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10. Februar 2012

Rekordjahr

Daimler verdient prächtig

Für den Autobauer war 2011 das beste Jahr seiner Unternehmensgeschichte.

  1. Mercedes 300 SL, Baujahr 1952 Foto: afp

STUTTGART. Daimler hat das beste Jahr seiner Geschichte abgeschlossen. Der Gewinn wächst zweistellig, die Dividende soll um 35 Cent auf 2,20 Euro zulegen, die Beschäftigung (wenn auch vor allem im Ausland) steigt kräftig, und die Mitarbeiter dürfen sich auf eine Rekord-Gewinnbeteiligung von 4100 Euro freuen. Dennoch ist der Ton nicht gerade überschäumend.

Man habe zwar die Ziele übertroffen, aber die Leistungen der Premium-Konkurrenz von Audi und BMW werden von den Analysten höher bewertet. Das Gegenargument von Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die Wettbewerber hätten ihre Potenziale weit ausgeschöpft, Daimler hingegen könne noch viele heben. Die Daimler-Aktie reagierte am Donnerstag auf die guten Zahlen mit einem Plus von mehr als drei Prozent.

Eines dieser Potenziale liegt bei den neuen Mobilitätssystemen wie Car-2-go, das auf dem Kleinstwagen Smart basierende Mietwagenkonzept. Car-2-go ist öffentliches und individuelles Verkehrsmittel zugleich. Es funktioniert wie die Mieträder der Bahn. Die Fahrzeuge werden auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt, elektronisch entriegelt und nach Gebrauch minutengenau abgerechnet. Daimler will damit vor allem junge Menschen locken, denen ein eigenes Auto unwichtig ist.

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In diesem Jahr startet das Angebot in zahlreichen Städten Europas und Nordamerikas. In der zweiten Jahreshälfte geht die bislang größte Flotte vollelektrischer Fahrzeuge am Stammsitz in Stuttgart an den Start. Es gibt mittlerweile ein Programm für Smartphones, das meldet, wo das nächste freie Fahrzeug steht. Immer mehr solcher Internet-basierter Komfortanwendungen, aber auch das gesamte elektrische Leihwagenprogramm sind in der Finanzsparte angesiedelt und haben dort für einen Gewinnsprung von satten 58 Prozent gesorgt. Car-2-go registriert mittlerweile mehr als 60 000 Nutzer, die Zahl der Anmietungen hat die Millionengrenze überschritten. Aus einer zukunftsweisenden Idee, so Zetsche, wird ein profitables Geschäftsmodell.

Die Elektromobilität steckt zwar noch in den Kinderschuhen, von Sommer an bietet Daimler allerdings einen Elektro-Smart für die breitere Kundschaft an. Das Wägelchen soll unter 16 000 Euro kosten, hinzu kommt die Miete für die teuren Batterien von monatlich unter 60 Euro. Pro Jahr verspricht Zetsche Absatzahlen im fünfstelligen Bereich. Der Marktanteil der Stuttgarter bei Stromautos soll mit dem E-Smart weiter steigen.

Natürlich haben die Schwaben ihr Geld im Jubiläumsjahr vor allem mit klassisch angetriebenen Kraftfahrzeugen gemacht. Besonders stark haben sich einmal mehr die außereuropäischen Märkte entwickelt. Von den fast 1,4 Millionen Personenwagen wurden auf dem deutschen Heimatmarkt 260 000 Fahrzeuge verkauft, aber allein in China 210 000. Nicht nur große Schlitten, sondern auch die kleinen Smarts werden von den Chinesen gekauft, der Absatz wurde verdreifacht. In Russland, Brasilien, Indien und in Südkorea waren die Wachstumsraten ebenfalls zweistellig. Mit einer Umsatzrendite von neun Prozent liegt Daimler bei den Personenautos schon dicht an der selbst vorgegebenen Zehn-Prozent-Marke.

China ist eines der Länder, in denen Daimler auch produziert – und zwar nach standardisierten Fertigungsmethoden, die, versichert Zetsche, keinen Unterschied erkennen ließen zu "Made in Germany". Der für das LKW-Geschäft zuständige Vorstand Andreas Rentschler erinnert daran, dass Daimler ja schon seit acht Jahrzehnten im Ausland produziert und montiert. Seine Sparte verbucht ebenfalls kräftige Zuwächse, 426 000 Laster wurden verkauft. Allein in Nordamerika wurde der Absatz um mehr als 50 Prozent gesteigert. In Nordamerika laufen Daimlers Fahrzeuge als Freightliner vom Band. Um 85 Prozent wuchs gar der Gewinn bei Lieferwagen. Nur bei Bussen lief es schlechter, weil sich die öffentliche Hand mit Neubestellungen zurückhält.

Bis 2020 reicht die Wachstumsstrategie. Schon das laufende Jahr soll ein neues Rekordjahr werden. Bis Ende 2013 will das Unternehmen jeweils knapp elf Milliarden in die Forschung und Entwicklung sowie in Sachinvestitionen vor allem für neue Fahrzeuge stecken.

Autor: Andreas Böhme