2500 Tonnen wurden über 16 Meter bewegt

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 29. August 2018

Winden im Elztal

Einschub der beiden Bahnbrücken für die Ortsumfahrung B 294 in Niederwinden / Ausschreibungen des Straßenbaus / Leitungsverlegung und Felssicherung.

WINDEN. Für den Bau der Ortsumfahrung Winden wurde in den beiden vergangenen Tagen eine wichtige Etappe zurückgelegt. Die beiden Bahnüberführungen in Niederwinden, die Brücken 1 und 4, wurden installiert und werden ab Samstag wieder einen dauerhaften Zugverkehr ins obere Elztal ermöglichen. Zugleich wurde mit dieser Fertigstellung die Voraussetzung geschaffen, dass der Straßenbau, der unter diesen Brücken durchführt, eingeleitet werden kann.

In der Nacht von Sonntag auf Montag war die Baustelle unterhalb vom Rüttlersberg (Bauwerk 4) hell beleuchtet. Die in den vergangenen Monaten neben der Bahnlinie gebaute Brücke wurde in den Streckenverlauf eingeschoben und an die vorbereiteten Brückenköpfe gesetzt. Das bestehende Provisorium und der Schienenstrang waren vorher entfernt worden, weshalb der Zugverkehr für eine Woche unterbrochen werden musste.

Der Einschub wurde von einem Arbeitstrupp der Deutsche Bahn Engineering & Consulting Gesellschaft durchgeführt. Die 75 Meter lange, 2500 Tonnen schwere Brücke musste über 16 Meter auf ihre endgültige Position gebracht werden. Als Verfahren wurde dafür eine Hydraulik-Schlittentechnik gewählt, für die auch bauliche Vorarbeiten nötig waren. Unter der Brücke waren im Abstand von etwa 15 Metern vier Verschubfundamente betoniert und darauf je ein Stahlträger montiert worden. Die Brücke selbst stand auf teflonbeschichteten, extrem gleitfähigen Schlitten. Vier Hydraulikpressen, jeweils auf einem der Träger verankert, schoben sie auf den Schlitten voran.

Die erforderliche Schubkraft betrug insgesamt nur vier Prozent des Brückengewichts, also rund 96 Tonnen. Das genügte, um den Betonkoloss nahezu geräuschlos, sanft und kontinuierlich in Bewegung zu setzen. In Vortriebsschritten von jeweils 60 Zentimetern, bedingt durch die Länge der Schubzylinder, ging es voran. In rund vier Stunden, gegen zwei Uhr nachts, war der Brückenkörper eingeschoben, die Arbeit aber noch nicht erledigt. Der Einschub erfolgte etwa 30 Zentimeter über der Höhe der Widerlager. Die Brücke wurde zunächst auf mehreren Hubpressen an den Brückenköpfen abgelegt. Zur endgültigen Ausrichtung wurde sie von diesen nochmals angehoben – die höchste Beanspruchung – und dann langsam auf die vier kleinen, quadratischen Endlager abgesenkt. Dem Beobachter erschien der Ablauf als technische Meisterleistung, für die Monteure an den Pressen und ihren gemeinsamen Anweiser war alles nur Alltag. "Wir haben größere Brücken schon über 40 Meter geschoben", erzählte einer. "Es ist eine technisch anspruchsvolle Routinearbeit", fügte Bernd Furtwängler, der verantwortliche Leiter, hinzu.

Der gleiche Vorgang wiederholte sich in der Nacht von Montag auf Dienstag bei der Bahnüberführung unterhalb des Dürrenbergs, dem Bauwerk 1. Der gesamte Einbau mit allen Verankerungen sowie den Übergangskonstruktionen dauerte jeweils rund 20 Stunden. Die beiden Brücken werden als Stützen nur zwei Mittelpfeiler behalten. Das bedeutet, dass jetzt – unter anderem – die meterdicken Verschubfundamente wieder komplett "weggespitzt" werden müssen.

Daniel Haberstroh, Bauleiter für die Ortsumfahrung, teilte mit, dass mit Fertigstellung beider Bahnbrücken nun auch die Ausschreibung für den Straßenbau möglich ist. Sie wird Ende September erfolgen. Längere Einbauzeiten sowie die Nachplanung des Ersatzweges für die Rüttlersbergbrücke hätten letztlich rund ein dreiviertel Jahr Verzug gebracht (die BZ berichtete). Für die Gemeinde habe man jedoch eine "gute Lösung" gefunden. Der Straßenbau in Niederwinden wird – je nach Winterwetter – dadurch wohl erst 2019 beginnen. Das, so Haberstroh, ändere aber nichts am Zeitplan für den Tunnelanschlag in Oberwinden. Auch dafür werde im Oktober die Ausschreibung veröffentlicht. Eine gewisse Zeit müsse danach aber mit parallel laufenden Bauarbeiten gerechnet werden.

Aktuell werden in Oberwinden schon zwei Aufträge ausgeführt. Gebaut werden das erste Teilstück des Anschlussohrs Oberwinden West und – zur Umfahrung der künftigen Baustelle – die daran anschließende – provisorische Verlängerung bis zur Einmündung unterhalb des Gewerbegebiets Frohnacker. Als zweite Maßnahme wird in diesem Zuge auch das Baufeld leitungsfrei gemacht. Das Leitungsnetz am Ortskern sowie für das Neudorf wird verändert und teilweise in neuen Trassen entlang der B 294 geführt. Bis Ende August 2019 zum geplanten Beginn des Straßenbaus muss alles abgeschlossen sein. Mit bis zu drei Arbeitskolonnen sucht man derzeit den engen Zeitrahmen einzuhalten. Im Bereich Oberwinden Ost gehen in den nächsten Wochen der Hangabtrag und die Felssicherung weiter. Die später einmal zwölf Meter hohe Felswand über dem Tunnelportal muss auf einer Länge von 250 Meter mit etwa 5500 Felsnägeln und Fangzäunen überzogen werden. Gleiches muss über den Eingängen zu den zwei Rettungsstollen (die BZ berichtete) geschehen – schon für die Sicherheit der Baustellen. Ein paralleler Rettungsstollen wäre erst ab 900 Meter Tunnellänge vorgeschrieben gewesen. Der Brandbergtunnel wird mit rund 760 Meter aber kürzer sein.