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07. Mai 2010 00:07 Uhr
Energieversorger
Badenova speist erstmals Bioerdgas in sein Netz ein
Der Energieversorger Badenova setzt auf den Bio-Faktor: Erstmals speist er Biogas ins eigene Erdgasnetz ein. Die Anlage in Forchheim soll künftig 40 Millionen Kilowattstunden Biomethan pro Jahr erzeugen.
FORCHHEIM. Der Regionalversorger erzeugt das Rohgas allerdings nicht selbst. Es stammt von den Forchheimer Landwirten Herbert und Josef Binder, die das Gas durch Vergärung von Biomasse gewinnen. Dieses Gas kauft Badenova und veredelt es in einer Anlage auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebes, die am Donnerstag in Betrieb ging. So entsteht ein Gas, das dem Erdgas gleichwertig ist.
Die Aufbereitung ist nötig, weil Biogas im Rohzustand nur einen Methan-Anteil von gut 50 Prozent erreicht. Erdgas ist weitgehend reines Methan, deshalb müssen in der Aufbereitung unerwünschte Gase (vor allem Kohlendioxid) abgetrennt werden. 4,2 Millionen Euro hat Badenova investiert.
Die Aufbereitung und Einspeisung des Gases ist oft effizienter als die direkte Nutzung am Standort der Biogasanlage. Denn wenn das Gas vor Ort nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von Strom und Wärme verbrannt wird, gibt es oft für die Wärme – vor allem im Sommer – keine Abnehmer. In Form von Bioerdgas hingegen gelangt die Energie durch das bestehende Gasnetz dorthin, wo sie wirklich gebraucht wird.
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Die Landwirte benötigen zum Betrieb der Anlage rund 40 000 Tonnen Biomasse jährlich. Je nach eingesetzter Frucht ist für den Anbau der Pflanzen eine Fläche von 500 bis 700 Hektar nötig. Grundsätzlich verwertbar sind Getreide und Ackerfrüchte aller Art, derzeit dominieren Maissilage und Roggen.
Badenova bietet das Bioerdgas aus Forchheim ab sofort Endverbrauchern an und nutzt es zudem in eigenen Blockheizkraftwerken zur Stromgewinnung. Der Vertreib des Bioerdgases erfolgt über das allgemeine Gasnetz, denn physisch ist das Biomethan mit dem fossilen Methan identisch.
Die Lieferung von Bioerdgas geschieht nur bilanztechnisch – wie die Lieferung von Ökostrom. Mittelfristig will Badenova in der Region fünf Biogasanlagen mit einer Jahreskapazität von 200 Millionen Kilowattstunden errichten und betreiben. Bei einem Erdgasabsatz von 12,9 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr entspricht das einem Anteil von 1,6 Prozent.
Neben Forchheim hat Badenova in Neuried eine weitere Anlage erworben. Als dritter Standort steht der Gewerbepark Breisgau in Eschbach fest.
Zwei Gruppen von Kunden hat Badenova mit dem Biogas-Angebot im Blick. Zum einen sind es die Eigentümer bestehender Häuser, die ihre Heizungsanlage austauschen. Denn seit Jahresbeginn 2010 müssen sie nach dem baden-württembergischen Erneuerbare-Wärme-Gesetz einen Teil ihres Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien decken.
Dieser Vorschrift kann der Hauseigentümer durch Installation von Sonnenkollektoren oder den Kauf einer Pelletheizung nachkommen. Er kann die Vorgabe aber auch durch den Bezug von Bioerdgas erfüllen, wenn er eine Gasheizung installieren und keine weiteren Investitionen tätigen möchte. Mindestens zehn Prozent Biomethan muss im bezogenen Erdgas enthalten sein – weshalb Badenova exakt ein solches Produkt anbietet. Die Kilowattstunde dieses Gemisches kostet derzeit 0,71 Cent mehr als normales Erdgas. Das ist ein Aufschlag von etwa 13 Prozent.
Die zweite Kundengruppe, für die das Bioerdgas attraktiv sein kann, sind Betreiber von Blockheizkraftwerken. Setzen sie statt konventionellem Erdgas Biomethan ein, können sie für den erzeugten Strom die höhere Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten. Dafür ist der Bezug von reinem Bioerdgas nötig – was Badenova als zweites Produkt anbietet. Es wird aktuell mit einem Aufschlag von rund 7,1 Cent je Kilowattstunde verkauft und ist damit etwa 2,3-mal so teuer wie fossiles Erdgas.
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Autor: Bernward Janzing
