B 294-Bau: So geht’s weiter

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 27. Februar 2016

Winden im Elztal

Großprojekt Umfahrung Winden: Das erste komplette "Baujahr" vor Augen, der Plan steht längst.

WINDEN. Wie geht’s eigentlich weiter oder auch erst richtig los mit der Ortsumfahrung Winden, nachdem vor gut einem Vierteljahr, am 17. November 2015, Spatenstich für das seit Jahrzehnten ersehnte Projekt war und dazu sogar der Bundesverkehrsminister ins Elztal kam ? Daniel Haberstroh vom Regierungspräsidium Freiburg, der Leitende Bauingenieur für dieses Projekt, gab für die Leser der Badischen Zeitung im Baubüro im früheren Niederwindener Bahnhof einen Überblick über die geplanten Baumaßnahmen in diesem Jahr und später.

Na, das ist, im Vergleich zu den sonst üblichen Containern, ein fast schon komfortables, auf jeden Fall ein gemütliches Baubüro im alten Bahnhof: Zwei Etagen, genügend Räume, gleich drei alte Kachelöfen sorgen für Wärme. Noch sind Daniel Haberstroh und sein Stellvertreter Hansjörg Nopper hier meistens alleine – und übrigens immer mittwochs von 15 bis 18 Uhr dort für Anfragen und Anliegen von Bürgern ansprechbar. Bald wird ein dritter Arbeitskollege vom Regierungspräsidium in diese kleine Außenstelle einziehen, später dann – sobald die Umgehungsstraßenbaustelle auch teilweise eine Bahnbaustelle wird (wegen der Brückenbauten) – kommen noch Baufachleute von der Bahn dazu und noch später weitere von der Tunnelüberwachung. Dann wird "die Bude voll" sein.

"Die Bahnbrücke wird das erste größere Bauwerk. Das geht jetzt im Frühjahr los".

Daniel Haberstroh, Bauingenieur

vom Regierungspräsidium
Daniel Haberstroh und Hansjörg Nopper kennen sich beim Thema Umgehungsstraße bestens aus, sie haben auch schon die Umfahrung Elzach vor wenigen Jahren planerisch geleitet. Das Projekt Winden wird, durch die Länge und natürlich durch den Tunnelbau, eine etwas andere Dimension werden.

Den Anfang haben, wie gesagt, Mitte November Alexander Dobrindt, Klaus Hämmerle, Clemens Bieniger und einige andere "Spatenstecher der ersten Stunde" gemacht. Danach kamen die "richtigen" Arbeiter: Baumrodungen, die Baustraße und Zufahrt für die erste Bahnbrücke (Unterführung) gleich oberhalb von der Stelle des Spatenstichs sowie einige Arbeiten hinterm Bahndamm wurden bisher vorgenommen. Vor Weihnachten bis jetzt war Baupause. Was manchem Spaziergänger natürlich schon auffiel. "Hän sie schu kein Geld meh?", bekam Daniel Haberstroh auch schon mal zu hören und schmunzelt. Natürlich hat die Pause trotz des meist milden Winters mit der Jahreszeit zu tun. In dieser Woche wurde wieder mit Baggerarbeiten angefangen, aber gleich am Donnerstag sorgte der Schneefall fürs nächste "Stopp".

Die erwähnte Bahnbrücke "wird das erste größere Bauwerk", so Haberstroh, "das geht jetzt im Frühjahr los". Dann werden auch deutlich mehr Arbeiter auf der Baustelle zu sehen sein als bisher. Wobei die Bahn bereits die Arbeiten für alle beiden vorgesehenen Bahnbrücken – die zweite entsteht oberhalb vom Niederwindener Gewerbegebiet – ausgeschrieben hat. Bei den Brücken (beide werden Unterführungen) handle es sich "um ein relativ aufwendiges Verfahren: Die Brücken werden erst nebendran hergestellt und dann quer rübergeschoben", so Daniel Haberstroh. Bis Ende 2017 sollen beide Brückenbauwerke fertiggestellt sein. Die Hurstwaldbrücke (Richtung Reschhöfe) dagegen wird eine Überführung über die Bahn und die Umgehungsstraße sein.

Ebenfalls ausgeschrieben sind die Arbeiten für das Regenklärbecken (welches neben der jetzigen Niederwindener Elzbrücke beim Sportplatz entstehen wird – in diesem Sommer soll damit begonnen werden) und die neue Elzbrücke dort. Die jetzige Elzbrücke muss ja abgebrochen werden; aber erst, wenn die Umfahrung schon im Betrieb ist. Stattdessen ist eine neue Brücke zu bauen, da die Trasse der Umgehungsstraße dort anders verläuft als die jetzige B 294. Da es zum Teil europaweite Ausschreibungen sein müssen, dauert es auch länger bis zur Submission.

Ebenfalls noch 2016 wird die Ausschreibung und, wenn möglich, auch der Arbeitsbeginn sein für den komplett parallel (elztalaufwärts auf der rechten Seite) zur künftigen B 294 verlaufenden Wirtschaftsweg – vergleichbar mit dem parallelen Wirtschaftsweg an der Umgehungsstraße Elzach auf Höhe Finkenacker/Klinik/Ladhof/Reichenbach. Dazu gehört auch ein Entwässerungs-/Grabensystem oberhalb dieses Wirtschaftswegs. Und gleichfalls noch für 2016 (Herbst) geplant sind die Ausschreibungen für die Dürrenbergbrücke und die Hurstwaldbrücke, beide über die künftige B 294 hinweg.

Das heißt: Bis Ende 2016 sollen alle geplanten Brücken bereits im Bau sein, so Daniel Haberstroh. "Das ist wichtig, schon allein wegen dem Aushub danach für den Wirtschaftsweg".

Aber auch in Oberwinden, das dereinst von einem Tunnel umfahren wird, tut sich bereits 2016 etwas. Haberstroh: "In den nächsten Wochen gibt es Erkundungsbohrungen für den Tunnel-Baugrund." An acht verschiedenen Stellen an der Tunnelstrecke wird bis zu 96 Meter tief gebohrt, um Gesteinsbeschaffenheit und Klüftigkeit zu erkunden. Solche Erkundungsbohrungen gab es erstmals übrigens schon in den 1990er Jahren, als der Straßenbau noch in weiter Ferne lag und eine Realisierung ungewiss war.

Ebenfalls noch 2016 wird schließlich das ehemalige Gasthaus "Waldhorn" abgerissen, das der Bund zwischenzeitlich gekauft hat; denn dort geht die Oberleitungsstrecke für die neue Straße los und das Haus würde der Umgehung im Weg sein. Die Ausführungsplanung für den Tunnel, so Haberstroh "läuft voll" und er zeigt am Computer einige der mehreren Dutzend schon erarbeiten Pläne und Planvarianten. Und es komme noch mehr dazu, denn es geht nicht nur um den Tunnel an sich, sondern auch um Eingänge, Querspangen, Lärmschutz- und Bohrpfahlwand – "viele Fragen, die besprochen und geklärt werden müssen", so Daniel Haberstroh. Es ist also einiges zu tun für die Ingenieurskunst im Tiefbau.

Dazu: "Es gibt viel im Hintergrund, was nach außen gar nicht wahrgenommen wird." Kleines Beispiel: Erforderliche Ausgleichsmaßnahmen im Naturschutzbereich, wie etwa Ersatzbiotope anlegen für Eidechsen oder Schlingnattern.