Neue Ortsmitte vor dem alten Rathaus

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Sa, 29. September 2018

Winden im Elztal

Bürgerinformationsveranstaltung zu den drei Planentwürfen für das künftige Niederwinden / Auswahlgremium gibt Empfehlung / Einstimmige Befürwortung.

WINDEN. Seit Jahresbeginn ist die Gemeinde Winden mit ihrem Entwicklungskonzept "Winden 2030 – gemeinsam gestalten" Schwerpunktgemeinde im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Teil dieses Konzepts ist auch die neue Ortsmitte Niederwinden. In der Vorwoche beschloss der Gemeinderat die Aufnahme der Planung in das Jahresprogramm 2019 des ELR. Dazu passend wurden jetzt die drei Planentwürfe und das Votum des Auswahlgremiums vorgestellt. Rund 50 interessierte Bürger kamen dazu in die Halle in Niederwinden.

Die siebenköpfige Jury aus Bürgermeister, drei Gemeinderäten und Bauamtsleiter sowie zwei Planern der Büros Kommunale Stadterneuerung (KSG) und fsp-Stadtplanung hatte aus zehn Bewerbungen – gemäß Ratsbeschluss vom Dezember – drei Büros für Landschaftsarchitektur ausgewählt. Im Rahmen einer städtebaulichen Mehrfachbeauftragung legten die Büros Henne Korn aus Freiburg (Entwurf 1), Planstatt Senner aus Überlingen (2) und Bresch Mühlinghaus aus Bruchsal (3) im August ihre Planentwürfe vor.

Eine Woche vor der Bürgerinformation hatte die Jury ihre Wahl getroffen. Um eine unvoreingenommene Befassung nicht zu behindern, wurde sie aber erst nach Vorstellung der Entwürfe bekannt gegeben.

Das Auswahlgremium favorisierte einstimmig den Entwurf 1 des Freiburger Büros, der im Oktober auch dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt wird. Nach diesem Entwurf soll die neue Ortsmitte vor dem ehemaligen Rathaus entstehen. In der dann verkehrsberuhigten Zone soll bei gleichbleibender Straßenbreite ein bordsteinfreier Raum als zentrale Funktionsfläche geschaffen werden, der eine geschickte Binnengliederung ermöglicht und "bedarfsbezogen um zuschaltbare Flächen erweitert" werden kann. Die Abgrenzung soll durch Straßenbeläge sichtbar werden. Gehwege, die von Kirche, Halle und Bahnhof zum Zentrum führen, werden einheitlich gepflastert. Parkplätze werden aus dem Zentrum verlegt; ein neuer Weg – mit eventuellem Abriss eines Gebäudes – soll zur Parkfläche an der Halle führen. Markantes Grün entlang der jetzt baumlosen Hauptstraße soll für Aufmerksamkeit sorgen. Im Zentrum werden neue Bäume gepflanzt. Eine Grünfläche vor der Schule wird den räumlichen Abschluss der Ortsmitte bilden. Der Schulhof soll durch nur niedrige Umrandungen abgegrenzt werden. Das gegenüberliegende Stromhaus wird durch einen vollständigen Umgang ebenfalls einbezogen.

Bürgermeister Klaus Hämmerle hatte zu Beginn drei "wirklich verschiedene Entwürfe" angekündigt. Florestan Ballstedt von der KSG, der sie hintereinander vorstellte, machte dies anhand von – luftbildgestützten – Projektionen deutlich.

Der Entwurf 2 verortete die neue Dorfmitte um den Bereich Schulhof mit dessen vollständiger Öffnung zur Straße hin, im Zentrum mit einer hohen Dorflinde gegenüber vom Stromhaus und neuen Sitztreppen um den Brunnen.

Flächenmäßig die größten Umgestaltungen barg Entwurf 3 in sich. Er sah eine Unterteilung der neuen Ortsmitte in drei Zonen vor: mit diversen Pflasterungen, einem voll befahrbaren Schulhof mit minimalen Eingrenzungen und vielen Gestaltungselementen, wie geschwungenen Sitzgelegenheiten sowie Wasserspielen und Fontänen im Bereich des Narrenbrunnens. Außerdem schlug er eine Anbindung von Bäckerei und Kirchplatz mit einem weiteren Brunnen vor.

Nach einer Pause, in der die Besucher die Pläne selbst studieren konnten, erläuterte Ballstedt die Gründe, die die Jury nach acht Bewertungskriterien klar für den "Rathaus-Entwurf" votieren ließen. Positiv gesehen wurde die Aufenthaltsqualität mit kleinen Wasserspielen, Sitzgelegenheiten und Anstrahlung des Stromhauses. Auch die flexible Nutzbarkeit des Straßenraums je nach Veranstaltung überzeugte. Der Charakter des Schulhofes bleibt durch niedrige Einfassungen gewahrt. Eine erweiterte Lindenallee lässt die Charakteristik als Straßendorf bestehen.

Die beiden anderen Entwürfe sah die Jury als zu weit entfernt von den Bürgerwünschen an. Beim Entwurf 2 wurde die fehlende Abgrenzung des Schulhofs, die abtrennende Wirkung einer Rampe vor dem Kindergarten und zu wenig Gestaltung vor dem alten Rathaus moniert. Der Entwurf 3 wurde als "sehr unruhig" und überfrachtet mit Gestaltungselementen angesehen.

Den anwesenden Bürgern wurde auf Fragen bestätigt, dass es eine Zone 30, aber keine Ampeln mehr geben werde. Der Befürchtung, dass zu wenig Parkraum bleibe, und der Anregung, vor dem Kindergarten doch Quer- statt Längsparkplätze zu schaffen, wurde entgegnet, dass im Siegerentwurf die Stellplatzzahl erhalten bleibt.

Auseinander gingen die Meinungen zum Narrenbrunnen, ob er auf die Schulhofseite verlegt oder um Wasserspiele vor dem Rathaus ergänzt werden könne. Bürgermeister Hämmerle sagte abschließend, dass mit dem Entwurf 1 nun ein klares Grundmuster für die neue Ortsmitte vorliegt. Für eine behutsame Umgestaltung und Feinabstimmungen von Details bleiben aber weiter Freiräume.