DFJP

BZ-Redakteurin Anika Maldacker mit Deutsch-Französischem Journalistenpreis ausgezeichnet

Holger Knöferl

Von Holger Knöferl

Do, 05. Juli 2018 um 12:04 Uhr

Wir über uns

Für eine Reportage über das auch unkonventionelle Engagement von Elsässern für den Erhalt der elsässischen Sprache ist BZ-Redakteurin Anika Maldacker ausgezeichnet worden. Es ist nicht ihr erster Journalistenpreis.

Der Deutsch-Französische Journalistenpreis in der Kategorie "Nachwuchs" ist an BZ-Redakteurin Anika Maldacker verliehen worden. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Reportage "Der Kampf gegen das Vergessen", der am 15. September 2017 auf der Seite Drei der Badischen Zeitung erschienen ist. Sie beschreibt darin das auch unkonventionelle Engagement von Elsässern für den Erhalt der elsässischen Sprache.

Der Deutsch-Französische Journalistenpreis (DFJP) wurde zum 35. Mal verliehen. Die Auszeichnung wurden am Mittwochabend im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin in den Kategorien Textbeitrag, Multimedia, Video, Audio und Nachwuchs übergeben. Zudem erhielt der Soziologe und Philosoph Prof. Dr. Jürgen Habermas den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für sein Lebenswerk und sein Engagement für ein demokratisch verfasstes Europa.

Anika Maldacker hat von Oktober 2015 bis September 2017 ein Volontariat in der Redaktion der Badischen Zeitung absolviert. Seither arbeitet sie als Redakteurin für die BZ. Es ist für sie bereits der zweite wichtige Journalistenpreis binnen kurzer Zeit. Vor wenigen Wochen waren die Volontäre der Badischen Zeitung für ihre Serie über die Folgen des digitalen Wandels aus dem Sommer 2017 mit dem Konrad-Adenauer-Preis für Lokaljournalismus in der Kategorie Volontärsprojekte ausgezeichnet worden. Bei dieser Serie hatte sich Maldacker sowohl in der Konzeption als auch als Autorin eingebracht.

Die Preisverleihung

In seiner Rede vor über 400 Gästen hob Habermas hervor, Europa brauche mehr Solidarität, die auf gegenseitigem Vertrauen basiere und nicht von vorne herein vor allem ökonomisch konditioniert sei: "Ich kann mir nicht erklären, warum die deutsche Regierung glaubt, die Partner zur Gemeinsamkeit in Fragen der für uns wichtigen Flüchtlings-, Außen- und Außenhandelspolitik gewinnen zu können, während sie gleichzeitig in der zentralen Überlebensfrage des politischen Ausbaus der Eurozone mauert."

Zugleich lobte Habermas die Vorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, der das Ziel verfolgt, die europäische Währungsunion zu einer politischen Union auszubauen. "Ihn zeichnet der Mut zu einer gestaltenden Politik aus", so der Philosoph, und daran fehle es derzeit in den übrigen Mitgliedsstaaten. Habermas wörtlich: "Der (grassierende) Rechtspopulismus verdankt sich in erster Linie der verbreiteten Wahrnehmung der Betroffenen, dass der EU der politische Wille fehlt, handlungsfähig zu werden. […] Stattdessen versinken die politischen Eliten im Sog eines kleinmütigen, demoskopisch gesteuerten Opportunismus kurzfristiger Machterhaltung."

Der Philosoph und Soziologe, der zu den wichtigsten Denkern der Moderne gehört, forderte die Politik auf, angesichts der weltweiten Herausforderungen ihre Wähler nicht normativ zu unterfordern, "da es die solidaritätsbereiten Mehrheiten als eine "fleet in being" längst gibt." Europa befinde sich historisch betrachtet in einem Lernprozess, wie er bei der Herausbildung des Nationalstaats im 19. Jahrhundert schon einmal stattgefunden habe. Nur seien die Herausforderungen heute andere. "Heute werden die nationalen Bevölkerungen von politisch unbeherrschten, funktionalen Imperativen eines weltweiten, von unregulierten Finanzmärkten angetriebenen Kapitalismus überwältigt. Darauf kann der erschrockene Rückzug hinter nationale Grenzen nicht die richtige Antwort sein." Das Neue an der jetzigen Situation sei deshalb, dass sie bei vielen Menschen zunehmend ein Gespür für die Schwelle zu supra-nationalem Handeln erzeuge, das von Bürgern verlange, sich vor ihrer Stimmabgabe über Grenzen hinweg in die Lage des jeweils anderen zu versetzen.

Habermas ging darüber hinaus mit wenigen Worten auch auf die aktuelle Regierungskrise in Deutschland und den von der CSU in Bayern angezettelten Streit über die deutsche Flüchtlingspolitik ein. "Der Schwarze Peter liegt bei der Sorte von Europafreunden, die sich ihre tatsächlich gehegten Vorbehalte gegenüber einem solidarisch handelnden Europa nicht eingestehen", so Habermas.

Bundesaußenminister Heiko Maas, der die Laudatio hielt, würdigte den Preisträger als einen "der größten Intellektuellen unserer Zeit, der den Weg der Bundesrepublik Deutschland von Anfang an als "spiritus rector" begleitet und an allen entscheidenden Weggabelungen durch sein Wort und sein Argument geleitet hat". Habermas Debattenbeiträge in den letzten sieben Jahrzehnten seien "durch Realitätssinn und Pragmatismus gehärtete Handlungsmaximen – gerade auch für uns Politiker […]. Deutschland, Frankreich und Europa haben Habermas" avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen gerade heute bitter nötig", so Bundesminister Maas.

Für eine Überraschung in der Zeremonie sorgte ein Brief des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, der dem Medienpreisträger von den Veranstaltern überreicht wurde. Darin bezeichnet Macron den Philosophen als unermüdlichen Aufklärer. "In einer Zeit, in der Europa zu zerreißen droht und viele Länder sich auf sich selbst besinnen und die nationalen Egoismen sich wieder verschärfen, ist Ihre Stimme wichtiger und kostbarer als jemals zuvor", so Macron zu Habermas. Um ein Auseinanderbrechen des Kontinents zu verhindern, müssten endlich konkrete und vor allem wirksame Antworten auf die aktuellen Herausforderungen gegeben werden. Als Beispiele nannte Macron die Flüchtlingskrise, den Schutz der Umwelt, die Digitalisierung und eine gemeinsame Verteidigungspolitik.