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14. Juli 2012 00:00 Uhr
Artgerechte Haltung
Wildesel soll in die Heimat Afrika zurück
Ein somalischer Wildesel sorgt seit einigen Tagen für Wirbel rund um Kandern. Das seltene Tier ist hierzulande kaum artgerecht zu halten – nun soll "Kalos" zurück nach Afrika geflogen werden.
KANDERN. Ein somalischer Wildesel sorgt seit einigen Tagen für Wirbel rund um Kandern. Kalos heißt das Tier, das einer besonders raren Gattung angehört, die vom Aussterben bedroht ist. Doch in hiesigen Gefilden kann man das Tier kaum artgerecht halten, der Kanderner Physiotherapeut und Eselsbesitzer Reiner Grieshaber will Kalos deshalb nach Afrika zurückfliegen lassen – und bittet um Spenden dafür.
Eines sagt Reiner Grieshaber in aller Deutlichkeit: "Der größte Esel in dieser Geschichte bin ich". Eigentlich hatte der Kanderner Physiotherapeut einen zahmen dalmatinischen Wildesel gesucht, um ihn für Therapiezwecke einzusetzen. Über eine Kleinanzeige stieß er dann auf Kalos, ohne zu wissen, was mit dem Kauf noch alles auf ihn zukommen wird. Denn auch der Vorbesitzer in der Nähe der niederländischen Grenze wollte den Wildesel wohl einfach nur loswerden.
Den Grund sollte Grieshaber schnell kennenlernen. Kaum hatte der Esel den Pferdetransportwagen auf der Weide von Dieter Muser bei Sitzenkirch verlassen, erblickte der Somali die dort grasenden Lamas. "Nicht schon wieder Lamas," muss sich der Esel gedacht haben, glaubt Grieshaber. Jedenfalls setzte das Tier spontan zum Sprung über einen gut zwei Meter hohen Zaun an und flüchtete.
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Denn was Grieshaber damals noch nicht wusste: Auch zuvor war Kalos gemeinsam mit Lamas gehalten worden, die den Esel aber immer wieder piesackten und zwickten, ihm die Hölle auf Erden bereiteten. Drei Tage und Nächte lang streunte der Wildesel dann durch die Wälder und über die satten Wiesen rund um Kandern, genoss das Leben in Freiheit und hielt den Physiotherapeuten auf Trab. Die Flucht endete schlussendlich im Sitzenkircher Stall von Wässerlehof-Bauer Jürgen Eichin, "da ist er dann einfach freiwillig rein gelaufen", erzählt Grieshaber und kann es immer noch kaum fassen. Denn Kalos ist ein äußerst scheues Tier, lässt sich nicht anfassen.
Doch die Odyssee hat damit noch keineswegs ein Ende gefunden. Ein lichtdurchfluteter Pferdestall mit täglich frischem Streu und Heu ist für einen somalischen Wildesel, der eigentlich in die afrikanische Steppe gehört, nämlich keine artgerechte Haltung. Er braucht große Weiden mit Auslauf und darauf lediglich einen offenen Unterstand. Und dies kann ihm derzeit Grieshaber nicht bieten.
Hunderte von Telefonaten hat er bereist geführt, fragte bei Zoos und Tierparks an, bat internationale Tierschutzorganisationen um Hilfe. Doch niemand will den seltenen Vierhufer. Jetzt keimt die Idee, Kalos wieder zurück nach Afrika zu bringen. Einige 10 000 Euro würde solch ein Transport kosten. Und ein Zuhause hat Grieshaber bislang dort auch noch nicht gefunden. Der Zoo in Dschibuti hat jedenfalls auch schon abgewunken.
Doch bevor Kalos in die afrikanische Steppe gebracht werden kann, muss ihm jetzt erst einmal auf die Schnelle eine möglichst artgerechte Haltung ermöglicht werden. Oder aber, er wird auf die Schlachtbank geführt. Das sehen deutsche Tierschutzgesetze nämlich vor, wenn eine Spezies nicht artgerecht gehalten werden kann. Dabei gehört Kalos einer durchaus seltenen Rasse an, die vom Aussterben bedroht ist. Gerade mal noch 600 Exemplare sollen weltweit in freier Wildbahn leben, 400 davon in Eritrea, 200 in Äthiopien.
In zoologischen Gärten in Europa ist der Wildesel allerdings häufig anzutreffen. Der Basler Zoo soll 1970 fünf Exemplare gekauft, aus Afrika importiert haben und hatte wohl auch einen Zuchterfolg nach dem anderen. Sämtliche afrikanischen Wildesel in allen Zoos des Kontinents sollen auf die Basler Zuchterfolge zurückzuführen sein, weiß das Onlinelexikon Wikipedia. Kalos erblickte das Licht der Welt laut Zuchtbuch übrigens im Berliner Zoo und wurde von dort aus an ein niederländisches Tiergehege verkauft, wo er aber nie angekommen sein soll. "Aber das ist wieder eine andere, eine ganz schmutzige Geschichte", sagt Reiner Grieshaber.
Autor: Marco Schopferer





