Dreisam-Mordprozess

Wirbel um Kamera auf der Zuschauertribüne beim Hussein-K.-Prozess

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Mo, 12. März 2018 um 19:48 Uhr

Freiburg

Im Gerichtssaal filmt ein Kameramann von Baden TV Süd die Verhandlung. Die vorsitzende Richterin unterbricht daraufhin den Hussein-K.-Prozess.

Es war mitten im Plädoyer von Rechtsanwalt Sebastian Glathe, als Richterin Kathrin Schenk am Montagvormittag den Verteidiger von Hussein K. plötzlich unterbrach und nach oben auf die Zuschauerempore blickte. Dort hatte sie einen Mann mit einer Kamera entdeckt. Die Richterin wies ihn auf das Verbot hin, im Gerichtssaal Aufnahmen zu machen. Das Landgericht hatte im August 2017, vier Wochen vor Beginn des Mordprozesses, verfügt, dass während sämtlicher Sitzungen Ton-, Film- und Bildaufnahmen gemäß Gerichtsverfassungsgesetz untersagt sind.

Als sich der Mann setzte, forderte sie ihn auf, die Kamera ganz aus dem Saal zu entfernen. Die Empore gehört nicht zum ausgewiesen Bereich für akkreditierte Pressevertreter. Die Verhandlung wurde vorübergehend unterbrochen, die Tribüne geräumt. Justizbeamte und Polizisten rannten hektisch nach oben, fingen den Mann ab und nahmen ihm seine Kamera – ein Gerät, wie es Fernsehleute verwenden – ab. Die Kamera sei beschlagnahmt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Mächtel, der BZ auf Nachfrage.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Kameramann von Baden TV Süd. "Was unser Team gemacht hat, war unbedacht und sollte nicht vorkommen", so Redaktionsleiter Pascal Schütt in einer Stellungnahme. Selbstverständlich seien keine Aufnahmen gemacht worden. Ob dies so sei, werde geprüft, sagte indes Oberstaatsanwalt Michael Mächtel.

Polizei und Gericht konnten auf Nachfrage am Montagnachmittag nicht sagen, ob Aufnahmen gemacht wurden, das Verhalten strafbar gewesen sei oder ob es sich bloß um einen Verstoß handle. Das Gericht kann theoretisch in so einem Fall auch ein Ordnungsgeld verhängen. Offen blieb am Montag zudem die Frage, ob der Kameramann überhaupt ordnungsgemäß akkreditiert war, der Sprecher des Landgerichts war nicht zu erreichen.

Die Kollegen hätten sich vor dem Gerichtssaal verabredet, erklärte Pascal Schütt von Baden TV Süd. Da noch keine Pause gewesen sei, seien sie nach Rücksprache mit einem Gerichtsmitarbeiter auf die Zuschauertribüne gegangen. Dass Aufnahmen im Saal nicht erlaubt seien, sei dem Team bekannt. Der Mitarbeiter habe die teure Kamera nicht vor dem Saal lassen wollen und sie deshalb mit reingenommen. "Leichtsinnigerweise" habe er sie nicht verpackt, sondern in der Hand behalten.

Redaktionsleiter Schütts Fazit: "Ein dummer Fehler, über den noch zu reden sein wird." Richterin Schenk sagte nach 15-minütiger Pause: "Die Unterbrechung war eher der Unwissenheit geschuldet."

Anders als normales Publikum dürfen Journalisten Foto- und Filmapparate mit in den Gerichtssaal nehmen, allerdings dürfen sie keinerlei Aufnahmen machen und ihre Computer im Saal nur offline benutzen.