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21. Januar 2010 11:18 Uhr

Eigeninitative

Faire Preise: Bauern vermarkten Milch selbst

"Die Faire Milch" heißt das Produkt, das auch in Freiburger Rewe-Filialen zu finden ist. Das Besondere: Die Bauern bekommen hier endlich den Anteil, den sie fordern.

  1. 99 Cent für faire Milch: Rewe- und Tegut führen das neue Produkt Foto: ddp

  2. 99 Cent für faire Milch: Rewe- und Tegut führen das neue Produkt Foto: ddp

Deutsche Bauern vermarkten ihre Milch selbst: "Die Faire Milch" heißt das Produkt, das bereits in rund 1500 Rewe- und Tegut-Filialen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen erhältlich ist. Auch in Freiburger Rewe-Filialen finden Kunden die Milch der Milchvermarktungsgesellschaft MVS. Für die Milch erhalten die beteiligten Landwirte 40 Cent pro Liter. Im Laden kostet die Liter-Packung Vollmilch 99 Cent.

Landwirte bekommen 40 Cent

Am Mittwoch haben die MVS und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ihr neues Produkt in Freising, dem Sitz der Vermarktungsgesellschaft, offiziell vorgestellt. 120 Milchbauern aus dem Allgäu, also aus Baden-Württemberg und Bayern, wie auch aus Hessen haben sich zusammengetan, um ihre Milch kostendeckend zu verkaufen. Von den 99 Cent Ladenpreis landen 40 Cent bei den Landwirten. Das ist so viel, wie auch Bauern aus der Region bereits seit etwa zwei Jahren fordern. Die Freiburger Molkerei Breisgaumilch zahlte im Dezember 29 Cent, deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Einen Cent zusätzlich gibt es für die Weidemilch. Dass keine Landwirte aus Südbaden an der MVS beteiligt sind, liegt daran, dass sie bei der Breisgaumilch unter Vertrag sind. So jedenfalls begründet es Karl Rombach, der stellvertretende BDM-Landesvorsitzende.

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Einen Alleingang einzelner Bauern zur MVS begrüßt Rombach nicht. Alle hiesigen Landwirte könnten von den höheren Milchpreisen profitieren, wenn die Breisgaumilch die "faire Milch" abfüllen würde. Der BDM ist Rombach zufolge mit der Breisgaumilch in Kontakt.

Die MVS hat nach eigenen Angaben nur eine Molkerei in Hessen gefunden, die die Milch abfüllt. "Wir suchen nach weiteren Molkereien", so Rombach. Außerdem hoffe er, dass auch Edeka Südwest die Milch ins Sortiment aufnehmen werde. Zwei selbstständige Edeka-Einzelhändler in Freiburg-Wiehre und in Kirchzarten haben das Produkt im Angebot.

In Absprache mit Rewe-Geschäftsführern wollen die im BDM organisierten Bauern aus der Region von Mitte Februar an vor Rewe-Filialen Stände aufbauen, um für das neue Produkt zu werben. Die Molkereien wollten nicht, sagt Karl Rombach, dass der BDM zu viel Macht bekomme. Deshalb müsse der Verband "massiv Werbung machen für ,faire Milch’".

Zunächst als Fit- und Vollmilch

Zunächst bietet die MVS Milch mit einem Fettanteil von 1,8 und 3,8 Prozent an. Die Vermarktungsgesellschaft plant, weitere Milchprodukte wie Butter und Käse unter dem Label "Die Faire Milch" anzubieten. Ein Liter dieser Vollmilch kostet beispielsweise in einer Merzhauser Rewe-Filiale 99 Cent, fast doppelt so viel wie die Rewe-Hausmarke "Ja" mit 54 Cent pro Liter. Ob die Verbraucher bereit sind, mehr für die Milch zu zahlen, wird sich zeigen.

Punkten könnte die "faire Milch" damit, dass sie gentechnikfrei ist. Im Klartext: Die Kühe der 120 MVS-Bauern werden nicht – wie in der konventionellen Landwirtschaft zulässig, da günstiger – mit genveränderten Pflanzen gefüttert. Deshalb trägt die Milch das offizielle Siegel "Ohne Gentechnik", das die Bundesregierung im August 2009 eingeführt hat. Der MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermaier spricht von strengen Richtlinien, die die Bauern einhalten müssten und die regelmäßig kontrolliert würden.

Konkurrenz für die Weidemilch

Die "faire Milch" macht damit der Weidemilch von Breisgaumilch Konkurrenz. Die Freiburger Molkerei hat die ebenfalls gentechnikfreie Weidemilch im Mai 2009 auf den Markt gebracht. Sie stammt von ausgewählten Bauernhöfen aus der Gegend um St. Peter, St. Märgen und Breitnau. Bis zu 99 Cent kostet sie in den Supermärkten, also genauso viel wie die MVS-Milch. Die Bauern bewerben ihre Milch übrigens auch mit deren hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren, der generell durch eine gentechnikfreie Fütterung erreicht wird.

Autor: Britta Kuck