Bestätigung

Aldi-Manager soll in Mahlberg Angestellte misshandelt haben

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Fr, 20. September 2013 um 18:23 Uhr

Wirtschaft

Ein ehemaliger Manager behauptet in einem Buch, dass im Zentrallager in Mahlberg in der Ortenau Angestellte misshandelt und gedemütigt worden sind. Aldi Süd hat die Vorwürfe bestätigt.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Angelegenheit. Die Rede ist von brutale Ritualen: Weil sie angeblich frech geworden seien, habe man die Auszubildenden mit Frischhaltefolie an einen Pfosten gefesselt und danach ihr Gesicht mit Filzstiften beschmiert. Treibende Kraft sei der stellvertretende Bereichsleiter gewesen. Vorgesetzte hätten diese Schikanen verfolgt und gebilligt, die Prozedur sei auf Foto und Video festgehalten worden. Das berichtet die Online-Ausgabe des Magazins "Der Spiegel" und beruft sich dabei auf einen ehemaligen Manager des Konzerns.

Der heißt Andreas Straub, ist 29 Jahre alt und wird im Oktober ein Buch über seinen ehemaligen Arbeitgeber veröffentlichen – der Zeitpunkt für die Enthüllung ist also nicht ganz unfreiwillig gewählt worden. Hunderte Aldi-Mitarbeiter hätten sich an ihn gewandt, sagt er im Gespräch mit der Badischen Zeitung. "Es herrscht ein Klima der Angst, viele junge Mitarbeiter trauen sich nicht zu ihren Vorgesetzten zu gehen – auch weil die Schikanen von diesen ausgehen."

Einer der betroffenen Auszubildenden habe ihm erzählt, die Folie sei so stark gespannt gewesen, dass das Atmen schwergefallen sei. Ihm wurde weiterhin gedroht, ihn bei weiterem Fehlverhalten ins Tiefkühlabteil bei minus 20 Grad zu sperren. Anzeige wurde nie erstattet. "Ich hatte Angst, sofort wieder gekündigt zu werden, da ich noch in der Probezeit war", zitiert Straub den Betroffenen.

Aldi Süd hat in Mahlberg keinen Betriebsrat, auch sonst sind Betriebsräte im Konzern nur punktuell vertreten. "Es ist traurig, wenn so ein Abhängigkeitsverhältnis der Auszubildenden missbraucht wird", sagt Reiner Geis, südbadischer Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi. "Ohne Hilfestellung werden sich nicht viele wehren." Weiterhin kritisiert Geis den Corpsgeist und die Kontrolle bei Aldi. "Die Arbeit endet nicht am Werkstor, man versucht, auch in der Freizeit einen Blick auf den Arbeitnehmer zu haben. Zu den Arbeitnehmerrechten gehört auch der Persönlichkeitsschutz", sagt Geis und fordert vom Konzern mehr Transparenz und Offenheit.

Das Unternehmen gilt als sehr verschlossen, Anfragen werden nur schriftlich beantwortet. Umso offener die Reaktion auf die Vorwürfe. Man sei entsetzt gewesen, als man durch den "Spiegel" mit den Vorfällen im Logistikzentrum in Mahlberg konfrontiert wurde, heißt es aus der Aldi-Zentrale in Mülheim an der Ruhr. Und weiter: "Zu unserer Bestürzung hat sich durch interne Recherchen gezeigt, dass das beschriebene Geschehen in seiner Kernaussage der Wahrheit entspricht. Wir bedauern diesen Vorfall, der sich nach unseren Recherchen zum Jahreswechsel 2012/2013 zugetragen hat, zutiefst und sind äußerst betroffen." Das Geschehen sei weiter aufgeklärt worden, sowohl die leitenden Verantwortlichen als auch die aktiv an der Tat beteiligten Mitarbeiter seien bereits zur Rechenschaft gezogen worden.

Inzwischen hat auch die Staatsanwaltschaft in Freiburg die für Mahlberg zuständige Polizeidirektion Offenburg gebeten, die Vorwürfe der Misshandlungen zu überprüfen.