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19. Februar 2010 01:54 Uhr
Viehwirtschaft
Fleischkonsum nimmt dramatisch zu
Der Verzehr von Fleisch wächst weltweit rasant, was die Vereinten Nationen mit Sorge beobachten. Die dazugehörige Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation betonte vor den Risiken für Umwelt, Klima und Gesundheit.
In den Entwicklungsländern habe sich der Fleischkonsum zwischen 1980 und 2005 auf 30,9 Kilo pro Person im Jahr mehr als verdoppelt. In China habe er sich auf je 59,5 Kilo vervierfachte. In den Industrieländern stieg der Fleischkonsum leicht. Ein Deutscher esse 83,3 Kilogramm pro Jahr und liege damit etwa im Durchschnitt der Industrienationen.
Das starke Wachstum der Viehwirtschaft wird FAO-Schätzungen zufolge in den nächsten Jahrzehnten anhalten. Bis 2050 verdopple sich die jährliche Fleischproduktion auf 463 Millionen Tonnen weltweit. Allein der Bestand an Rindern werde sich von 1,5 Milliarden Tieren auf 2,6 Milliarden erhöhen. Bereits jetzt würden weltweit 80 Prozent des Agrarlandes für Viehhaltung verwendet. Grund seien "marktverzerrende" Regelungen in einigen Ländern. FAO-Generaldirektor Jacques Diouf beklagte ein "institutionelles Vakuum" bei der Regulierung der Viehwirtschaft. Er forderte mehr staatliche Kontrolle und internationale Regeln. Die Viehhaltung schadet dem Klima durch den Ausstoß von Methan. Diouf verwies auch auf den immensen Verbrauch an Land, Wasser und Wäldern.
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Bis zu fünf Milliarden Menschen leiden laut FAO weiter unter Eisenmangel. Fleisch ist eisenhaltig. Aber nur unter stärkerer Kontrolle könne das starke Wachstum der Viehwirtschaft einen Beitrag zum Kampf gegen den Hunger leisten, heißt es in dem jährlichen Bericht zur Lage von Ernährung und Landwirtschaft. Weltweit hungern mehr als eine Milliarde Menschen. Übermäßiger Fleischkonsum wird aber für Übergewicht und eine Reihe von Krankheiten in Industrienationen verantwortlich gemacht.
Die Fleischproduktion steuert laut FAO einen entscheidenden Teil zum Lebensunterhalt von einer Milliarde Menschen bei, darunter viele Kleinbauern. Ohne Unterstützung könnten kleine Bauern aber nicht gegen die Konkurrenz agro-industrieller Betriebe bestehen. "Viehzucht muss eine Schlüsselrolle bei der Armutsbekämpfung spielen", sagte Diouf.
Wegen fehlender Regulierung droht das Wachstum der Fleischwirtschaft laut FAO auch zu einer Umweltgefahr zu werden. So hätten neue Technologien zu einer wachsenden Kluft zwischen hoch wettbewerbsfähiger Massentierproduktion und Kleinbauern geführt. Für arme Landwirte erfülle die Nutztierhaltung jedoch neben der Ernährung vielfältige Funktionen, etwa bei der Bearbeitung der Äcker und als Sicherheit für Krisenzeiten.
Durch eine zunehmend konzentrierte Nutztierhaltung in der Nähe von Großstädten und wachsenden internationalen Handel mit Fleischprodukten breiten sich laut FAO vermehrt Tierkrankheiten aus, die auf Menschen überspringen. Vor allem Kleinbauern müssten in Vorsorgesysteme eingebunden werden. Zugleich sollten sie Hilfe beim Aufbau einer neuen Existenz bekommen, wenn sie die Tierhaltung aufgeben wollten.
Autor: epd
