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01. August 2012 12:00 Uhr

BZ fragt nach

Windräder sind kein Schreckgespenst

Windräder zur Erzeugung von Öko-Strom auf dem Tuniberg? Das schreckt die Opfinger nicht. Nur jeder siebte Einwohner gibt in der BZ-Umfrage an, er sei strikt gegen Windräder in seinem Umfeld.

  1. Bei der Gesamtnote für das Leben im Quartier erreichte der Tunibergstadtteil übrigens eine Top-Platzierung: 1,68 bedeutet Rang 4 unter den bisherigen 21 Befragungsaktionen. Foto: Ingo Schneider

Die gerade aufkommende Debatte, ob nicht auch auf dem Tuniberg Windräder zur Erzeugung von Öko-Strom installiert werden könnten, schreckt die Opfinger nicht. Bei der Telefonumfrage "BZ fragt nach" gab nur jeder Siebte an, er sei strikt gegen Windräder in seinem Umfeld. Gut 80 Prozent der 112 Teilnehmer sagten hingegen, sie könnten sich mindestens ein Windrad auf Opfinger Gemarkung vorstellen. Bei der Gesamtnote für das Leben im Quartier erreichte der Tunibergstadtteil übrigens eine Top-Platzierung: 1,68 bedeutet Rang 4 unter den bisherigen 21 Befragungsaktionen.

Windräder

Windkraftrotoren auf dem Tuniberg? Bislang galt das als undenkbar. Als "Vorranggebiet", auf dem so etwas möglich ist, hatte der bislang zuständige Regionalverband (ein Zusammenschluss von Kommunen) auf Freiburger Stadtgebiet nur die drei Windräder am Roßkopf nahe Gundelfingen ausgewiesen. Zudem genießen die beiden Alt-Rotoren an der Holzschlägermatte unterhalb des Schauinsland-Gipfels Bestandsschutz. Um solche echten Höhenlagen ging es zumeist auch, wenn über zusätzliche Standorte geredet wurde. Der Tuniberg, der sich nur rund 130 Meter über die Oberrheinische Tiefebene erhebt, lag nicht im Fokus. Das hat sich geändert, seit die neue grün-rote Landesregierung die Prioritäten verschoben hat: Mit dem neuen Landesplanungsgesetz, das Anfang 2013 in Kraft tritt, kann jede Gemeinde selbst entscheiden, wo Windkraft erlaubt sein soll. Die Stadt Freiburg setzt nun bei der Standortsuche alles auf Anfang und prüft jede Fläche neu – auch am Tuniberg, wo der Wind gerade mal so kräftig genug bläst, dass sich die neuartigen, rund 140 Meter hohen Windräder rentieren könnten. Wie das in etwa aussehen könnte, zeigt – nicht maßstabsgetreu – die Montage in der Grafik rechts (Fotos: Ingo Schneider, Montage: Verona Zehelein). Die Opfinger stehen der Idee jedenfalls aufgeschlossen gegenüber: 42 Prozent der Befragten sagten, sie könnten sich ein einzelnes Windrad an einem sorgfältig ausgewählten Standort vorstellen, noch einmal fast genau so viele meinen, es könnten ruhig auch ein paar mehr sein. Ein klares Nein kommt nur von 14,3 Prozent. In dieser Deutlichkeit hat das Ergebnis Ortsvorsteher Hans-Jürgen Stadelhofer überrascht, in der Tendenz nicht: "Nachdem wir uns bei der ersten Besprechung im Ortschaftsrat ergebnisoffen zum Thema geäußert haben, hat mich keine einzige kritische Rückmeldung erreicht. Als es vor vielen Jahren mal um eine mögliche Mülldeponie am Tuniberg ging, war gleich das halbe Dorf in Aufruhr." Die BZ-Telefonumfrage unter zufällig ausgewählten Befragten ist zwar nicht repräsentativ, da etwa Frauen stärker vertreten waren als ihr Anteil in der Opfinger Bevölkerung und Unter-30-Jährige zu selten. Die prinzipielle Offenheit gegenüber Windrädern vor der Haustür gab es aber in jeder Auswertungskategorie. Die höchste Ablehnungsquote von Rotoren gab es bei Männern (22,5 Prozent) und bei 46- bis 60-Jährigen (21,4 Prozent). Die Stadtverwaltung betont, dass die neuerliche Standortsuche noch ganz am Anfang stehe, dass auf jeden Fall 700 Meter Abstand von Wohnbebauung eingehalten und Naturschutzaspekte beachtet würden und dass vor einem eventuellen Gemeinderatsbeschluss Öffentlichkeit und Ortschaftsräte einbezogen würden.

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Strukturwandel

Opfingen war schon in vergangenen Jahrzehnten Neuem gegenüber aufgeschlossen. So fand in den 1960er Jahren eine umfassende Dorfsanierung statt, die dazu führte, dass viele Bauernhöfe aussiedelten und im Ortskern Neubauten entstanden. Dort ist seitdem der Fachwerkfaktor weitaus geringer als in den Nachbarorten. Die Meinungen darüber, ob das der richtige Weg war, gehen heute auseinander. Jeweils knapp 40 Prozent der Befragten finden entweder, es sei richtig gewesen, weil so Opfingen zu einer modernen Wohngemeinde werden konnte, oder dass man behutsamer hätte vorgehen und mehr historische Bausubstanz erhalten sollen. Der Rest hat dazu keine Meinung.

Bürgerverein

Seit 2007 gibt es in Opfingen einen Bürgerverein (mit derzeit 35 Mitgliedern). Im Vorfeld der Gründung hatte es unter anderem Unzufriedenheit damit gegeben, wie der gewählte Ortschaftsrat mit dem Thema möglicher Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk umgegangen war. Später hieß es, man verstehe sich keineswegs als Konkurrenz. In keinem der anderen 25 Freiburger Stadtteile existieren sowohl Bürgerverein als auch Ortschaftsrat. Die anfängliche Befürchtung, die beiden Institutionen könnten sich gegenseitig schwächen, hat sich nach dem Eindruck der allermeisten Opfinger aber nicht bestätigt: Rund drei Viertel der Befragten stimmen der Aussage zu: "Je mehr Möglichkeiten es gibt, etwas zu bewegen in Opfingen, desto besser." 14,3 Prozent hingegen fürchten, dass die Gremien sich blockieren oder Arbeit doppelt machen.

Lob und Kritik

Die Durchschnittsnote, mit der die Opfinger bewerten, wie wohl sie sich im Stadtteil fühlen, ist eine beachtliche 1,68. Bei den nach einer vorgegebenen Liste erfragten größten Stadtteil-Problemen rangiert die Verkehrssituation auf Platz eins (bei Männern und Frauen) vor fehlenden Einkaufsmöglichkeiten (vor allem für Frauen ein Thema) und – gleichauf auf Platz drei – fehlenden Freizeitmöglichkeiten (vor allem von Männern genannt) sowie als zu hoch empfundenen Mieten.

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Autor: Thomas Jäger


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