Bohrungen über dem Tunnelverlauf

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Sa, 02. April 2016

Winden im Elztal

Die Arbeiten an der Ortsumfahrung Winden haben begonnen. In Niederwinden werden dieses Jahr fünf Brücken gebaut oder begonnen: zwei Unter- und zwei Überführungen mit Dürrenberg- und Hurstwaldbrücke sowie eine neue Elzbrücke, nach deren Fertigstellung die jetzige Brücke beim Sportgelände abgerissen wird.

WINDEN. Die Arbeiten an der Ortsumfahrung Winden haben begonnen. In Niederwinden werden dieses Jahr fünf Brücken gebaut oder begonnen: zwei Unter- und zwei Überführungen mit Dürrenberg- und Hurstwaldbrücke sowie eine neue Elzbrücke, nach deren Fertigstellung die jetzige Brücke beim Sportgelände abgerissen wird. Bis Mitte 2018 will man in Niederwinden fertig sein. Danach, Anfang 2019, folgt der Tunnelanstich in Oberwinden. Doch schon jetzt tut sich auch hier etwas. Für die Feinplanung des Brandtunnels sind die Erkundungsbohrungen angelaufen.

Insgesamt acht Wochen hat das Regierungspräsidium für die Bohrungen eingeplant, die vom Spezialunternehmen Drillexpert aus Teningen vorgenommen werden. Auf dem Bergrücken, über dem Verlauf der künftigen Tunnelröhre, werden acht Bohrungen eingebracht. Diese werden maximal 96 Meter, zumeist senkrecht, bis unter die geplante Tunnelsohle geführt.

Ziel dabei ist, die schon vorliegenden Kenntnisse erster Bohrungen aus dem Jahr 1993 zu verdichten. Bekannt ist seitdem, dass die Tunnelbauer relativ festen Untergrund vorfinden werden. Das Gebirge besteht überwiegend aus verschiedenartigen Gneisschichten. "Wir wissen schon einiges über die geologische Beschaffenheit", sagt Bauleiter Daniel Haberstroh zuversichtlich. Mit unliebsamen Überraschungen, die die Baukosten für Oberwinden von rund 43 Millionen Euro erhöhen könnten, sei daher nicht zu rechnen: "Da ist alles einkalkuliert". Dennoch, so der Diplomingenieur, werden die Ergebnisse der Bohrungen benötigt; zunächst für die Feinplanung und daran anknüpfend für Leistungsverzeichnisse und die europaweite Ausschreibung der Arbeiten.

Eine erste konkrete Aufgabe wird die Feststellung des Felshorizonts im Bereich des südlichen Tunnelmunds an der Waldhornkurve sein. Erst wenn dieser lokalisiert ist, steht genau fest, wo der geplante Vortunnel enden und der bergmännisch zu errichtende Haupttunnel beginnen wird. Der bergmännische Tunnel wird dort etwa acht Meter unter dem jetzigen Fahrbahnniveau der B 294 liegen. Auf rund 760 Meter Länge steigt die Straße dann im Berg um 2,75 Prozent an, von etwa 312 auf 338 Höhenmeter beim Tunnelausgang. Aus dem Bereich neben und über dieser künftigen Tunnelröhre werden bei den Bohrungen Gesteinsproben entnommen. Die Gebirgsdecke wird auf Klüftungen und brüchige Stellen untersucht. Ebenfalls überprüft werden die Wasserstände und die Wasserdurchlässigkeit der Schichten im Verlauf der Trasse. Durch Versuche in den Bohrlöchern wird auch der Wasserdruck getestet. Besonders wichtig sei jedoch die Gesteinshärte, die sich auf den erforderlichen bautechnischen Aufwand auswirkt, erläutert der Bauleiter.

Im Baubüro im ehemaligen Niederwindener Bahnhof zeigt Haberstroh am Rechner, dass es noch immer mehrere Ausführungsvarianten gibt, zwischen denen jetzt entschieden werden muss. Je nach Beschaffenheit der Gesteinsschichten ist zwischen verschiedenen Röhrenquerschnitten zu wählen, ob diese rund sein müssen oder auch oval sein können, was weniger Aushub über der Sohle erfordern würde.

Von der Härte und Zusammensetzung des Gesteins hängen zudem der Aufwand für die Baustelle und die benötigte Zeit für den Vortrieb ab. "Bei der Länge des bergmännischen Tunnels sind das alles Kostenfaktoren", sagt der Bauleiter. Deshalb tragen die Erkundungsbohrungen außer zur Sicherheit des Bauwerks auch zu dessen wirtschaftlicher Herstellung bei.