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29. März 2012

Wo Männer wie wild wischen

In Basel beginnt am Samstag die Curling-WM – dafür musste eine 1500 Quadratmeter große Eisfläche hergestellt werden.

Das Eis muss perfekt sein. Auf tausendstel Millimeter kommt es an. Sie entscheiden beim Curling darüber, wie ein Stein übers Eis rutscht, ob er auf der Kurve bleibt, die der Spieler ihm vorgeben hat. In der Basler St. Jakobshalle entscheiden diese tausendstel Millimeter in der kommenden Woche auch darüber, wer Weltmeister wird. Denn von Samstag, 31. März, an werden dort die Titelkämpfe der Männer ausgetragen. Das Finale ist am Ostersonntag.

Noch nie sei in der St. Jakobshalle so viel Aufwand betrieben worden, um einen Untergrund für eine Sportveranstaltung zu bauen wie in dieser Woche, sagt Conrad Engler, Mitglied des Organisationskomitees der WM und Pressesprecher. Dabei werden dort viele Wettkämpfe ausgetragen: die Swiss Indoors im Tennis etwa, das CSI im Springreiten und die Swiss Open im Badminton. Doch eine Eisfläche auf 1500 Quadratmetern, die dazu auch noch völlig eben sein muss, das gab es dort noch nie. Seit vergangenen Samstag sind Eismeister Hans Wüthrich und 30 Helfer rund um die Uhr damit beschäftigt, die Spielfläche zu bauen. Zunächst wurde Folie ausgelegt, darauf kamen Isolierplatten, noch mehr Folie und Matten aus Kühlschlangen. Alles musste haargenau passen und perfekt liegen. Durch die Kühlschlangen fließt seither minus sieben Grad kalte Kühlflüssigkeit. Draußen vor der Halle sind die Rohre, die die Flüssigkeit von acht Eismaschinen ins Innere leiten, schon mit Eis überzogen. Daran können auch frühlingshafte 20 Grad Außentemperatur nichts ändern.

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Mehr als 20 Schichten Eis wurden bis Montagabend aufgetragen, am Dienstag wurde die Fläche mit weißer Farbe grundiert, in vier Spielfelder aufgeteilt und mit Linien und Kreisen bemalt. Darüber mussten nochmal drei Eisschichten gelegt werden, bis an diesem Donnerstag der Eismeister selbst die Fläche testen kann.

2006 wurde in Basel die Curling-EM ausgetragen, damals spielten die Teams in der Eishockeyhalle. Für die WM sei die zu klein, erklärt Engler. Deshalb habe man sich für die aufwändige Installation in der St. Jakobshalle entschieden. 20 000 Zuschauer kamen vor sechs Jahren – für eine Curlingveranstaltung in Europa war das Rekord. Zur WM erwartet Engler an acht Spieltagen insgesamt bis zu 50 000 Zuschauer, in der Halle wurden eine VIP-Tribüne und eine für TV-Kameras errichtet. In Deutschland ist die WM beim Sender Eurosport zu sehen. Weltweit rechnet Engler mit 35 Millionen Fernsehzuschauern, "wenn China gut ist, könnten es bis zu 100 Millionen werden."

Die Basler sind stolz, dass sie den Zuschlag für die WM bekommen haben. Gegen den Konkurrenten Karlsbad in Schweden habe man sich wegen der Lage in der Mitte Europas und der guten Infrastruktur durchgesetzt, sagt Engler. Aber nicht nur. Ein Argument im Curling seien auch die Getränkepreise. "Ob ein Whiskey wie bei uns neun Schweizer Franken (7,50 Euro) kostet, oder in Schweden das Vierfache, das macht für schottische Gäste schon einen Unterschied." Curling gilt schließlich als Gentleman-Sport, bei dem es dazugehört, dass der Gewinner dem Verlierer eine Runde ausgibt.

Den Anstoß für die Entwicklung des Curlingsports in der Schweiz gab die WM 1974 in Bern – die erste in der Schweiz. Bis heute gilt das Turnier als legendär, weil das Schweizer Team Attinger die Round Robin, in der jeder gegen jeden spielt, ohne Niederlage überstanden hatte und direkt ins Halbfinale einzog. Doch dann, im Duell mit den USA, misslang ausgerechnet der so wichtige letzte Stein. Bronze statt Gold. Dennoch habe diese WM den Aufschwung des Curlings angetrieben, sagt Engler, der damals als 18-Jähriger als Schiedsrichter dabei war. "Heute können wir die Früchte ernten."

Vorgelegt haben bereits die Schweizer Frauen um Mirjam Ott aus Bern, die bei der WM in Kanada am Sonntag überraschend Gold gewannen. In Basel sind nun die Männer vom Grasshopper Club Zürich am Besen. Für Deutschland tritt das Team von John Jahr vom Curling Club Hamburg an. Die Turniere werden getrennt ausgetragen, weil Männer gerade beim Wischen durchaus körperliche Vorteile hätten, erklärt Engler. Er fügt lächelnd hinzu, dass nicht alle diese auch im Haushalt einsetzen würden.

Mehr Informationen und Tickets unter http://www.wmcc2012.ch Fotos von den Aufbauarbeiten unter http://mehr.bz/eis-basel

Autor: Laetitia Obergföll