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12. Mai 2011 18:45 Uhr

St. Georgen / Herbolzheim

EBM-Papst: Umsatz top – aber Belegschaft ist frustriert

Der Ventilatorspezialist EBM-Papst St. Georgen überrascht: 2010 schaffte das Unternehmen eine enorme Umsatzsteigerung und will 2012 in Herbolzheim ein Geheimprojekt mit einem Autobauer starten. Gleichzeitig geht in der Belegschaft der Frust um.

  1. Lüftungen und Ventilatoren sind das Kerngeschäft von EBM-Papst. Foto: ZVG

Die Zahlen, die der St. Georgener EBM-Papst-Chef Dirk Schallok am Donnerstag bei einem Pressegespräch präsentierte, sind eindrucksvoll. Ein Jahr nach der großen Wirtschaftskrise von 2009 legt der Spezialist für Ventilatoren und Motoren einen Rekordumsatz hin: 295 Millionen Euro hat EBM-Papst St. Georgen im vergangenen Jahr erzielt. Das bedeutet ein Plus von 48 Prozent im Vergleich zum Ergebnis von 2009. Damals lag der Umsatz der Tochter des Mulfinger EBM-Papst-Konzerns noch bei 199 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2011 peilt Schallock einen Umsatz von 317 Millionen Euro an. Angaben zum Gewinn macht EBM-Papst grundsätzlich nicht. Die Unternehmensgruppe ist im Besitz von drei Familien.

Geheimprojekt mit einem Autohersteller

Aktuell arbeiten rund 3400 Mitarbeiter bei EBM-Papst St. Georgen. Die Firma hat mehrere Werke in Deutschland. Darunter ist auch ein Werk in Herbolzheim. Mit 625 Beschäftigten wurde dort 2010 ein Umsatz von 65 Millionen Euro gemacht. 2012 sollen es 665 Mitarbeiter und 75 Millionen Euro Umsatz sein.

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Mitte kommenden Jahres wird in Herbolzheim außerdem ein fünf Millionen Euro schweres Vorzeigeprojekt mit einem deutschen Autobauer realisiert. Welchen Hersteller der Spezialist für Ventilatorenbau aus dem Schwarzwald dabei genau gewinnen konnte, wollte Dirk Schallock, nicht sagen. "Beide Seiten haben darüber Geheimhaltung vereinbart."

Nicht geheim ist dagegen der enorme Investitionsumfang: Fünf Millionen Euro steckt EBM-Papst St. Georgen für das Projekt in das Werk in Herbolzheim. Bei der Zusammenarbeit geht es um die Arbeit am Antriebsstrang von Fahrzeugen. Dazu gehören etwa Motor, Getriebe und Achsen. "Das Produkt, das wir entwickeln wollen, ist sehr komplex", sagte Schallock. "Wir haben Herbolzheim dafür ausgesucht, weil wir dem Werk die technische Kompetenz zutrauen." International ist EBM-Papst St. Georgen auch in Ungarn und China vertreten.

Mitarbeiter: Betriebsklima schlecht wie nie

Dirk Schallock führt das gute Ergebnis von 2010 auch auf Veränderungen im Betrieb zurück. Bereits 2008 sei EBM-Papst St. Georgen in Schieflage geraten. "Als ich 2009 im Unternehmen angefangen habe, lautete mein Auftrag, die Firma wieder aufs Gleis zu setzen und Umsatz und Ertrag zu steigern. Das ist mir gelungen." Gleichzeitig beschreiben Mitarbeiter bei EBM-Papst St. Georgen das Betriebsklima als so schlecht wie noch nie.

Dass es im Unternehmen nun eine Reihe von Unzufriedenen gibt, bestätigt Dirk Schallok. Er stehe aber zu seinen Entscheidungen. "Wenn sich ein Unternehmen fast zwölf Jahre lang organisatorisch nicht verändert hat und Probleme bekommt, muss es irgendwann einen Schnitt geben." Man habe die Arbeitsschritte in der Produktion neu aufgeteilt und versucht, dem einzelnen Mitarbeiter mehr Verantwortung zu übertragen. In diesem Zug haben auch langjährige Beschäftigte angestammte Arbeitsplätze räumen müssen. Manche von ihnen konnten Schallock zufolge danach nur noch weniger qualifizierte und schlechter bezahlte Arbeit erhalten. Umgekehrt wurden aber auch Mitarbeiter befördert.

Schallock räumt Kommunikationsfehler ein

"Der Umbau im Betrieb war nötig. Womöglich haben wir danach aber einzelne Mitarbeiter zu lange im Unklaren über Art und Vergütung ihrer neuen Stelle gelassen", sagt Schallock. Im vergangenen Jahr erhielt jeder Mitarbeiter von EBM-Papst St. Georgen angesichts der guten Geschäftsergebnisse 600 Euro Prämie.

Die EBM-Papst-Unternehmensgruppe hat 2010 ihren Umsatz um ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro gesteigert. 2011 wird ein Umsatz von 1,4 Milliarden erwartet.

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Autor: Bastian Henning