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26. Juni 2012
Internationale Bauausstellung Basel 2020
"Wir sind keine Zertifizierungsstelle"
Die Internationale Bauausstellung Basel 2020 setzt immer klarer auf Projekte, die einen grenzüberschreitenden Mehrwert stiften.
BASEL. Zwei Projekte hochgestuft in den Status vornominiert, drei aussortiert, alle anderen weiter im Rennen. Das ist die faktische Bilanz des Hearings zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Basel 2020 vergangene Woche. Zwar seien viele Projekte auf "gutem Weg," müssten aber den Fokus noch schärfen und die Bezüge in die Nachbarländer stärken, teilt diese mit. Im Herbst trifft sich das begleitende Kuratorium erneut und dann geht’s für einige Projekte dieser ersten trinationalen IBA um alles oder nichts. Erste Nominierungen strebt Geschäftsführer Martin Jann für Sommer 2013 an.
Gut 50 Projekte bewerben sich derzeit um das IBA-Label; 35 davon, darunter mehr als zehn aus dem Kreis Lörrach (Info), hatten vergangene Woche Gelegenheit, sich dem Kuratorium zu präsentieren. Die nächste Stufe im dreistufigen Nominierungsverfahren, den Schritt vom Kandidaten zum Vornominierten, billigte der politische Lenkungsausschuss anschließend indes nur zwei Vorhaben zu: Das ist zum einen der auf dem Areal der ehemaligen DMC-Weberei in Mulhouse geplante neue Stadtteil mit einem Unternehmens- und Wissenspark mit 2000 Arbeitsplätzen, 500 neuen Wohnungen und einem Kreativpark; da ist zum anderen "mo’ to-co", ein Kooperationsprojekt der Hochschule für Gestaltung und Kunst an der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Stadt Mulhouse. Dessen Ziel ist es, vor dem Hintergrund der Raumnot für junge Kreativunternehmen in einem nomadischen Ansatz vorübergehende Domizile für die Kreativbranche anzubieten; im DMC-Areal soll die Strickanleitung dieser mobilen Kreativarbeit, die ihre Infrastruktur in kürzester Zeit auf- und abbauen kann, konkret erprobt werden.Werbung
Andererseits wurde nicht nur hoch-, sondern auch runtergestuft, Projekte ausgemustert. Das trifft die Idee einer Kette von Badeanstalten entlang des Rheins ("Canale Grande"), den Vorschlag einer zweimonatigen Produktionstour mit Künstlern durch das Dreiland ("streetwise Tour") und das am Zoo Basel geplante Ozeanium. Dieses Aquarium sei zwar ein "architektonisches Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft für die ganze Region", aber es biete zu wenig Anknüpfungspunkte für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Das wiederum hänge vor allem damit zusammen, dass das Ozeanium bereits ein sehr reifes Projekt sei, erläutert Jann auf Nachfrage. Die IBA aber lege Wert darauf, Projekte noch mitgestalten und beeinflussen zu können. "Wir sind keine Zertifizierungsstelle", betont der Geschäftsführer; vielmehr gehe es darum, in offenen, dialogischen Prozessen Projekte so zu schärfen, dass sie echten Mehrwert im Sinn einer homogener über die Grenzen funktionierende Region erzeugen könnten.
Grenzüberschreitender Mehrwert: Das ist die Messlatte, die die IBA Basel 2020 vor allen anlegt und ein Projekt, das dieses Kriterium im Grunde idealtypisch erfüllt, sieht IBA-Projektleiter Dirk Lohaus in dem von der Stadt Lörrach eingereichten Fraunhofer Institut für Nanotechnologie im ehemaligen KBC-Areal. Dessen Finanzierung, die vor allem vom Land aufzubringen wäre, ist zwar völlig offen; die Grundidee eines grenzüberschreitenden Forschungsclusters, das die Uni Basel ebenso einbinde wie den Bedarf der Industrie, sei aus regionaler Sicht aber sinnvoll. "Das könnte geradezu exemplarisch sein für unsere IBA", findet Lohaus. Beispielhaft für das Selbstverständnis der IBA sei aber auch die Umgestaltung des Badischen Bahnhofs mitsamt den umliegenden Quartieren, die der Kanton Basel-Stadt und die Deutsche Bahn eingereicht haben. Hier deuteten sich inzwischen Umrisse einer regionalen Drehscheibe an, deren heute zum Teil hermetische Abschottung aufgebrochen und die so zu einer städtebaulichen, aber auch atmosphärischen Schnittstelle der Region werden könne. "Das ist ein Beleg für den Erfolg der IBA-Qualifizierung", findet Lohaus.
Vergleichbare Potenziale erkennt Lohaus auch in anderen Infrastrukturprojekten aus dem IBA-Projektkatalog – sei es die Verlängerung der Tramlinie 3 nach St. Louis, sei es die Elektrifizierung der badischen Hochrheinstrecke. Zwar sei der Ausbau der Infrastruktur allein fraglos kein IBA-Projekt, aber daran ließen sich vielfältige Folgeprojekte andocken, die für die Siedlungsentwicklung, die Vernetzung und das kulturelle Zusammenwachsen der Region hohen Mehrwert entwickeln könnten. Andererseits kann bislang kein Projekt sicher sein, 2013 tatsächlich für ein IBA-Label nominiert zu werden. Auch der Status vornominiert bietet da keine Gewähr, wie das Beispiel "streetwise" zeigt, das trotz einer Vornominierung nun aussortiert wurde. "Es gibt keine Garantie dafür, dass nicht zurückgestuft wird", sagt Martin Jann dazu. Vielmehr gehe es darum, den Qualifizierungsprozess in Schwung zu halten.
DER KREIS BEIM IBA-HEARING
Bei dem Hearing wurden folgende Projekte aus dem Kreis Lörrach vorgestellt: "Wellbeing in der Metropolregion" aus Bad Bellingen; das neue Stadtquartier Lagune in Grenzach-Wyhlen; der Kultur.Stadt.Weg aus Weil; dazu kommen aus Lörrach das Fraunhofer Institut, die Transformation des KBC-Areals, die Velö-Station und die neue S-Bahn-Haltestelle "Am Zoll" zwischen Stetten und Lörrach. Zurückgestellte worden waren zudem die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke und die Umgestaltung des Post-Areals in Lörrach; beide bleiben aber zumindest bis zum Hearing im Herbst auf der Kandidatenliste.
Autor: alb
Autor: Michael Baas



