Diesel-Paket steht in Frage

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Fr, 05. Oktober 2018

Wirtschaft

VW, Daimler, BMW und Opel scheuen eine konkrete Zusage zur Übernahme der Nachrüstkosten.

BERLIN. Bei einem zentralen Baustein des Diesel-Kompromisses lassen die Autohersteller die Regierung hängen. Weder VW noch Daimler, BMW oder Opel wollen die Forderung erfüllen, Diesel-Pkw auf eigene Kosten mit Stickoxid-Katalysatoren nachzurüsten.

VW bietet zwar an, in 14 besonders belasteten Städten 2400 von 3000 Euro Nachrüstkosten je Pkw zu übernehmen – aber nur, wenn die anderen Hersteller mitmachen. Daimler will sich am Nachrüstprogramm beteiligen, nennt aber keine Details. BMW lehnt bisher ab. Auch Opel hat bereits abgewunken.

Montagnacht hatten sich die Spitzen der Großen Koalition in Berlin auf ein Paket zur Lösung des Diesel-Problems geeinigt. Um Fahrverbote zu vermeiden, sollen die Hersteller alte Wagen in neuere tauschen. Wer sein Auto nicht wechseln will, soll nach dem Willen der Regierung vom Hersteller einen Zuschuss zur Nachrüstung bekommen. Daimler und BMW setzen jedoch vornehmlich auf Umtausch, weil das ihre Verkäufe ankurbelt.

Auf die Einigung zwischen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatten maßgeblich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Kanzleramtsminister Helge Braun hingewirkt. Eine Frage ist nun, ob die Regierungsspitze die Autobauer zum Umdenken bewegen kann. "Es existieren bisher keinerlei verbindliche Zusagen der Konzerne hinsichtlich der Kostenübernahme für die Nachrüstung", sagte Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) am Donnerstag. Als Anwalt führt Baum eine Massenklage gegen VW, um für Autobesitzer Schadenersatz zu erstreiten. "Die Ergebnisse des Dieselgipfels dienen vor allem VW, sich über das Jahresende zu retten, an dem die Rechtsansprüche der geschädigten Autokäufer verfallen", ist Baum überzeugt. Er ruft die Halter auf zu klagen.

BMW stören vor allem die Kosten der Nachrüstung. Zudem sei es technisch bei vielen Modellen nur unter großen Aufwand möglich, Katalysatoren einzubauen, so der Konzern. Fachleute des Bundesumweltministeriums verweisen dagegen darauf, dass in den Fahrzeugen genug Platz für die Nachrüstung vorhanden sei. Laut Autoclub ADAC sind auf dem deutschen Markt bisher keine Katalysatoren zugelassen. Die Geräte sind in der Entwicklung, das Kraftfahrtbundesamt muss sie aber noch genehmigen. "Ich denke, dass wir Anfang nächsten Jahres die ersten Modelle an den Markt bringen können", so der Geschäftsführer des Katalysatoren-Herstellers Oberland Mangold, Hubert Mangold.

Wer nicht auf die Hersteller warten will, kann sein Fahrzeug auch in Eigenregie nachrüsten lassen. Grundsätzlich könne man die Reparatur privat beauftragen, sagte Ulrich Köster vom Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes. Abwägen müsse man, ob sich der Einbau lohnt. Womöglich ist er eine Voraussetzung dafür, bei einem Verkauf des Autos einen vernünftigen Preis zu bekommen.