Ausblick auf den Tunnelbau

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Fr, 02. Dezember 2016

Winden im Elztal

Planung für den zweiten Bauabschnitt der Ortsumfahrung Winden / Fertigstellung bis 2023.

WINDEN. Die Halle in Oberwinden war voll besetzt. Etwa 300 Personen kamen zur Einwohnerversammlung, die es als kommunale Veranstaltung künftig jährlich geben soll. Mehr als zwei Stunden wurde informiert. Erstes Thema war die Straßen- und Tunnelplanung, also der zweite Bauabschnitt der Ortsumfahrung B 294 Winden sowie der nötige Grunderwerb. Bürgermeister Klaus Hämmerle konnte dazu fünf leitende Beamte des Regierungspräsidiums Freiburg begrüßen.

Moderatorin Heidi Götz, Abteilungsdirektorin im Präsidium, wies darauf hin, dass in Winden der zweite Bauabschnitt nun "eingeläutet" werde, in Freiburg sei man mit dem Planen längst dabei. Sie kündigte den Einstieg in den Grunderwerb an und drückte – im Sinne einer planmäßigen Umsetzung – "Hoffnung auf eine freihändige Verständigung" aus.

Die Straßenplanung, speziell am Anschlussknoten Oberwinden-West, stellte Projektleiter Björn Michler vor. An einer Projektion erläuterte er den Verlauf der Anbindung Oberwindens mit einer Linkskurve auf Höhe des Gasthauses Sonne, über die folgende Freifläche zur neuen Einmündung in die B 294 etwa 90 Meter unterhalb des Vortunnels. Die Ortsstraße in Richtung Spitzenbach werde so bleiben, da der Vortunnel unter ihr durchführen wird. Eine Lärmschutzwand wird das Tunnelportal beidseitig umschließen; sie wird am Neudorf entlang weitere 200 Meter einseitig fortgeführt. Hinter der Wand wird der Fahrradweg verlaufen; eine Ampel für Fußgänger wird weiterhin die Querung der 7,5 Meter breiten Fahrbahn erlauben. Während der Bauzeit sei ein Provisorium unausweichlich, der Anschluss West wird um weitere 100 Meter versetzt liegen und durch das Gewerbegebiet Frohnacker führen.

Einen vertieften Bericht gab Projektleiter Ulrich Frech für die Tunnelplanung. Rund die Hälfte der 500 000 Euro betragenden Plankosten seien bereits verbraucht. Die Entwurfsplanung geht in Kürze an das Bundesverkehrsministerium; nach Technik- und Wirtschaftlichkeitsprüfung gibt es die Teilmittelfreigabe, danach folgt die Ausschreibung, so dass im Sommer 2019 Baubeginn sein werde. Der Vortunnel, so Frech weiter, muss wegen des Grundwasserstands von 3,50 Meter, wasserdicht gebaut werden.

Die ersten 100 Meter müssen mit Unterwasserbetonsohlen hergestellt werden; denn eine Grundwasserabsenkung, die zu Setzungen im Erdreich und Risiken für die Häuser führt, soll vermieden werden. Im zweiten Teil des Vortunnels stößt man schon auf kompakten Fels; dort müsse mit Bohrpfahlwänden gearbeitet werden. Der eigentliche bergmännische Tunnel, der sich mit 760 Meter Länge anschließt, wird vom Osteingang am Brand vorangetrieben werden – mit schonenden Sprengungen von jeweils drei Metern Vortrieb, anstatt des aufwändigen Einsatzes einer Tunnelvortriebsmaschine. Die Sprengungen werden von Erschütterungsmessungen im Umfeld begleitet. Vor Baubeginn werden zudem Beweissicherungen in den Häusern durchgeführt.

"Die Bausituation von

2019 bis 2023 wird für

Oberwinden nicht so

lustig werden."

Heidi Götz, Regierungspräsidium
Im Tunnel wird es auch drei Ausgänge, zwei als Rettungswege, geben. Der eine Stichstollen, 103 Meter lang, endet oberhalb der Engstelle; der andere, 160 Meter lange, unterhalb vom Gasthaus Adler. Ein Zusatzausgang wird beim Betriebsgebäude in der Waldhornkurve gebaut. Das Betriebsgebäude wird 25 Meter lang, neun Meter breit und acht Meter hoch sein.

Ausführungen zum landschaftspflegerischen Begleitplan machte Ilona Holschbach. Festgestellt sind darin 0,7 Hektar Straßenbegrünung und Rekultivierung für rückgebaute Trassen. Auf 1,4 Hektar wird es Biotopaufwertungen geben. Dazu zählen Feuchtsenken, Laichgewässer, Steinriegel, Gehölzbepflanzungen und eine extensive Wiesennutzung. Als Gestaltungsmaßnahme wird die Lärmschutzwand bepflanzt. Bereits vorgezogen wurde bei der Elzbrücke die Frohngrabenverlegung zur Umsiedlung einer seltenen Libellenpopulation.

Als Ansprechpartnerin von der Grunderwerbsstelle stellte sich Heike Strauss vor. Sie erläuterte den Verfahrensablauf von der Bodenwertermittlung über die Bedarfsflächenfestlegung und die Zahlung möglicher Entschädigungen bis zur notariellen Beurkundung von Eigentumsübergängen. Die Bodenpreise werden sich am Verkehrswert nach örtlicher Kaufpreissammlung richten. Die Bedarfsfläche wird in Erwerbsfläche, dauerhaft zu beschränkende Fläche, etwa für Überfahrten und Flächen vorübergehender Inanspruchnahme aufgeschlüsselt. Letztere sollen mit Bauerlaubnis des Eigentümers vor Baubeginn in den Besitz des Landes übergehen. Der Verkauf der Erwerbsflächen wird über Sammelverträge erfolgen, zu deren Abschluss ein Vertreter, voraussichtlich der Bürgermeister, von den Eigentümern bevollmächtigt wird. Nach Abschluss des Projekts erfolgt eine Straßenschlussvermessung mit endgültiger Festlegung der Grenzen im Grundbuch, nach der auch endgültig abgerechnet wird. Nach den Referaten wurden auf die zahlreichen Fragen von Anwohnern klare Antworten gegeben. In der Bauphase wird so zum Beispiel die innerörtliche Verbindung nach Spitzenbach mittels einer Behelfsbrücke gesichert. Die bauliche Ausführung des Tunnels wird auf eine Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde ausgelegt sein. Unbehagen wegen der einseitigen Lärmschutzwand und Lärmbelastung auf der anderen Straßenseite fand eine zweifache Antwort. Bürgermeister Hämmerle kündigte eine ästhetische Wandgestaltung in Abstimmung mit den Bürgern an; ein Vorschlag werde Anfang 2017 auf die Gemeinde-Homepage gestellt. Heidi Götz verwies auf die weniger strengen Lärmschutzauflagen im angrenzenden Gewerbegebiet. "Im Übrigen wird dort während des Provisoriums ein quälender Verkehr ohnehin nicht zu vermeiden sein. Die Bausituation von 2019 bis 2023 wird für Oberwinden nicht so lustig werden", sagte sie ganz offen.