An drei Stellen gebaggert

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Di, 14. August 2018

Winden im Elztal

Die erste Vollsperrung der B 294 zwischen Oberwinden und Elzach ist überstanden / Baustellenvorbereitung für die Ortsumfahrung.

WINDEN/ELZACH. Ungewöhnliche Verkehrssituation im oberen Elztal: Dort, wo täglich starker Pkw- und Lastverkehr herrscht und sich in Richtung Winden Staus bilden, war an diesem Wochenende mehr oder weniger Ruhe. Von Freitag, 19 Uhr, bis Samstagnacht war die B 294 zwischen Oberwinden Bahnhofstraße und Elzach, Abzweig Weinersberg, gesperrt. Nur an drei Stellen dröhnten Maschinen. Der Grund waren Baustellenvorbereitungen für die Ortsumfahrung Oberwinden sowie ein Gebäudeabriss in der Ortsmitte.

Der künftige Brandbergtunnel wird durch zwei Rettungsstollen mit der jetzigen B 294 verbunden sein. An deren Eintrittsstellen musste Platz für die kommenden Bauarbeiten geschaffen werden. Im Bereich des Rettungsstollens Ost, circa 200 Meter unterhalb des geplanten Tunnelportals, wo der Bergabhang noch unmittelbar an die Straße heranreichte, wurde dafür der Felsen abgetragen. Ein Bagger mit Meißel lockerte das Gestein, ein zweiter Bagger belud fünf Sattelschlepper, die ständig unterwegs waren. Um den Arbeitsfortgang zu beschleunigen und nicht sprengen zu müssen, waren in den Tagen zuvor von oben Vorbohrungen im Neigungswinkel von 70 Grad in den Berg getrieben worden.

Nach Einschätzung von Ulrich Frech, Projektleiter für Winden im Regierungspräsidium, der vor Ort war, wurden rund 80 Kubikmeter Material entfernt. Das Felsgestein wurde auf die Deponie in Bleibach gebracht. Durch den Abtrag wurde eine halbwegs senkrechte, feste Anschlagwand mit nun drei Meter Abstand zur B 294 hergestellt. Der Rettungstunnel Ost, der etwa 100 Meter lang wird, wird hier seinen Eingang haben. Bis die eigentlichen Tunnelbauarbeiten beginnen, muss die Stelle aber wieder gesichert werden – im oberen Bereich durch einen drei Meter hohen Fangzaun, unten mit "aufgenageltem" Fangnetz, wie Hansjörg Nopper von der Bauleitung mitteilte.

Zweiter Arbeitsort war die freie Fläche in der Engstelle von Oberwinden. Hier wird später der Zugang für den etwa 170 Meter langen Rettungsstollen West liegen. An diesem Punkt räumte ein Bagger die bisherige Gartenmauer mit Gartenfläche ab. Der Humus wurde im Ort deponiert. Anschließend wurde eine Zufahrt bis an die Felswand angelegt und mit Schotter befestigt.

Die Arbeiten wurden von Auftragnehmern der mit der gesamten Felssicherung betrauten Firma Sachtleben aus Wolfach ausgeführt. Arbeitstrupps und Fahrzeuge waren durchgehend im Einsatz. Dies hinderte einige Anwohner aus Oberwinden aber nicht daran, die vorübergehend verkehrsfreie Zone auf ihre Art zu genießen. Am Samstag nutzten sie die Gelegenheit und saßen unter Sonnenschirmen zum verlängerten gemeinsamen Frühstück am Straßenrand. Einhellige Meinung dort: Die Belastungen werden durch Baustellenlärm und Sprengungen im Berg wohl erst kommen, aber das nehme man für die langfristige Verkehrsberuhigung durch den Tunnel gerne in Kauf.

Die Vollsperrung nutzte schließlich die Gemeinde Winden auch in eigener Sache. Unterhalb der Engstelle sorgte sie für Freiraum ums Rathaus und ließ das gegenüberliegende, nicht mehr sanierungsfähige Altgebäude abreißen: dritter Baggereinsatz im Umkreis von 400 Metern, bei dem trotz Wasserschlauch auch Staubwolken unvermeidlich waren. Die Abrissstelle war in die gesamte Umleitungsregelung einbezogen. Vor dem Rathaus herrschte Ampelbetrieb. Der nahe Durchgangsverkehr wurde durch die Bahnhofstraße über die Nebenstrecke an der Staude talaufwärts geführt. Talabwärts wurden die Fahrzeuge ab Kläranlage Elzach über Katzenmoos-Weinersberg umgeleitet. Die Strecken wurden zur Einbahnstraße erklärt.

Streng gehandhabt hätte diese Regelung für Radfahrer in Richtung Winden eine gehörige Anstrengung bedeutet. Am Samstagmittag stand ein älteres Radlerpärchen in Elzach vor der Absperrung und wollte es nicht glauben, über den Weinersberg zu müssen. Bauleiter Nopper hatte da ein Einsehen und machte für sie das Führungsfahrzeug durch die Baustelle. Für den überregionalen Verkehr hatte das Regierungspräsidium eine Umleitung über Sexau, Freiamt, Schuttertal und Biederbach ausgeschildert.