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08. Februar 2012

Ein neuer Rohstoffriese entsteht

Glencore und Xstrata wollen fusionieren / Geschäftemacher in politisch brisanten Regionen.

  1. In einem unscheinbaren Bürogebäude in der Schweiz sitzt der mächtige Rohstoffhändler. Foto: DPA

LONDON/ZUG. Ivan Glasenberg sieht sich am Ziel. Die vereinbarte Mega-Fusion mit dem britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata lässt den sonst so diskreten Chef des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore jubeln: "Wir haben die fantastische Möglichkeit, ein neues Kraftwerk in der globalen Rohstoffindustrie zu schaffen." Mit dem Zusammenschluss entsteht ein neuer Riese, der nicht nur so ziemlich alles aus der Erde holt, was die Welt benötigt, sondern damit auch handelt. Ein in dieser Größe bislang nicht gekanntes Geschäftsmodell, das die gesamte Branche nach Einschätzung von Experten verändern könnte.

Das neue Unternehmen verspricht sich durch den Zusammenschluss mehr finanzielle Möglichkeiten. Die Ratingagentur Moody’s deutete bereits an, dass sich die Fusion positiv auf die Einschätzung der Kreditwürdigkeit auswirken werde. Die Wettbewerbsfähigkeit werde sich verbessern. Beide Konzerne kommen zusammen auf 210 Milliarden Dollar Umsatz (160 Milliarden Euro), 130 000 Beschäftigte, und 101 Minen in 33 Staaten. Hinzu kommen 200 Schiffe und einige Häfen.

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Ob das Geschäft aber tatsächlich wie geplant kommt, hängt vor allem vom Votum der Wettbewerbsbehörden ab. Von Australien über China und Südafrika bis hin nach Deutschland und in die USA dürfen die Kartellämter mitsprechen. Zuletzt machten die Aufseher etwa einer engeren Kooperation der Erzkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto einen Strich durch die Rechnung. Bei Glencore und Xstrata sieht es dagegen nach Einschätzung von Experten besser aus, da beide Unternehmen zusammen bei keinem Rohstoff auf mehr als 25 Prozent Marktanteil kommen.

Dagegen kündigten zwei einflussreiche Aktionäre bereits Widerstand an – sie lehnten den von Glencore gebotenen Preis als zu gering ab. Die beiden Investmentfirmen, die laut britischen Medienberichten zusammen weniger als vier Prozent an Xstrata halten, könnten den Deal aber nur verhindern, wenn sie noch mehr Anteilseigner auf ihre Seite ziehen.

Mit dem Geschäftemachen in entlegenen Regionen und politisch heiklen Staaten kennt sich Glencore bestens aus. Das Unternehmen wurde 1974 vom Amerikaner Marc Rich gegründet. Er hatte keine Skrupel vor Geschäften im Iran, in Kuba oder mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime. In den USA drohten ihm mehr als 300 Jahre Gefängnis wegen Steuerschulden und schmutziger Geschäfte. Er schlüpfte in der Schweiz unter.

Umweltorganisationen kritisieren Glencore

Auch nachdem Rich 1994 aus dem Unternehmen gedrängt wurde, blieb es eine Schattenmacht, das im Verborgenen groß und mächtig wurde. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen kritisierten häufig die Geschäftspraktiken. Erst mit dem Börsengang im vergangenen Jahr versuchte sich Glencore, transparenter zu geben. So veröffentlichte das Unternehmen erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht, aus dem hervorging, dass das Unternehmen höhere Strafen wegen Verstößen etwa gegen Umweltauflagen zahlen musste als Konkurrenten wie BHP und Rio Tinto.

Autor: Erik Nebel (dpa)