Wassersport

Wir sind beim Rudertraining auf dem Titisee mitgefahren

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Di, 17. Juli 2018 um 14:54 Uhr

Titisee-Neustadt

Rudern ist ein Lebensgefühl – und auf dem Titisee ist es erst recht etwas Besonderes. Das wissen die Mitglieder des örtlichen Ruderclubs. Wir waren bei der jährlichen Mannschaftsregatta dabei.

Der örtliche Ruderclub hatte zur alljährlichen Mannschaftsregatta eingeladen. Doch nur eine Mannschaft nahm die geforderten 56 Kilometer in Angriff. "Eine Regatta ist das nicht", sagte Organisator Matthias Mohr, "sagen wir einfach, wir haben uns im Doppelvierer mit Steuermann einer Leistungsprüfung mit Übersoll unterzogen." Genau – die Ruderkollegen Armin Laubender, Susanne Ketterer, Ulrike Hirt und Friedhild Saier lachen herzlich.

Zur Regatta braucht es Gegner – mindestens ein Boot oder besser drei weitere Mannschaftsboote. Das sollte dieses Jahr nicht sein. Vielleicht lag das am Samstagstermin, die vergangenen Jahre fand die Langstreckenregatta immer freitags statt.

Übersoll heißt, die Ruderer haben 70 anstatt der 56 Kilometer zurückgelegt. Eine Seerunde ist vier Kilometer lang. Pro Sportler vier Kilometer, das ergibt je Runde 20 Kilometer. Dreieinhalb Runden haben sie zurückgelegt plus eine Viertelrunde zusätzlich für die Presse. Jetzt sitzen sie verschwitzt und glücklich im Vierer auf Höhe des Wasserspiegels am Steg des Ruderclubs (RC) neben der Badestelle. Ein paar Minuten zuvor gaben die drei Frauen und zwei Männer in ihrem hölzernen Sportruderboot ein höchst elegantes Bild auf dem dunklen Seewasser ab – sie sind regelrecht über die Wasserfläche geflogen. Synchron schwangen die Skulls (Ruder), tauchten die Blätter miteinander ein, zogen kräftig durchs Wasser und kamen gemeinsam wieder heraus. Schlag auf Schlag.

Zu viel Schwung ist gefährlich – beim Einsteigen

Jetzt soll der Gast von der BZ im Boot Platz nehmen und den Steuermann geben. Wie jetzt? Runter in den wie eine wacklige Nussschale wirkenden Vierer klettern? Keine einfache Aufgabe. Zu viel Schwung ist gefährlich, der könnte die Balance des Boots und seiner Insassen mit schwerwiegenden Folgen stören. Armin Laubender, der an Position vier, direkt gegenüber des Steuermannsitzes im Heck sitzt, gibt wertvolle Tipps: Nach unten beugen, mit den Händen auf Höhe des Fußbrettes den Bootsrand festhalten und langsam einen Fuß nach dem andern, das eigene Gewicht ausbalancierend, ins tief im Wasser liegenden Boot setzen. Dann den Schwerpunkt erst nach vorne verlagern, den Popo einschwenken und sanft auf den Sitz platzieren. Geschafft! Alle sind trocken geblieben. "Das war gut", lobt Laubender.

Hinter ihm sitzt Ulrike Hirt, dahinter hat Friedhild Saier das Ruder in der Hand und ein Sitz weiter hat Matthias Mohr im Bug Platz genommen. Der Steuermann muss das Ruderseil in die Hände nehmen, denn damit wird das etwa 13 Meter lange Boot gesteuert. Susanne Ketterer hilft, das Boot vom Steg abzustoßen. Als es freiliegt, werden die Blätter waagrecht auf die Seeoberfläche gelegt. Laubener gibt die Kommandos. Diese sind in ganz Deutschland einheitlich. So kann auch ein Schwarzwälder in einen Vierer auf der Alster steigen und mitrudern.

Fischer, Schwimmer und Brachsenkraut im Blick

Es wird ein Stück in den See hinein gerudert, um das Brachsenkraut nicht zu beschädigen. Dann heißt es Stopp: Es folgt ein Wendemanöver über Backbord. Danach nimmt das Boot Fahrt Richtung Seebach auf. Dem Steuerseil gehorcht das Boot sofort. Zieht man leicht nach links, schwingt der Bug nach links. Ein wenig Korrektur der Fahrtrichtung muss sein, denn sonst landet das Boot am Ufer. Die Ruderer sitzen ja mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Das Ufer gleitet vorbei, die Sonne wärmt angenehm, während die Ruder synchron schwingen. Dann heißt es erneut Stopp und es wird gewendet.

Jetzt heißt es für den Steuermann aufgepasst: Auf Höhe der Badestelle sind Schwimmer zu sehen und zwei Stehpaddler kommen dem Vierer entgegen. Der erste weicht aus, der zweite hält weiter seinen Kurs, bis er dann doch einsieht, dass er auf die Seite muss. Weit rechts ist etwas Dunkles zu entdecken: ein Fischerboot. "Auf die müssen wir immer besonders aufpassen", sagt Matthias Mohr. Wenn die Fischer ihren Platz erreicht und ihre Angel ausgeworfen haben, dann versinken sie in Träumen. Ein waches Auge erfordern auch die Schmalzgondeln genannten Tret- und Ruderboote sowie die Schwimmer. Ohne Steuermann müssen sich die Ruderer da immer mit einem Blick nach hinten der freien Bahn vergewissern.

Viel zu schnell ist der Steg wieder erreicht und die Ruderfahrt zu Ende. Das Aussteigen ist erneut ein Balanceakt. Doch auch das gelingt. Alle Sportler sind draußen, die Ruder werden versorgt, das Boot aus dem Wasser gehoben, abgetrocknet und im Bootshaus verstaut.



Morgens ganz früh sei es einfach toll, erklärt Mohr, "da bin ich regelmäßig rudern". Auch abends sei es herrlich, durch die Seekulisse zu gleiten, ergänzen die Frauen. Rudern auf dem Titisee sei Entspannung pur, ein Ganzkörper- und Kreislauftraining sowie Ausgleich in einem. Und nach dem Training wird noch im See geschwommen.
Der Verein

75 Mitglieder hat der RC derzeit, davon 25 aktive Ruderer. Neue Mitglieder sind willkommen. Jeder kann dazu kommen und wird fachgerecht angeleitet, denn Rudern braucht Balance und Koordination. Rudern ist ein Sport für alle Generationen, einzeln oder im Zweier, Dreier oder Vierer miteinander. Training ist Mittwoch und Freitag ab 18 Uhr und sonntags ab 9 Uhr.