Offizieller Start für Umgehungsstraßenbau

Ein trüber Tag als toller Tag: Spatenstich in Winden mit dem Bundesverkehrsminister

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Di, 17. November 2015 um 19:02 Uhr

Winden im Elztal

Am Dienstagnachmittag war Spatenstich für die Ortsumfahrung Winden. 45 Jahre lang hatten die Windener drauf warten müssen. Jetzt kam Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt persönlich.

4,8 Kilometer gesamt, davon 800 Meter Tunnel, zwei Bauabschnitte, sieben, acht Jahre Bauzeit und das alles für 68 Millionen Euro: Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer nannte gestern Nachmittag in Winden nochmals die Zahlen zur Ortsumfahrung. Die Arbeiten dafür begannen kurz nach 16 Uhr mit dem Spatenstich der Politprominenz offiziell. Dass dafür sogar der "oberste Straßenbauer" der Republik, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, nach Winden kam, unterstrich die Bedeutung dieses Tages.

Die Regierungspräsidentin vergaß auch eine andere Zahl nicht: 45. 45 Jahre etwa musste Winden auf diesen Tag warten. Der ehemalige Bürgermeister Clemens Bieniger hatte einen beträchtlichen Teil seiner 32-jährigen Amtszeit für den "Straßenkampf" verwendet. Für ihn und seinen Nachfolger im Amt, Klaus Hämmerle, war deshalb dieser Spatenstich eine besondere Genugtuung. "Jetzt wird’s doch noch wahr", freute sich Bieniger.

Ein Aprilscherz wurde wahr

Ja, es stimmt. Der Aprilscherz vor einem halben Jahr in der BZ wurde wahr inklusive der "Prophezeiung", dass der Verkehrsminister nach Winden kommt. Der ließ aber auf sich warten. Aber die mehreren hundert Personen, die sich auf dem Wiesengelände zwischen B 294 und Bahnlinie unterhalb von Niederwinden – die Vorarbeiten für den Straßenbau haben dort schon am 5. Oktober begonnen – diese vielen Erwartungsfrohen hatten sich untereinander allerhand zu erzählen. Mehre Bundes- und Landtagsabgeordnete, die Bürgermeister des Elztals, "Zweitälerland"-Schwarzwaldmaidli, Polizei, Feuerwehr, Vereinsvertreter und viele sonstige Gäste waren da, alle oder doch so viele wie möglich begrüßte Bürgermeister Klaus Hämmerle per Handschlag. Auch Bauingenieur Daniel Haberstroh, der, wie schon für die Umgehung Elzach, die Bauleitung des Straßenprojekts Winden inne hat; das Baubüro befindet sich im Bahnhofsgebäude Niederwinden.

Gut, es war, nach durchweg sonnigen Herbstwochen, ein grauer Tag gestern, am Vormittag regnete es sogar mal heftig. Und windig war’s in Winden. Aber das trübte die Stimmung nicht und Oberwindens Narrenzunft Dr Spitzbue hatte ihr Fetzelt aufgebaut, während die Flaggen von Deutschland, Baden-Württemberg und Winden um die Wette flatterten.

Endlich, eine halbe Stunde später als geplant, sichtet die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle einen Hubschrauber aus Richtung Elzach: "Er kommt!". Gelandet ist er am Bahnhofplatz Oberwinden, dann fährt auch schon das Minister-Auto vor. Händeschütteln. Landrat Hanno Hurth nutzt gleich die Gelegenheit, da Dobrindt ja auch Minister für digitale Infrastruktur ist, ihm Unterlagen einer Breitband-Initiative für den Landkreis zu überreichen.

Dobrindt, der am Vormittag schon in Allensbach am Bodensee zu einem weiteren Spatenstich war (B 33) ist locker: "Tut mir leid, ich bin ein bisschen zu spät. Das lag am heftigen Gegenwind. Kenn’ ich zwar aus der Politik, aber der Hubschrauber hat damit Probleme."

Dann wird’s offiziell: Die Regierungspräsidentin redet, Dobrindt redet und – in Vertretung vom Landesverkehrsminister – Staatssekretärin Gisela Splett. Alle freuen sich, alle loben den fairen Kampfgeist und die sachliche Argumentation der Windener in ihrem langen Ringen für die Ortsumfahrung – voran Clemens Bieniger. "Den hier kenn’ ich", deutete der Verkehrsminister gleich bei der Begrüßung auf den Ex-Bürgermeister und sagt: "Sie haben alles richtig gemacht." Ehrensache, dass nach dem Spatenstich er und auch Klaus Hämmerle je einen Spaten mit einem Autogramm Dobrindts erhalten. In der Halle wurde dann weitergefeiert (die BZ berichtet noch). Ja, so wurde aus einem trüber Tag ein ganz toller trüber Tag.