiner schönsten Seite

SELTENE PFLANZEN IN WIEDEN (I): Die Gemeinde punktet bei "Entente Florale" auch mit Exoten / Warten auf das Ergebnis in Bristol.

  1. Förster Eckhard Lohmüller Foto: Dirk Sattelberger

  2. Alles blüht: Elf Vereine haben im Kurgarten individuelle Blumenbeete gepflanzt. Foto: dirk sattelberger

  3. s Foto: Lohmüller

  4. d Foto: Eckhard Lohmüller

WIEDEN. Ein Dorf blüht auf. Diesen Eindruck bekommen Besucher, wenn sie jetzt im Spätsommer in das 800 Meter hoch gelegene Wieden fahren. Es blüht gepflegt im Kurgarten zwischen Rathaus und Kirche, am neuen Kräutergarten neben der Kneipp-Wassertretstelle und vor manchem Balkon am Straßenrand. Das alles ist kein Zufall: Das Dorf hat sich herausgeputzt, um beim Wettbewerb "Entente Florale Europe" teilzunehmen. Das Ergebnis soll in zwei Wochen in England bekannt gegeben werden.

Die Preisverleihung findet vom 17. bis 21. September in Bristol satt, berichtet Bürgermeister Berthold Klingele. Eine Delegation mit Gemeinderatsmitgliedern und ihm wird nach Bristol fahren, um das – hoffentlich erfreuliche – Ergebnis zu hören. "Wir sind sehr gespannt, wie wir von der Jury bewerten wurden", sagte er diese Woche. Gibt es denn eine Tendenz in die eine oder andere Richtung? "Wir wissen momentan noch nichts", antwortet Klingele.

Gleichwohl ist die Konkurrenz überschaubar: Es gibt sechs weitere Dörfer ("Villages"), die sich um den Titel bemühen. Konkret: Modrá (Tschechien), Balatongyörök (Ungarn), Kilrush (Irland), La Magdeleine (Italien), Beesel (Holland) und Radlje ob Dravi (Slowenien). Anders als beim nationalen Dorfwettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", bei dem die Konkurrenten schnell mit dem Auto zu erreichen sind, gab es bei der "Entente Florale" (deutsch: Blühendes Bündnis) keine Abstecher zu den Konkurrenten, um zu sehen, wie die sich präsentieren.

Werbung


Wieden kann mit einer reichen Natur punkten. Förster Eckhard Lohmüller (53) zeigt, dass dies in Wieden mehr ist als eine schmückende Phrase: Er hat dokumentiert, was alles auf den Böden der Gemeinde wild wächst, und das hat Seltenheitswert. Bestes Beispiel für Eckhard Lohmüller ist die Lungenflechte. "Sie ist extrem selten. Vor Jahren war ein Forscher hier, der sich gefreut hat, dass es sie hier am Belchen noch gibt. Sonst ist das Vorkommen der Lungenflechte nur noch in Skandinavien bekannt", sagt der Förster, der das Revier seit 1998 betreut.

Weitere wildwachsende Höhepunkte sind die Silberdistel, die Sumpf-Fetthenne, Orchideen wie das gefleckte Knabenkraut und die fleischfressende Sonnentaupflanze. Um diese Raritäten soll es in einer kurzen BZ-Serie gehen, um die Wartezeit bis zur Verkündung der "Entente Florale"-Sieger etwas zu verkürzen.

Die Orchideen: Wieden ist ein Eldorado für Orchideen. Zwei ihrer Vertreter sind das gefleckte Knabenkraut und die Waldhyazinthe. "Das gefleckte Knabenkraut sieht man häufig beim Wandern und sogar am Straßenrand", berichtet Förster Lohmüller. Es kann 20 bis 60 Zentimeter hoch werden. Blütezeit: Juni bis August. Das gefleckte Knabenkraut braucht wechselnasse Böden, und genau die finden sich in Wieden auf Quellhorizonten.

Die Waldhyazinthe macht sich dagegen rar. Die weiß-gelbe Orchidee wächst in lichten Wäldern und liebt es feucht, zum Beispiel auf Magerrasen. Magerrasen heißen so, weil sie arm an Nährstoffen sind. Gerade der Mangel an Stickstoffsalzen gefällt den Orchideen in Wieden. Laut Förster Lohmüller ist die Waldhyazinthe auch auf Heiden und Flachmooren anzutreffen. Nachts locken die vereinzelt stehenden Waldhyazinthen mit ihrem Duft Schmetterlinge an.

Beide Pflanzenarten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gepflückt werden. Anschauen ist freilich erlaubt...

Serie: Im nächsten Teil geht es um die Lungenflechte. Infos zum Wettbewerb im Internet: http://www.entente-florale.eu

Autor: Dirk Sattelberger