"Ein bewegender Tag für Winden"

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Do, 19. November 2015

Winden im Elztal

Offizieller Baubeginn der Ortsumfahrung mit Bundesverkehrsminister Dobrindt / Festakt der Gemeinde nach Spatenstich / Entlastung für Niederwinden bis 2018.

WINDEN. Nie hatten sie eine so prominente Fracht, behaupteten Heinrich Schätzle und Mansuet Rißler, die beiden Kutscher, später. In ihrem Zweispänner fuhren sie die Ehrengäste vom Gelände der künftigen Ortsumfahrung in die Festhalle Niederwinden. Ungewöhnlich auch das politische Farbenspiel; denn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Staatssekretär Norbert Barthle saßen da einträchtig neben Gisela Splett, Staatssekretärin aus Stuttgart, und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und genossen die Fahrt zum Festakt.

Erfolg verbindet bekanntlich. Und so war es auch hier. Bei ihren Reden vor dem Spatenstich drückten alle ihre Freude aus, dass der lange Planungsprozess nun feierlich sein Ende fand. Bärbel Schäfer, Gastgeberin, nannte den Akt ein "Tor zur Zukunft der Region", das mit der Umgehung Windens nun geöffnet werde. Sie dankte dem Minister für die Freigabe der Bundesmittel, mit der ein Gefahrenpotential und Entwicklungshemmnis für das obere Elztal in absehbarer Zeit beseitigt werde. Alexander Dobrindt antwortete, dass er mit der Präsidentin nicht jeden Tag unterwegs sein wolle; schließlich habe sie seinen Etat mit Allensbach (B 33) und Winden (B 294) gerade um 129 Millionen Euro erleichtert. Am 20. Juli habe er in Baden-Württemberg sogar 15 Neubaumaßnahmen für 537 Millionen Euro freigegeben. Bei der langfristigen Zunahme des Güterverkehrs sei dies aber unausweichlich. Aus Winden werde die Umgehung 85 Prozent des Verkehrs herausbringen. "Mehr Straßenkapazität und zugleich Entlastung" sei hier wie allgemein sein Ziel. Gisela Splett lobte die geplante Umfahrung wegen ihres geringen Landschaftsverbrauchs und technisch anspruchsvoller Bauabschnitte. Dem Minister versicherte sie, dass das Land mit mehr Vorfinanzierungsmitteln (Swing) und höherem Personalstock zur Umsetzung aller Maßnahmen beitragen werde. Erhalt sei ihr zwar genauso wichtig wie Neubau. Doch bleibe auch für die Landesregierung "die Straße Verkehrsträger Nummer Eins". Splett verzichtete nicht darauf, im Falle Windens auch auf zehn Jahre Wartezeit bis zur Freigabe zu verweisen. Unisono fiel bei allen aber das Lob für Gemeinde und Bürgerinitiative aus. Mit Druck und Beharrlichkeit, dabei aber stets sachlich und fair hätten beide ihr Ziel verfolgt.

Beim Festakt der Gemeinde in der vollen Halle sprach Bürgermeister Klaus Hämmerle von einem "bewegenden Tag für Winden". Die künftige Ortsumfahrung sei "Voraussetzung für mehr Lebensqualität und Attraktivität sowie mehr Wirtschaftskraft in der Gemeinde". Besonders würdigte er die planerische Arbeit des Regierungspräsidiums und die fortwährende Unterstützung Windens durch Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, die sich auf eine eigens gestaltete Seite ins Goldene Buch Windens eintrug.

Grußworte kamen von den beiden Bundestagsabgeordneten. Peter Weiß sprach vom überparteilichen Konsens für die Ortsumfahrung und pries die "beispielhafte politische Lobbyarbeit" von Bürgermeister Clemens Bieniger, worauf großer Beifall aufbrandete.

"Denn wir sind doch alle

überzeugte Windener"

Clemens Bieniger
Für Johannes Fechner war dieser Spatenstich ein Zeichen, dass die Politik die Belange der Bürger doch ernst nimmt. Auch eine Großinvestition in den ländlichen Raum, wenn diese so berechtigt ist wie in Winden, wurde so möglich. Zwischendurch überreichte der Bürgermeister seinen Ehrengästen, auch dem früher aufbrechenden Bundesverkehrsminister, gern gesehene kulinarische Erinnerungen an das Elztal; seine Sekretärin Bianca Tränkle assistierte ihm – dazu passend – in heimischer Tracht.

Einen ersten Überblick über die Zeitplanung der Bauarbeiten erhielten die Anwesenden von Claus Walther, dem Abteilungspräsidenten im Regierungspräsidium. Niederwinden stellte er mit dem ersten Bauabschnitt die Entlastung vom Durchgangsverkehr bis Mitte 2018 in Aussicht. Danach wird auch der Materialtransport vom Tunnelbau in Oberwinden am Ortsteil vorbeiführen. Vorgestellt wurden auch die künftigen Verantwortlichen für Winden: Baudirektor Gerald Schmidt, Bauleiter Daniel Haberstroh und Hansjörg Nopper für das Baubüro im Niederwindener Bahnhof. Eine weitere Glückwunschadresse kam von Roland Tibi, stellvertretend für die Bürgermeister aller Nachbargemeinden.

Marita Schmieder, zuvor schon mehrfach gewürdigt, bezeichnete den offiziellen Baubeginn als "riesengroßen Festtag für die Bürgerinitiative". Ein mühsamer und steiniger Weg sei zu Ende. Und der Bundesverkehrsminister brauche nun, wie er selbst sagte, keine schlaflosen Nächte wegen Windener Eingaben und Besuchen mehr zu haben.

Nach großem Dank vom Nachfolger verblieb schließlich das letzte Wort Bürgermeister a.D. Clemens Bieniger. Mit bewegter Stimme sprach er noch einmal über sein 32-jähriges Ringen mit Zweiflern, mit "hagebüchenen" Bürgern und widerspenstigen Bürokraten. Dabei habe ihn immer ein Oberziel geleitet: die Umfahrung als untrennbare Einheit für beide Ortsteile. "Denn wir sind doch alle überzeugte Windener". Mit dem Badnerlied beschloss die Musikkapelle Niederwinden den Festakt.