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20. Juli 2012

Basel Tattoo

"Wir sind eine große Familie"

Dass das Basel Tattoo so professionell daherkommt, hat das Militärfestival Ehrenamtlichen zu verdanken. Ohne die mehr als 500 freiwilligen Helfer wäre es organisatorisch nicht zu stemmen.

  1. Susanne und Rebecca Dutt (von links) aus Efringen-Kirchen weisen Tattoo-Besuchern den Weg zu einem der 7838 Sitzplätze in der Arena auf dem Kasernenareal. Foto: Daniel Gramespacher

  2. Felix Kessler aus Rheinfelden-Herten fühlt sich wohl am Zapfhahn der Cast Bar. Foto: privat

BASEL. Dass das Basel Tattoo so professionell daherkommt, hat das Militärfestival, dessen siebte Ausgabe am Samstagabend endet, zu einem guten Teil Ehrenamtlichen zu verdanken. "Ohne die mehr als 500 freiwilligen Helfer würde das Tattoo nicht funktionieren", sagt denn auch der neue Chef des Staff und ehemalige Leiter des Basler Grenzwachtkorps, Markus Hubeli.

Felix Kessler steht hinter dem Tresen und zapft Bier um Bier. "Die Nachtschichten in der Cast Bar sind genau das, was ich gerne mache", sagt der 48-jährige Novartis-Manager aus Rheinfelden-Herten. Die Atmosphäre in dem umfunktionierten Theatersaal auf dem Kasernenareal, zu dem nur die rund 1000 Mitwirkenden des Tattoo und die Helfer Zutritt haben, sei einmalig. Jeden Abend treten andere Militärmusiker, die bei der Show stramm marschieren, spontan in Bands auf und unterhalten Kollegen und Helfer.

Die Soldaten aus aller Welt schätzten es sehr, in Basel zuvorkommend behandelt zu werden; andernorts sei das bisweilen anders, erzählt Kesser, der aus der Erfahrung von 2011 weiß, dass er am Sonntag sehr müde sein wird. Er kam über die Basler Fasnacht zum Tattoo – und ist damit kein Einzelfall. "Oft treffen sich hier Bande aus der Fasnacht wieder", weiß Hubeli. Das enorme Engagement der Helfer in Basel erklärt der Helferchef denn auch mit der Fasnachtstradition in der Stadt am Rheinknie. "Auch dort geben die Leute unglaublich viel von sich."

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Rebecca Dutt aus Efringen-Kirchen kam im Schlepptau ihrer Mutter Susanne Dutt (52), die wiederum für eine Bekannte eingesprungen ist, zum Basel Tattoo. Die Krankenschwester ist als Platzanweiserin im Einsatz – bis auf zwei Tage jeden Tag beim Tattoo 2012. "Das Team ist fantastisch, und die Stimmung der Show reißt einen auch als Helfer mit", erklärt die 29-Jährige, die gar nicht wusste, was ein Tattoo ist, als sie sich entschloss, als Helferin hinter die Kulissen der internationalen Großveranstaltung mit Show, Musik und Tanz zu blicken, zu der dieses Jahr 120 000 Besucher kommen. Mittlerweile ist Rebecca Dutt zum fünften Mal dabei. "Es bleibt interessant, weil es immer Unterschiede im Showprogramm gibt." Und weil es ihr Spaß macht, mit Menschen in Kontakt zu kommen, verzichtet sie gerne auf eine Bezahlung.

Mit wie viel Herzblut die Helfermannschaft, zu der auch ein eigenes Kochteam gehört, das 36 000 Mahlzeiten ausliefert, bei der Sache ist, veranschaulicht Hubeli an einem Beispiel: Als einer Helfer aus dem Fahrdienst angewiesen wurde, Stuart D. Samson, einen Star in der Dudelsackszene abzuholen, zog er sich selbst einen Schottenrock an. Mit die weiteste Anreise unter den 526 Helfern, davon 48 Neulingen, dürfte Dieter Egenlauf gehabt haben. Der 58-jährige Büroangestellte im Vorruhestand kommt aus Zuzenhausen in der Nähe von Heidelberg zum dritten Mal nach Basel. Eigentlich wollte der Schottland- und Dudelsackmusik-Fan sechs Tage im internen Sicherheitsdienst mittun, der schaut, dass das Publikum die Wege für Künstler und Techniker frei lässt. Berufsbedingt – Egenlauf arbeitet nebenbei im Veranstaltungsmanagement – musste er auf drei Tage verkürzen. Die Chance, wieder mit Musikern aus der ganzen Welt ins Gespräch zu kommen, wollte er sichaber nicht entgehen lassen. Das ist für ihn so wertvoll, dass er leichten Herzens auf eine Bezahlung verzichtet.

Und aus der Erfahrung vieler anderer Festivals sagt Egenlauf: "Das Basel Tattoo ist etwas ganz Besonderes; ob Platzanweiser oder Produktionsleiter – alle gehören zur großen Familie." Den 19. Juli 2013 hat er wie Felix Kessler und Rebecca Dutt bereits vorgemerkt. Denn wenn das achte Basel Tattoo Premiere hat, wollen alle drei wieder Teil dieser Familie sein.

Autor: Daniel Gramespacher


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