Skispringen

Ein Trio weckt Hoffnungen für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 31. Dezember 2018 um 16:59 Uhr

Wintersport

Die deutschen Skispringer präsentieren sich stark in der Qualifikation zum Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen. Markus Eisenbichler wird Vierter, Karl Geiger Sechster, Stephan Leyhe aus Breitnau Achter.

Grauer Himmel, Dauerregen, mal Schauer, mal Niesel und gelegentlich ein paar schüchterne Schneeflocken: Das Wetter in Garmisch-Partenkirchen war am letzten Tag des Jahres 2018 nicht unbedingt geeignet, die Vorfreude auf das Neujahrsspringen im Olympiastadion zu steigern. Nur einige tausend Zuschauer hatten den widrigen Verhältnissen getrotzt und sich tapfer in den Auslauf begeben, um der Qualifikation zum zweiten Wettbewerb der 67. Vierschanzentournee beizuwohnen.

10000 Zuschauer nannten die Veranstalter offiziell, aber das schien eine sehr optimistische Schätzung zu sein. Zwei Tage zuvor, am Oberstdorfer Schattenberg, war das noch ganz anders gewesen. Bei zugegeben grimmigen Minusgraden waren es nicht weniger als 15500 tatsächlich gezählte, enthusiastische Skisprung-Fans, die begeistert die von einem Sponsor reichlich verteilten schwarz-rot-goldenen Flaggen schwenkten. 15500 Menschen: Nie zuvor hatten sich so viele Fans die Qualifikation zu einem Wettkampf der Skispringer angesehen. Das berichtete zumindest der Ski-Club Oberstdorf und sprach von einem neuen Weltrekord.

Markus Eisenbichler belegt in der Qualifikation Platz vier

In Garmisch-Partenkirchen war man von derlei Rekorden am Montag weit entfernt. Immerhin tröpfelte es nur noch, als die weltbesten Skispringer aus 17 Nationen Anlauf nahmen für das prestigeträchtige Neujahrs-Event. Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf, nach seinem zweiten Platz in Oberstdorf am Sonntag die größte deutsche Tournee-Hoffnung, schaffte es nach einem Sprung auf 135,5 Meter auf Rang vier. Nur der Pole Dawid Kubacki, der Tournee-Führende und Weltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi aus Japan sowie Vorjahressieger Kamil Stoch aus Polen hatten es noch besser gemacht am Montagnachmittag am Fuß der Zugspitze.


"Die ausgewaschene Spur hat mich ein bisschen überrascht." Markus Eisenbichler
Eisenbichler berichtete der Badischen Zeitung, dass es nicht ganz leicht gewesen sei, den Anlauf angesichts des Dauerregens zu meistern. "Die ausgewaschene Spur hat mich ein bisschen überrascht", sagte er. Winzige 0,4 Punkte Rückstand hat der 27-Jährige in der Gesamtwertung auf Überflieger Kobayashi, das sind umgerechnet nur 22 Zentimeter - ein Wimpernschlag in diesem Sport. "Die erste Tournee-Station ist für mich ganz gut gelaufen und auch hier bin ich gut reingekommen", erklärte Eisenbichler. "Ich sehe das jetzt von Schanze zu Schanze."

Karl Geiger sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung". Der Überraschungs-Gewinner des Weltcups vor zwei Wochen im schweizerischen Engelberg aus Oberstdorf brachte es auf in der Qualifikation auf 133,5 Meter und damit auf Platz sechs. "Die zwei Sprünge heute haben extrem Spaß gemacht", sagte Geiger, relativierte das Ergebnis aber sogleich. "Morgen ist ein neues Jahr, da ist alles schon wieder komplett anders", flachste der 25-Jährige.

Stephan Leyhe und David Siegel mit Qualifikationssprüngen zufrieden

Stephan Leyhe, der beste Schwarzwälder im Team von Bundestrainer Werner Schuster, schaffte es mit 131 Metern und Rang acht wie so oft in dieser Saison in die Top Ten. Zum Tournee-Start in Oberstdorf hatte sich der Breitnauer mit Rang 13 ein wenig unter Wert verkauft. Gefragt, was sich in Garmisch denn verbessern müsse, antwortete er unmittelbar nach dem Wettkampf mit trockenem Humor: "die Weite." An diesem Ziel hatte sich auch tags darauf an der Olympiaschanze nichts geändert. "Platz acht ist definitiv gut für mich", sagte Leyhe der BZ. "In Oberstdorf waren die Sprünge vom Körperverlauf her ebenfalls gut, aber es hat so ein bisschen der Druck gefehlt. Das sind die zwei, drei Meter, die mir am Ende gefehlt haben." Die Schanze in Garmisch liege ihm, ergänzte Leyhe: "Keine Ahnung, warum. Aber ich mag sie."

David Siegel, der zweite Schwarzwälder aus Titisee-Neustadt, ist seinem großen Ziel, erstmals in seinem Leben auch eine komplette Tournee bestreiten zu dürfen, am Montag einen großen Schritt näher gekommen. Er sprang mit 131,5 Metern auf Platz 15 und behauptete sich damit unter den besten vier deutschen Springern. Am letzten Tag des Jahres schien nicht ganz sicher, ob Bundestrainer Schuster für den zweiten Teil der Tournee in Österreich sechs oder sieben deutsche Springer nominieren darf. Die Experten diskutierten, und der Deutsche Ski-Verband versprach Aufklärung an diesem Dienstag. Der siebte Platz, auch Quotenplatz genannt, dürfte dem deutschen Team Stand jetzt aber auch in Innsbruck und Bischofshofen sicher sein - was Siegels Chancen, auch im Land der Austria-Adler springen zu dürfen, definitiv noch einmal erhöhen würde.

Auch Richard Freitag und Andreas Wellinger qualifizieren sich

"Ich spüre einen leichten Muskelkater in den Beinen", berichtete Siegel der BZ. "Es ist mir ein Rätsel, wo der herkommt." Vielleicht habe er auch mit der Anspannung zu tun, so der 22-Jährige. "Aber es ist alles in Ordnung." Mit Platz 17 in Oberstdorf zum Tourneestart sei er "echt zufrieden" gewesen. Garmisch sei immer etwas Besonderes für ihn, hier habe er seine ersten Weltcup-Punkte geholt. Richard Freitag folgte als fünftbester Deutscher in der Qualifikation mit Rang 19. Und auch Andreas Wellinger, Olympiasieger von der Normalschanze im südkoreanischen Pyeongchang, qualifizierte sich mit 127 Metern und Platz 29 sicher. Nachdem Wellinger in Oberstdorf das Finale der besten 30 verpasst hatte und damit auch keine Chancen mehr auf eine vordere Platzierung bei der Tournee hat, kann er an diesem Dienstag frei aufspringen. Der zweite Wettkampf der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen beginnt um 14 Uhr (ARD und Eurosport).

Zuvor gab es noch den Sprung ins neue Jahr. Die Silvesternacht ist für die Skispringer aber traditionell keine große Sache. "Ein mehrgängiges Silvestermenü" (Karl Geiger) war für den Abend im Hotel der Deutschen geplant, und spätestens kurz nach Mitternacht wollten alle dann schnell ins Bett gehen. Die Tournee kostet viel Kraft, zumal es diesmal zwischen Oberstdorf und Garmisch keinen Ruhetag gab. Die Offiziellen des Deutschen Ski-Verbands wollten in einem Zelt an der Schanze feiern, und die Norweger - Geheimtipp für eine exklusive Party - mit einem eigenen, großen Feuerwerk vor ihrem Hotel pünktlich zum Jahreswechsel den Nachthimmel über Garmisch illuminieren.

Mehr zum Thema: