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22. Januar 2014 17:45 Uhr

Windanlagen-Finanzierer

Windkraft-Unternehmen Prokon meldet Insolvenz an

Mehr als eine Milliarde Euro haben Anleger dem Windanlagenfinanzierer Prokon zur Verfügung gestellt. Das Versprechen: acht Prozent Zinsen. Jetzt hat das in Schieflage geratene Unternehmen Insolvenz angemeldet.

  1. Prokon hat Insolvenz angemeldet. Foto: dpa

Der in Schieflage geratene Windanlagen-Finanzierer Prokon hat Insolvenz beim Amtsgericht Itzehoe angemeldet. Das teilte die Prokon Regenerative Energien GmbH am Mittwoch in Itzehoe mit. Zehntausende Kleinanleger müssen nun um ihr Geld bangen.

Das Landgericht Itzehoe teilte mit: "Die Prokon Regenerative Energien GmbH hat heute Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen beim Amtsgericht Itzehoe gestellt. In dem Insolvenzeröffnungsverfahren hat das Amtsgericht Itzehoe am heutigen Tag um 14:00 Uhr zur Sicherung der künftigen Insolvenzmasse und zur Aufklärung des Sachverhalts verschiedene vorläufige Maßnahmen angeordnet." Rechtsanwalt Dietmar Penzlin sei zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden und es sei angeordnet, dass Verfügungen der Schuldnerin über Gegenstände ihres Vermögens nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam seien.

Gunst bei Kapitalanlegern verloren

Prokon gab sich trotz des Insolvenzantrags optimistisch. Er bedeute keineswegs das Aus für Prokon. Das Geschäftsmodell solle angepasst werden. "Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden." Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und im Dialog mit den Anlegern werde man "alles daran setzen, die Zukunftsfähigkeit von Prokon zu sichern". Penzlin war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Für den Abend stellte seine Kanzlei eine Mitteilung auf ihrer Homepage in Aussicht.

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Damit hat Prokon den Kampf um die notwendige Gunst seiner 75.000 Kapitalanleger verloren. Das Unternehmen hatte am 10. Januar auf seiner Homepage seine Anleger dazu aufgerufen, ihr Geld vorerst nicht aus der Firma zu ziehen und Kapitalkündigungen zurückzunehmen. Anderenfalls drohe eine Plan-Insolvenz.

Hohe Renditen versprochen

Kürzlich hatte Prokon mitgeteilt, dass 227 Millionen Euro von 1,4 Milliarden Euro an Genusskapital gekündigt worden seien. Um eine Insolvenz zu verhindern, hätten laut Prokon 95 Prozent des Kapitals vorerst in der Firma bleiben müssen. Rein rechnerisch wären also maximal 70 Millionen Euro Kündigungen des Genussrechtskapitals verkraftbar gewesen.

Der Windanlagen-Finanzierer Prokon hatte mit hohen Renditen bis zu 8 Prozent geworben. Prokon-Chef Carsten Rodbertus hatte bewusst auf Bankenfinanzierungen verzichtet. Stattdessen setzte er auf kurzfristig kündbare Anlagen von Kleinanlegern - sogenannte Genussrechte - , um vor allem Windkraftanlagen zu finanzieren. Prokon geriet wegen Kapitalkündigungen in eine Liquiditätsklemme. Prokon beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter, davon rund 330 am Firmensitz in Itzehoe.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte wegen des umstrittenen Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt, die aber am Mittwoch vom Landgericht Itzehoe verworfen wurde. Die Verbraucherschüt
Genussscheine

Die von Prokon ausgegebenen Genussscheine sind Wertpapiere, die eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen haben. Unternehmen kommen an Kapital, der Käufer der Genussrechte erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt. Im Gegensatz zum Aktienbesitzer hat der Inhaber von Genussscheinen kein Mitspracherecht bei der Firma. Geht sie pleite und wird abgewickelt, werden Genussscheine erst nach den anderen Forderungen bedient. Es besteht also die Gefahr des Totalverlusts. Genussscheine sind risikoreicher als andere Wertpapiere, die Zinssätze deshalb gemeinhin höher.

Autor: dpa