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26. November 2013 09:01 Uhr

Modekette

H&M verspricht Arbeitern in Asien mehr Lohn

Der Textilkonzern H & M hat zugesagt, für existenzsichernde Löhne in seiner Zulieferkette zu sorgen. Die Löhne in Bangladesch, Indien oder China würden damit stark steigen.

  1. Entwicklungsminister Dirk Niebel in einer Textilfabrik nahe Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Foto: dpa

"Alle unsere Zulieferer sollten ihren Beschäftigten existenzsichernde Löhne zahlen", sagte H&M-Managerin Helena Helmersson. In die Praxis umgesetzt, würde eine solche Politik dazu führen, dass die Löhne in Bangladesch, Indien oder China stark steigen.

Helmersson sprach auf einer Konferenz über "Living Wages" (existenzsichernder Lohn), die unter anderem das niederländische Außenministerium und das deutsche Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) organisiert hatten. Die rund 200 Teilnehmer aus aller Welt verabschiedeten einen Aufruf, existenzsichernde Löhne in den globalen Zulieferketten der Konzerne durchzusetzen. Unter existenzsicherndem Lohn versteht man eine Bezahlung, die die Grundbedürfnisse der Arbeiter und ihrer Familien sichert, sowie Altersvorsorge, Bildungsausgaben für die Kinder und gewisse Ersparnisse abdeckt. Meist müsste sie wesentlich über den Mindestlöhnen liegen, die die Gesetze in Bangladesch und anderen Staaten vorsehen. Das gilt auch für Deutschland. Hartz IV oder der künftige Mindestlohn, den Union und SPD vereinbaren wollen, reichen in aller Regel nicht aus, um die Existenz einer drei- oder vierköpfigen Familie mit einem Einkommen zu sichern. Dazu ist ergänzendes Arbeitslosengeld II nötig.

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Insofern war es auf den ersten Blick erstaunlich, dass in einer seiner letzten Amtshandlungen ausgerechnet FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel die Konferenz eröffnete, schließlich gehören Regelungen für höhere Löhne nicht zu den Prioritäten der Liberalen. Offenbar konnte sich Niebel aber auch deshalb für das Thema erwärmen, weil es ihm um einen freiwilligen Prozess geht, dessen Ergebnisse vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern – weit weg von Deutschland – eine Rolle spielen sollen.

Insgesamt existiert ein frappierender Widerspruch. Das Recht auf eine existenzsichernde Bezahlung steht unter anderem in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Trotzdem fühlt sich kaum einer der international tätigen Konzerne wie H & M, Walmart, Apple oder Adidas daran gebunden – unter anderem, weil Regierungen und Rechtssysteme sie nicht dazu zwingen. Beispiel Bangladesch: Die Arbeiter müssten eigentlich umgerechnet 62 Euro monatlich erhalten, sagte während der Konferenz Lilianne Ploumen, Entwicklungsministerin der Niederlande. Tatsächlich wurde der Mindestlohn dort unlängst, nach massiven Protesten von Arbeitnehmern, auf 50 Euro angehoben. "Eine große Verbesserung, aber nicht genug", so Ploumen.

H & M will nun bis 2014 existenzsichernde Löhne in drei Modellfabriken umsetzen. Später sollen weitere Zulieferer folgen. Ob dadurch die Preise in den Geschäften steigen, wollte Helmersson nicht sagen. Die andere Möglichkeit: Der Textilkonzern akzeptiert, dass seine Gewinnmarge leicht sinkt.

Autor: Hannes Koch