Der Weg der kleinen Schritte

Udo Künster

Von Udo Künster

Fr, 14. Oktober 2016

Frauenfussball

NACHGEFRAGT: Der SC Sand bastelt weiter an der sportlichen Kontinuität im Frauenfußball und am Stadionumfeld .

FRAUENFUSSBALL. Der Ortenauer Fußball-Erstligist SC Sand geht in seiner dritten Saison in Deutschlands höchster Frauenliga weiterhin den Weg der kleinen Schritte.

Wenn der deutsche Meister FC Bayern München am Sonntag um 11 Uhr im Sander Orsay-Stadion aufläuft, werden viele Zuschauer gar nicht bemerken, dass in den vergangenen Wochen schon wieder an der Infrastruktur des kleinsten Bundesligastadions gewerkelt wurde. Rund um den Platz ließ die Gemeinde Willstätt Leerrohre verlegen, die in Kürze mit Kabeln für Fernsehübertragungen versehen werden. Dadurch rückt auch der Bau einer Flutlichtanlage näher. "Wir verbessern uns Schritt für Schritt und sind der Gemeinde für ihre Unterstützung sehr dankbar", sagte SC-Manager Gerald Jungmann.

Im Gegensatz zu anderen Vereinen sind Gelände und Sporthaus Gemeindeeigentum. Das ist aber nicht der einzige Unterschied zur Konkurrenz. Besonders die Mannschaften, die auch bei den Männern Lizenzvereine stellen, müssen sich keine finanziellen Sorgen machen. "Die besitzen ganz andere Möglichkeiten", erklärt Gerald Jungmann. Dies betrifft neben der Nutzung der Rasenplätze und der Busse bei Auswärtsfahrten auch die Integration in bestehende Ausrüsterverträge. In Sand backt man weiterhin kleinere Brötchen und dennoch wird an der Kontinuität gebastelt. "Wir jammern nicht, sondern denken positiv in die Zukunft", sagt Sands Manager, der den Verein in der obersten Spielklasse auf lange Zeit etablieren möchte. Mit sieben Punkten wurde nach dem Aufstieg der beste Saisonstart erreicht und der Durchmarsch der Reserve von der Oberliga bis in die Zweite Liga bewusst hingenommen.

"Meine Erwartungen

waren nicht so hoch."

Trainer Colin Bell
Dieser Unterbau ermöglicht es Spielerinnen, die in der Ersten nicht zum Einsatz kommen, Praxis zu sammeln. Der sportliche Verlauf sei laut Gerald Jungmann nach vier Spieltagen bei beiden Mannschaften positiv. Die unglückliche Niederlage beim Tabellenführer Turbine Potsdam sei kein Beinbruch und die Reserve hätte sich nach der Auftaktniederlage gegen den Erstligaabsteiger 1. FC Köln inzwischen stabilisiert. Auch Trainer Colin Bell, der im Sommer nach dem Abstecher in Norwegen wieder zurück in die Bundesliga kam, ist positiv überrascht: "Meine Erwartungen waren nicht so hoch. Aber hier bewegt sich was. Sowohl bei der Arbeit der Vereinsführung als auch im sportlichen Bereich."

Wie Gerald Jungmann bemängelt er den Zustand des Rasenplatzes. Dieser ist inzwischen 20 Jahre alt und bei jedem Tackling löst sich ein weiteres Stück. Anderswo wird mit einem Rollrasen schnell Abhilfe geschaffen. Das ist in Sand aufgrund der entstehenden Kosten nicht möglich. Aber auch hier laufen die Gespräche mit der Gemeinde mit dem Ziel, neben der inzwischen schon vorbereiteten Verbreiterung des Stadions mit zusätzlichen Trittstufen auf der Westseite und einer damit verbundenen Kapazitätserhöhung auf 3000 Zuschauer auch den Platz bundesligatauglich zu gestalten. Was auch der gesamten Fußballabteilung mit Männer- und Jugendbereich zugute käme, da neben dem Hauptplatz nur noch das vor zwei Jahren gebaute Kunstrasenfeld zur Verfügung steht. Beim kleinsten Verein der Bundesliga sitzt man nicht im gemachten Nest, sondern geht man die gestellten Aufgaben und Auflagen des DFB mit viel ehrenamtlicher Arbeit positiv an.

Der deutsche Meister FC Bayern München gastiert am Sonntag um 11 Uhr im Sander Orsay-Stadion. Ein halbes Jahr nach dem Überraschungserfolg des SC Sand im DFB-Pokal stehen beide Teams mit sieben Punkten in der Frauen-Bundesliga gleichauf. In der 2. Bundesliga Süd der Frauen erwartet der SC Sand II um 14 Uhr den FSV Hessen Wetzlar, den derzeitigen Tabellenführer.