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12. November 2017 12:41 Uhr

Uhrenmesse Basel World

Alarmstimmung in der Basler Glitzerwelt

Die Basler Uhren- und Schmuckmesse Basel World, ein globales Top-Event für die Welt sehr großer Geldbeutel, wird radikal geschrumpft: René Zipperlen erklärt, warum die Messe diesen Schritt gehen muss.

  1. Die Ausstellungsfläche der Basel World wird um ein Drittel verkleinert. Foto: AFP

Ab 2018 wird die Zahl der Aussteller von 1300 auf etwa 600 halbiert, die Messe von acht auf sechs Tage verkürzt, der Quadratmeterpreis um zehn Prozent gesenkt und die Ausstellungsfläche um ein Drittel verkleinert. Das hat nicht nur Folgen für den Veranstalter, die Basler MCH Group, bei der die Basel World ein Drittel des Jahresumsatzes liefert.

Das hat auch Folgen für den Kanton Basel, der mit 33,5 Prozent Hauptaktionär der Messegesellschaft ist. Und es hat Folgen für die Region: In den acht Tagen Basel World sind die Hotels bis Freiburg ausgebucht – und Hoteliers können astronomische Preise verlangen. Basler Wohngemeinschaften holen sich dann gerne Gäste ins Haus, die für ein paar Tage gerne die gesamte Jahresmiete zahlen.

Der Messebetreiber MCH Group reagiert damit auf die Krise, die die Luxusbranche seit 2015 kräftig schüttelt. Die Schweizer Uhrenexporte brachen schon zum zweiten Mal in Folge um rund zehn Prozent ein. Sie reagiert aber auch auf Kritik der großen Uhren- und Schmuckhersteller, die offenbar so lange bereit waren, eine "Verzettelung" unter den Ausstellern zu tolerieren wie die Geschäfte blendend liefen, wie Messesprecher Christian Jecker einräumt.

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Vor allem aber seien es die Stimmen der Fachhändler gewesen, für die die Messe ein teurer Besuch war. "Wir wollen uns nun auf diejenigen konzentrieren, die den echten Kern im immer umkämpfteren und härteren Markt in den Branchen Uhren, Schmuck, Edelsteine ausmachen und ausmachen werden." Die Messe geht von einer deutlichen Bereinigung in der Branche aus. Viele kleinere Anbieter kündigten ihr Engagement aus freien Stücken, nicht zuletzt der horrenden Gebühren wegen – einige fühlten sich offenbar auch zunehmend an die Randzonen der Messe verdrängt.

Die Stimmen der großen Hersteller wie Rolex, Breitling, Bulgari, Hublot, Breguet haben Gewicht: Schon 2013 wurden auch mit Blick auf sie für mehr als 400 Millionen Euro neue spektakuläre Hallen gebaut – und die Preise um 20 Prozent angehoben. Die Großen hatten selbst eine halbe Milliarde Euro in ihre neuen Stände investiert, die oft spektakulären Luxushotels im Kleinformat gleichen.

Die MCH Group hat schon vor ein paar Jahren damit begonnen, sich breiter aufzustellen: Messen wie die Art Basel und die Basel World bekamen Ableger in Miami und Hongkong, Beteiligungen an regionalen Kunstmessen etwa in Düsseldorf oder an der Art India Fair sowie der Ausbau von Messe- und Eventdienstleistungen sollten die Wertschöpfungskette verlängern und Verluste ausgleichen. In diesem Jahr hat die Messe auch den US-Eventspezialisten MC2 gekauft, der bald mit einem Drittel zum Umsatz beitragen soll.

Dazu kommt eine neue Messe im Super-Luxus-Segment: Die Grand Basel will "die bedeutendsten und wertvollsten Automobile der Welt" präsentieren. Bis zu 200 Fahrzeuge, höchstens sieben pro Aussteller, sieben Tage lang, kombiniert mit Design, Architektur und Kunst. Irgendwo muss all das Geld ja geblieben sein.rené zipperlen

Autor: René Zipperlen