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21. Februar 2011

Geldwirtschaft

Deutschlands erste islamische Bank arbeitet in Mannheim

Die Filiale der Kuveyt Türk Bank ist eine Attraktion. Sie ist deutschlandweit die erste Filiale einer Bank, die im Einklang mit islamischem Recht arbeitet und deshalb auf Zinsen verzichtet.

  1. Filiale Kuveyt Türk Bank in Mannheim Foto: Jakob Kienzle

MANNHEIM. Der Innenraum der Filiale der Kuveyt-Türk-Bank in Mannheims Innenstadt ist geräumig und modern. Weiße Fließen, schwarze Ledersofas, gegenüber vier Schalter mit großen schwarzen Bildschirmen. Hinter einem der Bildschirme tippt eine Mitarbeiterin. Nichts unterscheidet den Schalterraum von einer Sparkassen- oder Volksbank-Filiale. Passanten werfen von draußen neugierige Blicke ins Innere.

Manche verlangsamen ihre Schritte und starren etwas irritiert auf die goldene Palme auf grünem Grund, die aus der Häuserfront ragt. Eine Frau mit Wurst und Wecken in den Händen kommt herein und fragt nach einem Kalender. Sie nimmt das Werbegeschenk entgegen und sagt: "Da wird mein Kollege neidisch sein." Die Filiale der Kuveyt-Türk-Bank ist eine Attraktion. Sie ist deutschlandweit die erste Filiale einer Bank, die im Einklang mit islamischem Recht arbeitet und deshalb auf Zinsen verzichtet.

Wie jede andere Bank muss auch eine islamische Bank Geld verdienen. Geld alleine aber darf nach islamischem Recht keine Erträge ohne Risiko abwerfen. Darum muss jedem Geldgeschäft ein reales Gut zugrunde liegen.

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Wenn ein Kunde ein Haus kaufen will, beauftragt er die Bank mit dem Kauf. Der Kunde kauft dann das Haus in Raten von der Bank, wobei diese statt Zinsen eine fixe Gebühr berechnet. Auf Spareinlagen bekommt ein Kunde keine Zinsen, sondern ist an Gewinn und Verlust der Bankgeschäfte beteiligt.

"Wir leisten hier Pionierarbeit", sagt Ugurlu Soylu, Geschäftsleiter der Kuveyt-Türk-Zweigstelle. Bisher hat seine Filiale in Deutschland nur die Genehmigung, Geld anzunehmen und an die Mutterbank in der Türkei weiterzuleiten. Dort wird das Geld islam-konform investiert. "Verboten sind Investitionen in Glücksspiel-, Alkohol- und Pornoindustrie und jegliche Geschäfte, die der Gesellschaft schaden."

Das Geschäftsmodell islamischer Banken ist auch für die deutsche Finanzaufsicht neu. Hier sieht Ugurlu Soylu noch Klärungsbedarf. "Während eine Bank auf Zinsen keine Steuer entrichten muss, wird beim Kauf und Verkauf eines Gutes Mehrwertsteuer auf den Aufschlag der Bank fällig. Dies würde für uns einen Wettbewerbsnachteil bedeuten." Spareinlagen bei einer islamischen Bank unterliegen anderen Risiken als bei einer herkömmlichen Bank: Der Kunde bekommt keine Zinsen, sondern verdient, wenn die Projekte, in die die Bank investiert, Gewinne machen. "Dies sind Punkte, mit denen sich die Bankenaufsicht jetzt befassen muss."

Aufgrund der eingeschränkten Geschäftstätigkeit haben die meisten Kunden der Bank einen direkten Bezug zur Türkei. "Erst wenn beispielsweise Zahlungsverkehr in Deutschland möglich ist, wird unser Geschäft auch für andere Zielgruppen interessant", meint Ugurlu Soylu.

Die Kuveyt Türk bezeichnet sich selbst nicht als islamische Bank, sondern als Beteiligungsbank. "Um klar zu machen, dass wir keine Bank nur für Muslime sind und um nicht die religiösen Gefühle von Muslimen auszunutzen", erklärt Ugurlu Soylu. Vor einigen Jahren gab es innerhalb türkischer Milieus in Deutschland Anlagemöglichkeiten, die sich allerdings als kriminell herausstellten. Unternehmen aus der Türkei warben unter anderem über Moscheen Anleger, indem sie an deren Patriotismus und Religiosität appellierten. Nach anfänglichen Gewinnen verschwanden Mittelsmänner und Firmen eines Tages mit allem Geld.

"Das Vertrauen in islam-konforme Anlagen innerhalb der türkeistämmigen Bevölkerung ist seitdem tief erschüttert", sagt Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen. "Der Wunsch nach islam-konformen Anlagen ist dennoch häufig vorhanden."

Ihr Institut hat 2010 in einer Studie zur Altersvorsorge herausgefunden, dass von den Türkei-stämmigen über 18 Jahre 40 Prozent islam-konforme Anlagen für "sehr" oder "eher wichtig" hielten. Je religiöser sich die Befragten einschätzten, desto wichtiger waren ihnen Islam-konforme Geldanlagen. Dies steht im Widerspruch zur tatsächlichen Nutzung solcher Anlagen. Nur 0,3 Prozent der Befragten gaben an, Islam-konforme Geldanlagen zu besitzen. Die Kuveyt-Türk-Bank hat also glänzende Perspektiven.

Autor: Jakob Kienzle