Gepanschter Honig im Visier der EU

Tom Nebe

Von Tom Nebe (dpa)

Do, 01. März 2018

Wirtschaft

Gerade chinesische Hersteller verstehen es gut, den Brotaufstrich zu verfälschen.

BRÜSSEL. Ein Honigbrötchen zum Frühstück, das gehört für viele Deutsche zum Start in den Tag dazu. Mehr als ein Kilo Honig isst jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr, mehr als der EU-Durchschnitt. Aber ist es immer nur Honig, der da glänzt? Experten beklagen einen erheblichen Anteil aus Profitgier gepanschter Ware. Dies gilt nach Angaben des Landwirtschaftsausschusses im EU-Parlament vor allem, aber nicht ausschließlich für Importhonig.

Das Europäische Parlament stimmt an diesem Donnerstag über Vorschläge ab, um unter anderem die Verbreitung von verfälschtem Honig auf dem europäischen Markt einzudämmen. Gefordert werden bessere Kontrollen, härtere Strafen und klarere Kennzeichnungen. Bereits am Mittwoch diskutierten die Parlamentarier in Brüssel über besseren Schutz von Bienen und Unterstützung für Imker.

In Deutschland können nur 20 Prozent des Bedarfs von heimischen Honigproduzenten gedeckt werden, EU-weit liegt der Anteil bei 60 Prozent. Rund 200 000 Tonnen Honig importiert die EU jährlich. Neben China sind Mexiko und Ukraine wichtige Exportländer.Nach Parlamentsangaben erfüllen die importierten Produkte häufig die in der Union geltenden Standards nicht: Bei Tests des gemeinsamen Forschungszentrums der EU-Kommission fielen 20 Prozent der Proben durch. So wird nach Angaben der Forscher etwa Zucker zugesetzt – was bei dem Naturprodukt Honig nicht zulässig ist. Die vergleichsweise teure Ware wird so mit billigen Mitteln gestreckt. Gesundheitlich ist das unbedenklich, aber Verbraucher werden getäuscht.

Vor allem Honig aus China gerät immer wieder unter Pansch-Verdacht. Chinesischen Importhonig etwa gibt es nach Angaben des Deutschen Imkerbundes auf dem Weltmarkt bereits für 1,20 Euro pro Kilogramm. Dagegen kostet in Deutschland produzierter Honig 12 bis 15 Euro pro Kilo. Die chinesischen Hersteller verstünden es gut, Honig zu verfälschen, sagt Imkerbund-Präsident Peter Maske. Strecken mit Fructose (Fruchtzucker) ist nur eine Möglichkeit. Können sich Deutsche also überhaupt sicher sein, dass sie sich echten Honig aufs Brot schmieren? Für Helmut Horn ist die Antwort eindeutig: ja. Honig sei in Deutschland eines der am besten kontrollierten Nahrungsmittel, sagt der Experte für Honiganalyse an der Landesanstalt für Bienenkunde im baden-württembergischen Hohenheim. Auch alle Importe – das schließt Honig aus anderen EU-Ländern ein – würden getestet. Allein auf den Tischen der Landesanstalt landen rund 1500 Proben im Jahr, viele kommen von deutschen Imkern, manche auch von industriellen Herstellern. Abnahmeprobleme hätten deutsche Imker nicht, sagt Maske. Viele hätten höchstens zehn Bienenvölker, von denen jedes etwa 20 bis 30 Kilogramm Honig pro Jahr bringt. Aber könnte das nicht auch zum Panschen verleiten? Horn bricht aber eine Lanze für deutschen Honig. Das Problem gebe es nicht, versichert er.

Die Deklaration verrät oft nicht, woher der Honig herkommt. "Der Verbraucher ist der Geprellte", sagt Maske. Der Deutsche Imkerbund vergibt ein eigenes Qualitätslabel für deutschen Honig. Für die Verbraucherorganisation Foodwatch ist die aktuelle EU-Kennzeichnung eine "Farce". Aus ihrer Sicht müssten die Hersteller von Lebensmitteln verpflichtet werden, mindestens die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben.