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30. Januar 2009

Winzerin auf der Walz

Daria Schöpe hat als wandernde Weinbauexpertin für drei Wochen in Munzingen Station gemacht.

  1. Die Schweizer Winzergesellin Daria Schöpe ist seit Mai 2007 auf Wanderschaft. Drei Wochen lang arbeitete sie im Munzinger Weingut Clemens Lang. Heute reist sie weiter. Foto: Silvia Faller

MUNZINGEN. Clemens und Karola Lang haben nicht schlecht gestaunt, als Daria Schöpe (39) am 9. Januar bei ihnen vorgesprochen hat. Ob sie in ihrem Weingut Arbeit für sie hätten. "Dass es auch Winzerinnen und Winzer gibt, die wie andere Handwerksgesellen auf Wanderschaft gehen, habe ich zuvor noch nie gehört", sagt Clemens Lang. Klar könne er Hilfe brauchen, war seine Antwort, und zwar beim Rebenschneiden. Das hat die Winzergesellin aus der Schweiz in den vergangenen drei Wochen dann auch gemacht.

Nach Neujahr war Daria Schöpe von ihrer letzten Station im Dörfchen Berfelden im Odenwald nach Freiburg gekommen – mit der klaren Absicht: "Jetzt will ich Reben schneiden." Den Breisgau hat sie angesteuert, weil ihr diese Ecke von Deutschland noch unbekannt war. Ihre erste Station ist das Staatliche Weinbauinstitut in Freiburg gewesen, um Adressen von Betrieben zu bekommen. Von Freiburg aus wanderte sie dann nach Tiengen, fand dort jedoch keine Beschäftigung. Weil es an jenem Freitag schon Nacht war, hat sich der Winzer, bei dem sie vorgesprochen hatte, aber ihrer angenommen, bei Clemens Lang angerufen und sie dann auch mit dem Auto nach Munzingen gebracht. Im Weingut Lang hat Daria Schöpe dann "ein Paradies vorgefunden", wie sie sagt: nette Leute, ein schönes Zimmer und jede Menge Arbeit im Weinberg. Kost und Logis sind Teil der Entlohnung. Das Rebenschneiden ist immer der Auftakt für einen neuen Jahrgang. Die Winzer sind herausgefordert, an der Rebe die Rute auszusuchen, von der sie sich einen guten Ertrag und auch eine gute Weiterentwicklung des Rebstocks versprechen. Was so schön daran sein soll, in der Kälte draußen zu arbeiten, mögen Außenstehende nicht begreifen.

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Eigentlich ist Daria Schöpe schon seit vielen Jahren immer auf Achse

Daria Schöpe aber hat sich mit dem Winzerberuf einen Traum erfüllt, allerdings erst 1999 im Alter von 29 Jahren – nach einer kaufmännischen Ausbildung, unterschiedlichen Beschäftigungen in der Schweiz, in Großbritannien und in Australien. Nach ihrer Rückkehr aus Übersee spürte sie: "Jetzt ist Zeit, ich muss etwas ändern und will endlich Winzerin werden." Der Einstieg in den Beruf war ein Praktikum in einem Weingut in Hallau in der Ostschweiz. Dort absolvierte sie auch das erste Lehrjahr, weitere Stationen ihrer Ausbildung und späteren Berufstätigkeit waren Spirz im Berner Oberland und Vist im Wallis.

Sie war also auch in ihrer Lehrzeit viel unterwegs. Immer wieder fortzugehen, sich auf neue Orte und Menschen einzulassen, sei der Grundton ihres Lebens. Schon als Kind habe sie ihn gespürt. Die Kindheit als eins von drei Geschwistern in einem Dorf am Zürich See war glücklich. Ihre Eltern seien gute Vorbilder gewesen, stets hätten sie ihr das Gefühl gelassen, sie selbst sein zu dürfen.

Traurig waren die Eltern allerdings, als Daria sich verabschiedet hat. Seit dem Beginn ihrer Wanderschaft vor 21 Monaten hat sie ihre Familie auch nicht mehr gesehen. Denn Wandergesellen und -gesellinnen dürfen den sogenannten Bannkreis in einem Radius von 50 Kilometer um ihren Wohnort herum vor Ablauf der dreijährigen Wanderzeit nicht betreten. Unterwegs ist sie zu Fuß oder per Anhalter. Die Eisenbahn oder Busse zu nutzen verbietet der Ehrenkodex ebenfalls. Bei ihren Reiseetappen trägt die Winzerin auf der Walz eine dunkelgrüne Kluft und einen schwarzen Hut, bei der Arbeit eine braune Arbeitskluft über der blauen Winzerstaude – gemeint ist die Bluse. Sie hat schon fast alle deutschen Anbaugebiete kennengelernt. Heute verlässt sie Munzingen wieder, um in der Schweiz eine andere Wandergesellin zu treffen. Clemens Lang hätte sie gerne noch zwei Wochen länger beschäftigt. "Daria hat uns sehr entlastet", sagt er.

Autor: Silvia Faller