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10. November 2014 00:00 Uhr

Studie

Haben deutsche Banken den Bau von Atombomben unterstützt?

In der Studie "Don’ t Bank On The Bomb" wird deutschen Banken vorgeworfen, den Bau von Atombomben zu unterstützen. Dazu zählen Deutsche Bank, Commerzbank und die Allianz.

  1. Atompilz Foto: ImageForum

FRANKFURT. Deutsche Banken und Versicherungen gehören nach wie vor zu wichtigen Geldgebern von Unternehmen, die in den Bau von militärischer Nukleartechnik involviert sind. Die dritte Studie "Don’ t Bank On The Bomb" der Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) listet zehn deutsche Finanzdienstleister auf. Dazu zählen Deutsche Bank, Commerzbank und die Allianz. Genannt werden auch Landesbanken und die KfW. Zu ICAN gehören die deutschen Organisationen Urgewald und Facing Finance.

Die Finanzdienstleiter hätten zwischen 2011 und 2014 weltweit 20 Hersteller von militärischer Nukleartechnik mit rund 7,2 Milliarden Euro in Form von Aktien, Anleihen und Krediten unterstützt. Anders als bei Streumunition und Landminen sei man nicht bereit, sich von einschlägigen Kunden zu verabschieden, klagt Barbara Hoppe von Urgewald.

Als "einsamen Spitzenreiter" identifiziert die Studie die Deutsche Bank, die 14 Unternehmen bei Nuklearaktivitäten zwischen 2011 und 2014 mit 1,35 Milliarden Euro unterstützt habe. Zu den Firmen zählten der britische Flugzeugbauer BAE Systems, die Airbus Group, der US-Mischkonzern Honeywell International und das US-Unternehmen Raytheon. "Die Deutsche Bank selbst verfügt zwar über eine interne Rüstungsrichtlinie, die die Finanzierung von direkten Transaktionen im Zusammenhang mit kontroversen Waffen wie Atomwaffen untersagt. Das hindert sie jedoch nicht daran, (Rüstungs-) Mischkonzerne weiter zu finanzieren", sagt Happe.

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Ein Sprecher der Bank sagt, dass schon seit vielen Jahren Geschäfte mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen "ausgeschlossen" seien. Raumfahrt und Verteidigung stuft die Bank als kritische Sektoren ein, deren Fälle genau geprüft würden. Es werde die Meinung von Nachhaltigkeitsexperten eingeholt. Sie sollen beurteilen, ob ein Geschäft auch für die Reputation des Kreditinstituts vertretbar ist.

Auf Platz zwei der Liste rangiert die Commerzbank, an der der Bund nach wie vor mit rund 25 Prozent beteiligt ist. Sie habe Rüstungsmischkonzernen insgesamt 2,2 Milliarden Euro gewährt, davon rund 290 Millionen direkt für die Herstellung von militärischer Nukleartechnik. Die Allianz hält nach Angaben der Studie Aktien und Anleihen von zehn Produzenten im Volumen von 700 Millionen Euro. Auch bei der Commerzbank und der Allianz sieht man sich zu Unrecht am Pranger. Man finanziere Unternehmen, die nur zu einem geringen Teil in der Rüstungssparte tätig seien, heißt es bei der Commerzbank. Da könne man nicht die gesamte Geschäftsbeziehung einstellen.

Zu den Geldgebern gehörten auch öffentliche Banken wie die Bayern-LB (570 Millionen), die Landesbank Hessen-Thüringen Helaba (170 Millionen), die KfW (116 Millionen), die Landesbank Baden-Württemberg, die Norddeutsche Landesbank und die HSH Nordbank mit jeweils rund 60 Millionen Euro. Die Studie listet auch die genossenschaftliche DZ Bank auf. Sie mische direkt und indirekt über die Fondgesellschaft Union Investment mit 160 Millionen Euro mit.

Nach Ansicht der Kritiker ist auch die Bundesregierung gefragt. Sie habe sich dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt verpflichtet und müsse, so Thomas Küchenmeister, Vorstand von Facing Finance, "deutschen Geldhäusern jedwede Finanzdienstleistung für Hersteller von Nuklearwaffentechnologie gesetzlich untersagen".

Autor: Rolf Obertreis