Übers Wasser wird noch extra entschieden

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 25. April 2018

Winden im Elztal

Im Gemeinderat Winden: Vorstellung der Entwässerungsplanung für die Ortsumfahrung B 294 in Oberwinden / Antrag des Bundes beim Landratsamt .

WINDEN. Gut besetzte Besucherplätze gab es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Winden. Gekommen waren Anlieger an der Tunneleinfahrt Oberwinden-West der künftigen B 294. Ihr Interesse galt dem Hauptthema der Sitzung: Dem Grundwassermanagement und der Entwässerung am Tunnel. Beides ist in der Planfeststellung nicht enthalten und bedarf noch der wasserrechtlichen Genehmigung. Dazu lag dem Rat die Planung vor, die Bürgermeister Klaus Hämmerle erläuterte.

Der Entwässerungsplan wurde vom Freiburger Ingenieurbüro Fichtner-Water&Transportation im Auftrag des Regierungspräsidiums erstellt. Antragsteller ist die Straßenverwaltung des Bundes, die bei der unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Emmendingen als Genehmigungsinstanz noch das Einvernehmen einzuholen hat. Die Gemeinde Winden hatte dazu ein Anhörungsrecht, das der Gemeinderat nun wahrnahm. Einstimmig beschloss er eine Stellungnahme, in der er das laufende wasserrechtliche Verfahren zur Einleitung des Niederschlagswassers der B 294-Ortsumfahrung Oberwinden in Elz und Frohngraben sowie das Bauen im Grundwasser zustimmend zur Kenntnis nahm. Gegen die Planung erhob er keine Bedenken.

Grundlegend für das Entsorgungssystem am Westportal des Tunnels ist zunächst die Trennung der bisherigen Regenwasser-Kanalisation. Die Entwässerung des Einzugsgebiets Neudorf und Spitzenbacherstraße erfolgt künftig über die Einleitungsstelle Frohngraben am südwestlichen Ortsrand, wo auch das Regenklärbecken-West gebaut werden wird. Der Frohngraben als Gewässer zweiter Ordnung mündet bei der neuen Elzbrücke oberhalb von Niederwinden in die Elz. Die Entwässerung der unteren Hauptstraße und Luhrgasse wird dagegen über eine direkte Einleitung in die Elz erfolgen. Dazu müssen in Oberwinden noch neue, am Anschluss aufdimensionierte Regenwasserkanäle verlegt werden.

Die Abfahrt Oberwinden-West wird, soweit es die Höhenverhältnisse zulassen, an den Schmutzwasserkanal Oberwinden angeschlossen. Dabei werden anhand der Hochwassergefahrenkarte mögliche Rückstaugefahren durch die Elz berücksichtigt. Die Oberkanten der Straßeneinläufe und -schächte müssen höher liegen als die Grenzlinien des Überschwemmungsgebiets. Damit soll verhindert werden, dass bei Hochwasser durch Rückstau Wasser der Elz aus den Einläufen austritt und oberirdisch zum Straßentiefpunkt im Tunnel fließt.

Temporäre Absenkung des Grundwssers

Auf der neuen B 294 wird an der Ortseinfahrt ein Hochpunkt sein. Das von dort zum Tunnel hin laufende Straßenoberflächenwasser wird über Schlitzrinnen und Einläufe gefasst und in ein unmittelbar hinter dem Vortunnelportal angeordnetes Hebewerk-West eingeleitet. Von dort wird es zurück zu dem beim Hochpunkt beginnenden Regenwasserkanal gepumpt und so ebenfalls in Richtung Südwesten abgeleitet. Im dortigen Regenklärbecken wird es gereinigt und zum Frohngraben weitergeführt.

Im insgesamt 870 Meter langen Tunnel liegt – zum westlichen Ende hin – ein Tiefpunkt. Zu seiner Entwässerung wird von den Portalen jeweils eine Hauptleitung dorthin geführt. Die anfallenden Schleppwässer der Fahrzeuge, Havarie-flüssigkeiten, Lösch- und Waschwässer werden am Tiefpunkt – unterhalb des Rettungstreppenhauses – in einem Havariebecken mit Pumpwerk gesammelt. Über einen Anschlussschacht werden sie danach in die Schmutzwasserkanalisation der Gemeinde gepumpt.

Weitere Punkte des Genehmigungsantrags bezogen sich schon auf die Bauphase. Für den Vortunnel ist so – unter anderem – der Einbau sogenannter Dücker vorgesehen, die als Umlaufkanäle um und unter dem Trog einen Grundwasseraufstau verhindern sollen. Die Grundwasserströme – sie liegen in Oberwinden nach Planaussagen zwischen einem und 19 Meter unter der Geländeoberkante – verlaufen dort vom Neudorf in Nord-Süd-Richtung; die Dücker sind daher auch als Schutz der Grundstücke gegen Vernässung gedacht. Für den Bau des Tunnel-trogs wie des bergmännischen Tunnels sind vorab temporäre Absenkungen des Grundwasserspiegels nötig. Mittels Drainagen und einem gesonderten, geschlossenen Rohr wird das Grundwasser, so der Plan, entlang der Westseite der B 294 ebenfalls zum Frohngraben geführt. Die Röhre soll später, mit Schieber geschlossen, als Reserve erhalten werden. Der Frohngraben selbst muss noch für einen Abfluss von 1630 Kubikmeter pro Sekunde erweitert werden.

Einige Anlieger äußerten sich in der Sitzung besorgt, dass ihre Wohngebäude durch Nässe wie auch Grundwasserabsenkung beschädigt werden könnten. Der Bund hat dafür Beweissicherungsverfahren vor Baubeginn zugesagt, nicht jedoch, in welchem Umfang sie erfolgen. Bürgermeister Klaus Hämmerle ging davon aus, dass es sie im Abstand von 30 Metern zur B 294 geben werde. Er empfahl aber jedem Eigentümer, noch vor Fristablauf beim Regierungspräsidium vorstellig zu werden und Antworten auf die Bedenken einzuholen.

Gemeinderat Herbert Reich (FWV) bedauerte, dass vom Antragsteller kein Vertreter des Planungsbüros zur Vorstellung in die Sitzung geschickt wurde. Bürgermeister Hämmerle wies darauf hin, dass ein möglicher Vertreter des Regierungspräsidiums zu den technischen Details der Antragsplanung auch nicht mehr hätte sagen können.