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10. Februar 2012

US-Immobilienkrise

Banken erkaufen sich Ruhe

Fünf große Geldhäuser in den USA zahlen 25 Milliarden Dollar wegen zweifelhafter Hausgeschäfte.

  1. Günstig zu haben sind derzeit viele Häuser in den USA. Foto: dpa

WASHINGTON. Die eigenen vier Wände gehören zum American Dream. Aus dem Traum wurde während der Immobilienkrise in den USA aber für viele Menschen ein Albtraum. Schuldner konnten nicht mehr zahlen, die Banken pfändeten übereilt. Dafür müssen sie nun Wiedergutmachung leisten – mit sagenhaften 25 Milliarden Dollar.

Hunderttausende gebeutelte amerikanische Hausbesitzer können aufatmen. Ein Vergleich mit den fünf größten Kreditgebern des Landes verspricht ihnen niedrigere Kreditraten, eine einfachere Refinanzierung und Entschädigungen bei fehlerhaften Zwangsvollstreckungen. Das Hilfspaket ist umgerechnet 19 Milliarden Euro schwer. "Das ist der größte Vergleich, den die Regierung zusammen mit den Bundesstaaten jemals erreicht hat", sagte US-Justizminister Eric Holder.

Hintergrund ist der Preissturz auf dem US-Häusermarkt von 2007 an und die danach einsetzende schwere Wirtschaftskrise. Viele Schuldner konnten ihre Kreditraten nicht mehr zahlen, wofür den Banken eine Mitschuld angelastet wird. Anstatt bei der Refinanzierung zu helfen, ließen die Kreditinstitute in vielen Fällen die Häuser säumiger Zahler pfänden – wie sich später herausstellte, oft ohne ausreichende Prüfung und mit falschen Papieren. Bis heute leiden viele ehemalige und aktuelle Hausbesitzer unter den Folgen.

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Die Banken hätten "Millionen Familien geschädigt. Familien, die nichts falsch gemacht haben und trotzdem ihr Haus verloren", sagte Bauminister Shaun Donovan. "Auch die Banken müssen sich an die Gesetze halten. Jede Bank, die das nicht getan hat, muss zur Rechenschaft gezogen werden." Die Institute müssten ihre Fehler korrigieren und dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiere.

Der Großteil des Geldes soll Schuldnern zugutekommen, die kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehen oder deren Haus weniger wert ist als der Kredit, den sie abtragen müssen, deren Hypotheken also sprichwörtlich unter Wasser stehen. Ihnen sollen günstigere Kreditkonditionen angeboten werden. 1,5 Milliarden Dollar gehen als Entschädigung an jene Familien, die ihr Haus wegen Fehlern der Banken oder von ihr beauftragter Firmen verloren haben. 3,5 Milliarden Dollar fließen an den Staat, um eigene Verluste aus der Immobilienkrise zu lindern und den Geschädigten helfen zu können.

Die betroffenen Kreditinstitute tragen große Namen: Bank of America, JP Morgan Chase, Wells Fargo, Citigroup, Ally Financial. Die Deutsche Bank gehört nicht dazu. Sie vergibt in den USA keine Hauskredite. In anderer Sache war auch sie wegen Hypothekengeschäften unter Beschuss geraten. So fühlten sich institutionelle Käufer von Hypothekenpapieren von den Deutschen betrogen. Aber ein US-Richter schmetterte zwei Klagen ab.

Mit dem Vergleich enden langwierige Ermittlungen der Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten. "Der Vergleich hindert die US-Behörden aber nicht daran, gegen kriminelle Verfehlungen vorzugehen", sagte Minister Holder. Ein staatlicher Aufseher soll darüber wachen, dass das Kreditgeschäft nun sauber läuft. Dabei stehen auch die sogenannten Servicer in der Pflicht, das sind Firmen, die im Auftrag der Banken die Kredite verwalten.

Der Vergleich dürfte mehr als die Hälfte aller Gewinne auffressen, die die Banken 2011 gemacht haben. JP Morgan Chase verdiente unterm Strich 19 Milliarden Dollar, Wells Fargo 16 Milliarden, die Citigroup 11 Milliarden und die kriselnde Bank of America vergleichsweise geringe 85 Millionen. Trotz des hohen Preises bewerten Analysten die Einigung mit der Justiz positiv, da nun endlich Klarheit herrsche. Die Aktien der Banken verloren an der Wall Street nur wenig an Wert. "Es ist eine tolle Möglichkeit für die Banken, ihr Ansehen wieder herzustellen", meinte der Generalstaatsanwalt von Iowa, Tom Miller.

Autor: Daniel Schnettler (dpa)/bür